Köln - Der VfL Wolfsburg hat zwei Spieltage vor Saisonende bereits die Qualifikation zur Champions League in der Tasche. Jetzt kämpfen die Wölfe mit Borussia Mönchengladbach um die Vizemeisterschaft, die sich die Niedersachsen, wie Christian Träsch im Interview mit bundesliga.de verrät, unbedingt sichern wollen. Voraussetzung dafür ist ein Sieg gegen Borussia Dortmund am Samstag. Pikanterweise geht es auch zwei Wochen später beim Pokalfinale wieder gegen den BVB.

bundesliga.de: Christian Träsch, Sie haben mit dem VfL Wolfsburg bereits zwei Wochen vor dem Saisonfinale das Saisonziel erreicht und überboten. Laufen Sie in diesen Tagen mit einem Lächeln im Gesicht durch Wolfsburg?

Träsch: Definitiv. Wir hatten uns vor der Saison vorgenommen, dass wir mindestens wieder den 5. Tabellenplatz wiederholen wollen. Dass wir jetzt bereits am 32. Spieltag sogar die direkte Qualifikation zur Champions League geschafft haben, ist umso schöner.

bundesliga.de: War es für Sie in Ihren mittlerweile fast vier Jahren in Wolfsburg das schönste Jahr?

Träsch: Ja. Wir haben eine super Saison gespielt. Für mich lief es am Anfang der Saison mit der langwierigen Schulterverletzung nicht so gut. Das war ärgerlich. Aber wir haben insgesamt eine überragende Saison gespielt, mit der in der Form auch kaum jemand gerechnet hat. Aber wir wollen diese Saison in den kommenden Wochen noch krönen.

bundesliga.de: Für Sie lief es in der Rückrunde besser, sie haben viele Spiele bestritten, standen häufig in der Startelf und haben auch Ihren Vertrag verlängert. Die Wertschätzung im Verein ist da. Was waren für Sie die entscheidenden Gründe, dem VfL die Treue zu halten?

Träsch: Wie Sie schon gesagt haben, genieße ich eine große Wertschätzung im Verein. Sportlich sind die Voraussetzungen mit der Aussicht auf die Champions League im nächsten Jahr sehr reizvoll. Wir sind Zweiter in der Bundesliga. Was will man mehr? Deshalb haben meine Familie und ich entschieden, dass wir hier bleiben, weil wir uns in Wolfsburg auch sehr wohl fühlen.

"Man achtet schon auf Details"

bundesliga.de: Beschreiben Sie doch einmal Ihre Rolle in der Mannschaft. Sind Sie ein Stammspieler oder gibt es bei der Rotation eigentlich keine richtigen Stammspieler mehr, weil jeder auf seine Einsätze kommt?

Träsch: Wir hatten sehr viele Spiele in dieser Saison in der Bundesliga, in der Europa League und im DFB-Pokal. Der Trainer hat meistens durchrotiert. Wir haben einen guten Kader, in dem jeder den Anspruch hat, spielen zu wollen. Das heißt, in jedem Training Vollgas geben, um sich für das Wochenende zu empfehlen. Man sitzt dann auch einmal draußen. Aber so ist das eben bei einem Topclub.

bundesliga.de: Sie sprachen eben davon, die Saison noch krönen zu wollen. Was wollen Sie noch erreichen?

Träsch: Die Vizemeisterschaft und den Gewinn des DFB-Pokal. Wir standen so viele Wochen schon auf Platz 2, diesen Rang wollen wir nicht mehr hergeben.

bundesliga.de: Am Samstag kommt es zur Generalprobe des DFB-Pokalfinales, wenn der VfL gegen Borussia Dortmund antritt. Ist das ein normales Bundesliga-Spiel oder gucken Sie da schon genauer hin?

