Bremen - Der Nord-Süd-Klassiker am Samstagnachmittag zwischen dem SV Werder und Bayern München war nicht nur das Duell zweier alter Rivalen sondern auch das der Trainer. Auf der einen Seite der mit vielen Titeln dekorierte Pep Guardiola und auf der anderen Seiten Bremens neuer Hoffnungsträger Viktor Skripnik.

"Ich bin stolz auf dieses 0:4. Diese Niederlage nehmen wir gerne mit. Im Hinspiel war es schließlich sogar 6:0", erklärte Viktor Skripnik auf der Pressekonferenz mit einem Augenzwinkern. Sein Kollege Guardiola lobte, wie immer, den Gegner in den höchsten Tönen und sprach von einer starken Leistung der Bremer. Die beiden Trainer behandelten sich respektvoll. Die Art und Weise wie sie am Samstag während der 90 Minuten auf ihre jeweiligen Teams einwirkten, war jedoch völlig unterschiedlich.

Guardiola reagiert nach wenigen Minuten

Während Bayerns Trainer Guardiola die gesamte Spielzeit direkt am Rand des Geschehens verbrachte, lugte Viktor Skripnik erst in der zweiten Halbzeit als es etwas hitzig wurde von der Trainerbank hervor. Zuvor war der Ukrainer an der Seitenlinie nicht zu sehen und überließ die taktischen Anweisungen seinen Co-Trainern Florian Kohfeldt und Torsten Frings.

Ganz anders der Katalane vom FC Bayern. Nur wenige Minuten nach dem Anpfiff gab Guardiola hektisch Anweisungen und holte sich David Alaba an die Seitenlinie um ihn von der frühen Taktikänderung zu informieren. Immer wieder zeigte der Katalane mit seiner linken Hand vier Finger hoch, was bedeuteten sollte: Umstellung auf die Viererkette. Die Bayern begannen mit einer Dreierabwehrkette, doch diese hatte nur kurze Zeit Bestand. Danach musste der Spanier Juan Bernat eine Reihe nach hinten rücken auf seine angestammte Linksverteidigung-Position. Der Österreicher Alaba agierte somit zusammen mit Bastian Schweinsteiger auf der Doppel-Sechs.

Skripnik sah das Unheil früh kommen

Skripnik sah wohl schon früh ein, dass ein vehementer Einsatz an der Seitenlinie am Samstagnachmittag nichts geholfen hätte, trotzdem war er mit der Leistung seiner Mannschaft gegen den übermächtigen Rekordmeister zufrieden. "Wir haben alles versucht und phasenweise auch mit Mut nach vorne gespielt. Wir gucken weiter nach vorne und nehmen die positiven Dinge mit. Wir sind froh, dass wir gegen Bayern in dieser Phase und mit 33 Punkten auf dem Konto spielen konnten. Unser Ziel bleibt aber weiterhin unverändert", so Skripnik realistisch.

Di Santo fehlte an allen Ecken und Enden

Bremens Trainer musste vor der Partie seine Elf aus dem Freiburg-Spiel notgedrungen ändern, da Top-Torjäger Franco di Santo aufgrund einer Gelbsperre fehlte. Ihn ersetzte Youngster Davie Selke im Sturmzentrum. Den Torriecher und die Durchschlagskraft des Argentiniers konnte Selke aber nicht kompensieren. Nur dreimal schossen die Werderaner auf das Gehäuse des FC Bayern. Das wurde zum ersten Mal vom Spanier Pepe Reina gehütet. Für den Ex-Weltmeister war es das erste Pflichtspiel in Diensten des FC Bayern. Damit ist er erst der zweite ausländische Torwart beim Rekordmeister nach dem Belgier Jean-Marie Pfaff.

Bayern ohne "Robbery"

Guardiola verzichtete freiwillig auf seine Nummer eins Manuel Neuer, dem er drei freie Tage verordnete. Außerdem fehlte Xabi Alonso gelb gesperrt. Verletzungsbedingt musste der Katalane auch auf "Robbery" alias Franck Ribery und Arjen Robben verzichten. Doch der qualitativ hochwertig besetzte Kader konnte das Fehlen der zwei starken Individualisten gegen harmlose Bremer verkraften.

Auch aufgrund der starken Mannschaftsleistung war Guardiola nach der Partie sehr zufrieden mit seinem Team: "Die Mannschaft hat stets die volle Konzentration gewahrt und es sehr, sehr gut gemacht. Es war nicht leicht nach dem Spiel gegen Donezk, sich wieder auf einen anderen Gegner einzustellen. Heute war so ein Tag, wo ich stolz war, Trainer dieser Mannschaft zu sein." Der Rekordmeister freute sich derweil über reine Trainingswoche ohne zusätzliche Belastung. Am Sonntagabend empfängt der Titelverteidiger dann im Topspiel Borussia Mönchengladbach in der Allianz Arena.

Bayern bleibt Werders Angstgegner

Der FC Bayern bleibt Bremens großes Schreckgespenst. Die Bayern haben die letzten zehn Pflichtspiele gegen Bremen allesamt gewonnen. Alleine in den letzten vier Spielen gelangen den Münchnern 22 Tore. Die Gegentorflut ärgerte auch Skripnik: "Mit dem vierten Gegentor sind wir nicht zufrieden, aber so ist das bei den Bayern. Da waren wir einmal nachlässig und schon hatten wir das Gegentor kassiert. Selbst nach dem 0:3 haben wir versucht, die Bälle nach vorne zu spielen und nicht nur wegzuhauen. Wir wollen auch weiterhin agieren statt zu reagieren. Das ist unser Spiel."

Die Bremer gastieren am kommenden Samstag dann beim 1. FC Köln. Gegen die Rheinländern besteht dann wieder die Chancen nach der Lehrstunde gegen die Bayern wieder etwas Zählbares mit an die Weser zu nehmen.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage