Nach dem fünften Sieg in Folge zollte Stuttgarts Trainer Christian Gross dem Gegner ein dickes Lob - doch Nürnbergs Kollege Dieter Hecking hätte im Abstiegskampf lieber den einen Punkt gehabt, der für den "Club" zum Greifen nah war.

So musste Hecking nach dem 1:2 (0:1) des 1. FCN gegen die Schwaben die üblichen Durchhalteparolen bemühen und vor dem Spiel am Freitag bei Borussia Mönchengladbach weiter auf das Prinzip Hoffnung setzen.

Sprung auf Nichtabstiegsplatz verpasst

"So ein Weg ist immer mit Rückschlägen gepflastert. Es ist ein langer Weg. Aber wenn die Mannschaft weiter so auftritt, können wir zuversichtlich sein, dass wir das lösen können", sagte Hecking nach der sechsten Heimniederlage der Franken in dieser Saison. Der kurze Aufschwung durch das jüngste 3:1 in Hannover erhielt dadurch schnell wieder einen Dämpfer.

Der neunmalige deutsche Meister bleibt Vorletzter und verpasste es, die Gunst der Stunde zu nutzen. Bei einem Erfolg gegen den VfB wäre erstmals seit dem 14. Spieltag sogar der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz möglich gewesen.

Gross blickt weiter nach unten

Während die Nürnberger deshalb etwas mit ihrem Schicksal haderten, freuten sich die Stuttgarter über die Fortsetzung ihres Höhenflugs, der sie am Samstagabend vorübergehend sogar auf Platz 8 brachte. Doch weiterhin ist beim VfB das Träumen verboten.

"Wir wachsen an unseren Aufgaben. Unser nächstes Ziel ist es nun, den HSV zu schlagen. Wir dürfen die hinteren Ränge aber nicht aus den Augen verlieren", sagte Erfolgscoach Gross zurückhaltend, obwohl ein Europapokalplatz inzwischen viel näher als der Relegationsplatz ist.

Elf Punkte haben die Schwaben inzwischen Vorsprung auf Rang 16, mit dem Abstiegskampf werden sie deshalb nichts mehr zu tun haben.

"Momantan haben wir wohl einen Lauf"

Dennoch wollte auch Keeper Jens Lehmann keine neuen Ziele ausgeben. "Wir wollen gegen den HSV gewinnen, dann schauen wir mal weiter", sagte der 40 Jahre alte Keeper. Zumindest konnte er zufrieden feststellen, "dass wir momentan wohl einen Lauf haben. Jetzt kommt das Pech, das wir teilweise in der Vorrunde hatten, als Glück zurück."

Da hatte Lehmann nicht ganz unrecht. Der VfB war zwar die etwas reifere, letztendlich aber auch glücklichere Mannschaft. Nachdem Timo Gebhart die Gäste in der 22. Minute in Führung gebracht und Albert Bunjaku mit seinem zehnten Saisontor nach einer Stunde für Nürnberg ausgeglichen hatte, schien alles schon auf ein Remis hinauszulaufen - ehe der eingewechselte Roberto Hilbert in der 87. Minute zuschlug.

Hecking fordert weniger Gier

Zwar wollte Hecking seiner Mannschaft nach "einer klasse Leistung und einem tollen Spiel" keine Vorwürfe machen, das späte Tor zum 1:2 ärgerte ihn aber dann doch: "Das war die Gier nach einem Heimsieg. Da muss man auch mal mit einem Punkt leben können, aber wir haben diesen Konter zugelassen. Das darf nicht passieren."

Dennoch gab es Komplimente vom Gegner. Es sei das erwartet schwere Spiel "gegen eine leidenschaftlich spielende und kämpfende Nürnberger Mannschaft gewesen. Nürnberg hat uns alles abverlangt", sagte Gross.

Doch dafür konnte sich der "Club" letztendlich nichts kaufen. Nun soll in Gladbach der nächste Versuch gestartet werden, die Lage zu verbessern. Allerdings ist bei der Borussia der Einsatz von Torwart Raphael Schäfer fraglich. Der 31-Jährige erlitt in der 90. Minute bei einem Zweikampf mit Serdar Tasci eine tiefe Fleischwunde an der Wade, die in der Kabine genäht werden musste.