Die Erwartungen sind hoch, auch wenn der Gegner eigentlich nur ein Trainingspartner ist. Gegen Fußball-Zwerg Liechtenstein steht die deutsche Nationalmannschaft nach den letzten Pleiten unter Druck.

"Wir müssen eine Reaktion zeigen, und wir werden eine Reaktion zeigen", sagt Kapitän Michael Ballack vor dem WM-Qualifikationsspiel im mit 43.368 Zuschauern ausverkauften Leipziger Zentralstadion. Die DFB-Auswahl will mit einem möglichst hohen Sieg Werbung in eigener Sache machen.

Löw: "Erwarte Tempo, Druck und Spaß"

"Ich erwarte Tempo und Druck, Spaß am Spiel und Spaß, Tore zu erzielen", fordert Bundestrainer Joachim Löw. "Wir wollen den Fans wieder Freude bereiten mit unserem Spiel." Außerdem will sich der Vize-Europameister warmschießen für das nächste Duell am Mittwoch in Wales.

Bedeutung:

Nach dem 1:2 gegen England und dem 0:1 gegen Norwegen ist eine überzeugende Vorstellung gegen das Team aus dem Fürstentum Pflicht.

Auch die Höhe des Sieges zählt, denn am Ende könnte im Fernduell gegen Russland um den Gruppensieg jeder Treffer zählen. "Die Spieler wissen um die Wichtigkeit der beiden Spiele", betont Löw. "Wir wollen im Oktober als Spitzenreiter nach Moskau reisen. Dann haben wir alles in der eigenen Hand."


Aufstellung/Personal:

Die deutsche Mannschaft muss auf die verletzten Routiniers Miroslav Klose, Torsten Frings und Arne Friedrich verzichten. Auch Piotr Trochowski (Innenbanddehnung) fällt aus, sein Einsatz ist auch gegen Wales ebenso fraglich wie der von Rene Adler (Ellbogenprellung).

Zudem ist Stefan Kießling (Knie-Beschwerden) angeschlagen, während Per Mertesacker nach überstandener Fußprellung einsatzbereit ist. Offen sind noch drei bis vier Positionen in der Startelf: Rechts hinten sind Andreas Hinkel und Andreas Beck gleichauf, in der Innenverteidigung scheint Heiko Westermann leichte Vorteile vor Serdar Tasci zu haben.

Im defensiven Mittelfeld spricht vieles für Thomas Hitzlsperger und gegen Simon Rolfes, im linken Mittelfeld dürfte Marcell Jansen den Vorzug vor Marko Marin erhalten.


Der Gegner:

Ungleicher könnte das Duell kaum sein: Liechtenstein ist 152. der Weltrangliste und hat seit fast genau einem Jahr keinen Länderspieltreffer mehr erzielt.

Das war beim 1:7 gegen Malta am 26. März 2008, daher erklärt der Nationalcoach Hans-Peter Zaugg: "Unser Ziel ist es, ein Tor zu schießen. Ein Punktgewinn wäre mir aber fast schon lieber." Zumal das größtenteils aus Amateuren bestehende Team auch noch auf mehrere verletzte oder gesperrte Stammkräfte verzichten muss.

Dennoch hoffen die Liechtensteiner, deren Topstar der für den italienischen Erstligisten AC Siena spielende Rekordnationalspieler Mario Frick ist, auf eine ähnlich gute Vorstellung wie in der ersten Halbzeit des Hinspiels. Im vergangenen September lag das Team gegen Deutschland zur Pause nur mit 0:1 zurück.


Statistik:

Die Bilanz ist eindeutig: 23:3 Tore erzielte die DFB-Elf in den bisherigen drei Länderspielen gegen Liechtenstein: 9:1, 8:2 und zuletzt im Hinspiel 6:0 lauteten die Resultate.

Die Gäste haben von 104 Partien auch nur sechs gewonnen und dabei 327 Gegentore kassiert. In der laufenden WM-Qualifikation der Gruppe 4 holte das Team bislang einen Punkt beim 0:0 bei den von Berti Vogts trainierten Aserbaidschanern.


Das sagen die Trainer:

Joachim Löw: "Wichtig ist, dass wir nach den letzten Niederlagen, die auch bei uns Spuren hinterlassen haben, wieder unser wahres Gesicht zeigen. Wenn die Mannschaft die Eindrücke aus dem Training umsetzt, habe ich ein gutes Gefühl."

Hans-Peter Zaugg: "Die Deutschen werden uns nicht unterschätzen und uns den nötigen Respekt entgegenbringen. Sie sind individuell um Klassen besser und alles andere als ein deutscher Sieg wäre eine Sensation."


Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Enke/Hannover 96 (31 Jahre/4 Länderspiele) - A. Beck/1899 Hoffenheim (22/1) oder Hinkel (Celtic Glasgow/27/19), Mertesacker/Werder Bremen (24/53), Westermann/Schalke 04 (25/10) oder Tasci (VfB Stuttgart/21/5), Lahm/Bayern München (25/53) - Schweinsteiger/Bayern München (24/63), Ballack/FC Chelsea (32/90), Hitzlsperger/VfB Stuttgart (26/43), Jansen/Hamburger SV (23/28) oder Marin/Borussia Mönchengladbach (20/5) - Podolski/Bayern München (23/60), Gomez/VfB Stuttgart (23/21).

Liechtenstein: Jehle - Vogt, Martin Stocklasa, Michael Stocklasa, Oehri - Ritzberger, R. Büchel, Gerster, Rohrer - Frick, Th. Beck.

Schiedsrichter: Igor Ischschenko (Ukraine)