Für Bundesliga-Profis kann der 30. Juni ein einschneidendes Datum sein. An diesem Tag laufen die Arbeitsverträge zahlreicher Spieler aus. Und nicht alle bekommen einen neuen Vertrag oder finden auf Anhieb einen anderen Verein und Arbeitgeber. René Renno ist einer von ihnen.

Der 31-Jährige ist im Mai mit dem VfL Bochum aus der Bundesliga abgestiegen. Man könnte sagen, dass es nicht an ihm gelegen hat: Als dritter Torwart kommt Renno in der Bundesliga-Spielzeit 2009/10 zu keinem Einsatz. Philipp Heerwagen, Andreas Luthe und der früh transferierte Daniel Fernandes stehen zwischen den Pfosten.

Karriere im Ruhrgebiet

Die Karriere des gebürtigen Berliners ist bislang nicht im ganz großen Bundesliga-Glanz verlaufen. Über die Jugend von Hertha BSC und nach einem kurzen Gastspiel bei Tennis Borussia Berlin landet Renno 2001 im Ruhrgebiet.

SG Wattenscheid, Rot-Weiß Essen und VfL Bochum heißen die nächsten Stationen. Unterm Strich stehen bis heute 91 Spiele in der Regionalliga, 35 in der 2. Bundesliga und 11 in der Bundesliga.

Gespräch mit Thomas Ernst

Nach zehn Torhüter-Jahren in den höchsten drei Spielklassen wird Renno in der vergangenen Winterpause erstmals mit einer neuen Situation konfrontiert. "Nach einem Training wurde ich zu einem Gespräch mit unserem Sportvorstand Thomas Ernst gebeten.

Er hat mir gesagt, dass der Verein für die kommende Saison aus Kostengründen nur noch mit zwei Torhütern plane, mit Heerwagen und Luthe. Diese Entscheidung habe nichts mit meiner Leistung zu tun, denn sowohl mit den Trainingsleistungen als auch mit meinem Verhalten sei der Verein absolut zufrieden", erzählt Renno.

Erstmaliger Gang zum Arbeitsamt

Keine schöne Nachricht für den Vater zweier Kinder, der das Gespräch aber als "absolut fair" bewertet. "Denn ich wusste früh, woran ich bin und konnte mich rechtzeitig mit der neuen Situation beschäftigen", sagt Renno. Das Ziel ist eindeutig: "Ich bin Torwart und kann sicher mit 36 oder 37 Jahren noch auf gutem Niveau spielen. Deshalb suche ich einen neuen Verein bis einschließlich 3. Liga."

Zusammen mit seinem Berater beobachtet Renno den Markt, hält Augen und Ohren auf. Jeden Tag könnte das passende Angebot kommen. Gleichzeitig muss sich Renno auch mit dem Thema Arbeitslosigkeit beschäftigen. Zum Beispiel mit dem erstmaligen Besuch des Arbeitsamts Bochum. "Das war kein angenehmer Gang, spätestens hier macht man sich ernste Gedanken und Sorgen um die Zukunft", sagt der ausgebildete Sozialpädagoge. Nicht jeder Profi verdient Millionen und hat für später ausgesorgt.

Unterstützung durch die VdV

Große Hilfe leistet die Vereinigung der Spielergewerkschaft (VdV), Renno ist Mitglied seit 2001. Die VdV, die auch eng mit der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH kooperiert, gibt nicht nur Tipps zum richtigen Verhalten bei Arbeitslosigkeit. Sie bietet mit dem Trainingscamp für vereinslose Spieler, das jedes Jahr im Juli in der Sportschule Wedau beginnt, eine optimale Möglichkeit zur Weitervermittlung.

Die Teilnehmer trainieren professionell unter Vereinsbedingungen und können sich in vielen Spielen gegen hochklassige Gegner vor den Augen von Managern, Trainern und Scouts für neue Aufgaben empfehlen.

Teilnahme am VdV-Trainingscamp geplant

VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky erklärt: "DFL, DFB, Ligaverband und VdV haben 2006 eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Dazu gehört, dass Projekte und Initiativen der VdV gefördert und unterstützt werden – wie etwa das Trainingscamp. Knapp 80 Prozent aller Teilnehmer des Camps finden dann tatsächlich wieder einen Profiverein."

Auch Renno hat sich frühzeitig für das Camp angemeldet. Seine Pläne für die Zukunft möchte er aber gerne noch hinter ein paar Profijahre anstellen: Torwarttrainer heißt das Ziel, die Talente von RWE hat er früher schon mit Begeisterung trainiert.

"Fit halten und Gas geben"

In Holland möchte er eigens noch einen Schein als Torwarttrainer erwerben. Im Internet hat sich Renno bereits ein zweites Standbein mit einer eigenen Webseite über Fußballtraining aufgebaut.

Auch wenn bis jetzt noch nicht das richtige Angebot gekommen ist, bleibt Renno optimistisch, dass seine nähere Zukunft zwischen den Pfosten liegt: "Im Fußball ist so viel möglich, die Planungen der Vereine können durch Verletzungen oder Wechsel plötzlich ganz anders aussehen. Im Vorjahr ist etwa Torwart Stefan Wessels aus dem VdV-Camp heraus vom FC Basel verpflichtet worden. Deshalb gilt auch für mich: immer fit halten und Gas geben."

Stefan Kusche