Bochum - Unzufrieden war Thomas Tuchel nicht, obwohl Borussia Dortmund mit dem 1:2 beim VfL Bochum seine erste Niederlage in der Vorbereitung kassiert hat. Neben lobenden Worten benannte der Trainer aber auch klar die Dinge, die ihm nicht gefallen haben und an denen der BVB jetzt im Trainingslager in der Schweiz arbeiten wird.

Frage: Thomas Tuchel, welche Schlüsse kann man aus diesem Test ziehen?

Thomas Tuchel: Wir haben viele Dinge, die wir uns vorgenommen haben, auch umgesetzt. Wir haben vielleicht ein bisschen übermotiviert und fahrig begonnen. Wir haben auch rund zehn Minuten gebraucht, bis alle ihre Position gefunden hatten. Aber dann haben wir eine gute halbe Stunde gespielt – sehr dominant, mit vielen Torchancen, die wir aber nicht nutzen konnten. Bochum verteidigt etwas ungewöhnlich, sehr mannorientiert, aber wir konnten uns gut durchsetzen.

"Haben schlechte Entscheidungen getroffen"

Frage: Trotzdem ging der VfL nach 33. Minuten in Führung.

Tuchel: Wir haben unsere Ruhe und Ordnung aber trotzdem nicht verloren. Das große Manko war vielmehr, dass wir unsere vielen Balleroberungen nicht zu Ende gespielt haben. Wir haben schlechte Entscheidungen getroffen, sind hängen geblieben. Wir haben aus elf Umschaltmöglichkeiten keinen Torabschluss bekommen, obwohl das eigentlich eine große Stärke von uns ist. Marco Reus hat vorne sehr gute und gefährliche Räume gefunden. Wir haben ihn ein paar Mal im Umschalten übersehen. Wir haben wie gesagt im Umschalten ein paar falsche Entscheidungen getroffen, sonst hätten wir noch mehr hochkarätige Torchancen bekommen. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir nochmals eine sehr dominante erste Viertelstunde gespielt. Das 2:0 von Bochum hat das Spiel dann auf den Kopf gestellt.

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Frage: Das Spiel hatte echten Derbycharakter mit entsprechender Atmosphäre. War es in dieser Hinsicht auch ein Gradmesser für die Mannschaft?

Tuchel: Es wurde ein Gradmesser, als wir plötzlich mit 0:2 zurücklagen. Aber auch danach hat meine Mannschaft viel Willen gezeigt. Generell ist es toll, so ein Vorbereitungsderby zu spielen, mit dieser Stimmung in einem ausverkauften Stadion. Es war das erwartet ernsthafte Freundschaftsspiel. Es war uns sehr bewusst, dass die Bochumer schon sehr weit sind in der Vorbereitung. Wir haben zu viele Chancen liegen lassen, das war das Problem.

"Damit es Schritt für Schritt weitergeht"

Frage: Jetzt geht es ab Sonntag für den BVB ins Trainingslager nach Bad Ragaz. Woran wollen Sie vor allem arbeiten?

Tuchel: Wir sind eigentlich an allem dran. Es geht darum, in möglichst schneller Zeit viel einzupacken. Wir werden die Jungs jetzt bestätigen in den Sachen, die sie gut machen. Dazu werden wir an der Kompaktheit, am Verteidigungsverhalten weiter arbeiten, damit es Schritt für Schritt weitergeht. Insgesamt ist es bis jetzt sehr ordentlich, was wir anbieten. Das wird auch durch dieses Ergebnis gegen Bochum nicht geschmälert.

Frage: Am 30. August wird es ernst für den BVB, wenn die Qualifikationsrunde zur Europa League auf dem Programm steht. Wie beurteilen Sie die beiden möglichen Gegner aus Österreich bzw. Weißrussland?

Tuchel: Das kann ich nicht beurteilen, weil ich noch kein Bild von beiden habe. Wir haben noch die Gelegenheit, das Rückspiel zwischen Wolfsberg und Soligorsk zu sehen. Wir werden uns dann so gut wie möglich auf den Sieger vorbereiten, auch mit dem nötigen Respekt und der nötigen Ernsthaftigkeit. Wir wollen in den zwei Spielen keinen Zweifel aufkommen lassen, dass wir weiterkommen möchten. Dann werden wir es natürlich auch konsequenter zu Ende spielen als jetzt in Bochum.

 

Aus Bochum berichtet Dietmar Nolte