Doha (Katar) - Es ist Abend geworden in Doha. Die eben noch sengende Sonne ist hinter einem der modernen Gebäudekomplexe des Aspire Zentrums untergegangen - und Mario Gomez hat sein Tagwerk hinter sich.

Der Stürmer des FC Bayern schlendert zurück zum Teamhotel. Drei Damen eilen ihm hinterher, sie möchten ein Foto. Gomez erfüllt den Wunsch - und richtet den Blick wieder nach vorne, die Ziele klar vor Augen.

"Träume erreicht man nicht einfach so"

"Jeder Spieler will sich den Traum vom Triple verwirklichen", sagt er über die Ausgangslage des Rekordmeisters vor der Rückrunde, auf die sich Gomez und Co. dieser Tage in Katar vorbereiten, "aber Träume erreicht man nicht einfach so. Wir wissen, dass wir die Möglichkeit dazu haben, aber die haben auch noch ein paar andere Vereine in Europa."

Und dennoch: Der "Ansporn", das Maximale, also auch die Trophäe in der Champions League zu gewinnen, sei "sehr groß", größer vielleicht denn je. "Das Endspiel im eigenen Stadion hat man wohl nur einmal im Leben, deswegen ist das ein sehr großes Ziel für mich."

Das gilt für Gomez wie den FC Bayern insgesamt, obwohl Kapitän Philipp Lahm glaubt, dass die Münchner in den kommenden Jahren gleich mehrfach die Chance haben könnten, das ganz große Ding zu landen. "Viele Spieler in der Mannschaft sind noch sehr jung, aber in drei vier Jahren im besten Fußballeralter. Die Grundvoraussetzungen für eine rosige Zukunft sind da", sagt er.

Auslandspläne ad acta gelegt

Gomez ist 26, auch er soll und will Teil einer goldenen Bayern-Ära sein. Der Vertrag des Bundesliga-Torschützenkönigs läuft zwar noch bis zum 30. Juni 2013, doch er denkt anscheinend schon über dieses Datum hinaus.

"Ich fühle mich sehr wohl und will gern Teil dieser Mannschaft bleiben", sagt er. Die Auslandspläne, die er zu Beginn seiner Karriere wiederholt geäußert hatte, hat er erst mal ad acta gelegt. "Das war, bevor ich wirklich angekommen bin in der Fußballwelt. Mein Daddy ist Spanier und meine spanische Verwandtschaft heiß darauf, dass ich irgendwann da bin. Aber das kann ich mit 36 noch machen."

Zu einer Vertragsverlängerung gehöre aber "mehr dazu als nur mein Wunsch". Die andere Seite hat jedoch ähnliche Hoffnungen, wie Sportdirektor Christian Nerlinger betont.

Verhandlungen "irgendwann im Frühjahr"

Er sehe "grundsätzlich sehr gute Voraussetzungen" für eine Vertragsverlängerung mit Gomez, sehe den FC Bayern in dieser Angelegenheit jedoch "nicht unter Druck". In Doha soll es weder mit Gomez noch mit dem ebenfalls bis Sommer 2013 gebundenen Arjen Robben Gespräche geben, "irgendwann im Frühjahr" sind die geplant.

"Die werden sicher kommen. Für mich ist es kein Problem, wann der Zeitpunkt ist", sagt Gomez. Er hat sich eine gewisse Gelassenheit erarbeitet, die ihm zu Beginn seiner Bayern-Zeit unter Coach Louis van Gaal abgegangen war. Diese Phase habe ihn gelehrt, nicht zu früh zu resignieren und mit dem Erreichten nicht zu früh zufrieden zu sein. "Es bringt nichts, sich auszuruhen. Ich muss Gas geben."

Besuch beim Tennis-Turnier

Im Jahr 2011 hat er das reichlich getan, in 53 Pflichtspielen traf er für die Bayern und die Nationalmannschaft 49 Mal. Wie lange dieser Lauf anhalten wird? "Ich hoffe auf noch ein paar Jahre", sagt Gomez lächelnd. Er weiß, dass er auch einer funktionierenden Mannschaft bedarf. "Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen", mahnt Gomez. In der Vorrunde habe der FC Bayern ein ums andere Mal Spiele abgegeben, "das war nicht spitzenmannschaft-like".

Bei aller Erfolgsgier achtet Gomez jedoch darauf, auch mal abzuschalten. Über Silvester urlaubte er auf den Malediven. Dort sei er "völlig abgetaucht", einen Tauchgang habe er mit Rücksicht auf Freundin Silvia aber ausgelassen.

In Doha schaute er am Dienstag beim Tennis-Turnier vorbei, wo Roger Federer locker gegen Nikolai Dawydenko gewann (6:2, 6:2). "Federer war nicht wirklich gefordert. Es war schön, aber nicht so spannend", sagte Gomez. So in etwa stellt er sich auch die Rückrunde des FC Bayern vor.