Träsch: Es wird ein interessantes Spiel. Wir wollen Zweiter werden, Dortmund will noch in die Europa League. Und es ist auch sicherlich die Generalprobe. Man will schon wissen, wie der Gegner spielt und achtet auf die Details. Wir werden die Partie auch im Hinblick auf Berlin hochmotiviert angehen.

bundesliga.de: Danach müssen die Wölfe zum 1. FC Köln, der ebenfalls eine starke Saison spielt. Die Vizemeisterschaft dürfte noch ein hartes Stück Arbeit werden.

Träsch: Auf alle Fälle. Auch unser Verfolger Borussia Mönchengladbach spielt eine bärenstarke Saison, vor allem in der Rückrunde. Die gewinnen ein Spiel nach dem anderen, das mussten leider auch wir erfahren. Wir werden die letzten beiden Partien hochkonzentriert angehen, weil wir unbedingt Zweiter werden wollen.

bundesliga.de: Und im Pokalfinale winkt die Chance auf einen großen Titel. In den letzten Jahren haben ja nur Bayern-Spieler und Dortmunder Profis die Titel abgeräumt.

Träsch: Dann wird es Zeit, dass mal ein anderer den Pokal gewinnt. Wir sind vor der Saison angetreten, um diesen Cup zu gewinnen. Und jetzt fahren wir nach Berlin, um den Pokal nach Wolfsburg zu holen.

"Unser Anspruch ist, Großes zu erreichen"

bundesliga.de: Wie sehen Sie insgesamt die Perspektiven in Wolfsburg? Kann sich der VfL dauerhaft als zweite Kraft im deutsche Fußball nach den Bayern etablieren und auch mal die Meisterschaft ins Visier nehmen?

Träsch: Als ich nach Wolfsburg gekommen bin, war der Anspruch hier, Großes zu erreichen. In dieser Saison waren die Bayern in der Bundesliga eine Klasse für sich. Die haben alles in Grund und Boden gespielt. Aber unser Ziel ist es, da auch irgendwann hinzukommen und den Bayern und den anderen Vereinen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Es gibt viele Vereine, die den Anspruch haben, Nummer 2 zu sein. Dazu gehören wir auch.

bundesliga.de: Der VfL Wolfsburg hat ja selbst die Bayern im Januar beim 4:1-Sieg in Grund und Boden gespielt.

Träsch: Das stimmt schon. Aber die Bayern haben über die ganze Saison sensationell gespielt. Da wollen wir wie gesagt auch hinkommen.

bundesliga.de: Als gebürtiger Ingolstädter verfolgen Sie sicher auch den Weg des FC Ingolstadt in der 2. Bundesliga. Was verbindet Sie mit dem Verein?

Träsch: Zum FC Ingolstadt selbst habe ich eher weniger Beziehungen. Ich habe früher beim MTV Ingolstadt gespielt, der später dann auch ein Teil der Fusion wurde. Dennoch verfolge ich deren Weg und hoffe, das Ingolstadt hoch geht in die Bundesliga. Das wäre sensationell für die Stadt und die Region, es gäbe ein schönes Derby gegen die Bayern. Mich würde es riesig freuen. Und es sieht ja auch sehr gut aus bei sechs Punkten Vorsprung. Auch wenn sie noch gegen Leipzig und Kaiserslautern schwere Spiele bestreiten müssen, bin ich zuversichtlich, dass sie am Wochenende den Deckel draufmachen.

bundesliga.de: Ein bisschen schwieriger ist die Situation bei Ihrem Ex-Verein VfB Stuttgart. Packt der VfB den Klassenerhalt?

Träsch: Ich habe noch viele Freunde in Stuttgart und bin regelmäßig mit Sven Ulreich in Kontakt (dem Keeper des VfB, die Red.). Ich hoffe, dass sie es noch schaffen. Nach dem Sieg gegen Mainz haben sie es in eigener Hand. Ich drücke die Daumen, denn der VfB Stuttgart gehört auch in die Bundesliga.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski