Bremen - Wenn man sich in den vergangenen Jahren in der Bundesliga auf eines verlassen konnte, dann darauf, dass die Tormaschine Werder Bremen anspruchsvollen Offensivfußball ablieferte. Die verkorkste Saison der "Grün-Weißen" ist nun sicherlich nicht nur auf die Flaute im Sturm zurückzuführen.

Dass jedoch mit Hugo Almeida, der in der Winterpause den Verein in Richtung Istanbul verließ, immer noch ein Spieler die interne Torjäger-Rangliste anführt, spricht Bände. So war auch beim 0:1 gegen den VfL Wolfsburg wieder einmal offensichtlich, dass die Norddeutschen in puncto Torgefahr einzig auf Routinier Claudio Pizarro bauen dürfen.

Zehn Mal ohne Torerfolg

Der Peruaner konnte seinen bisher acht Saisontreffern aber auch keinen weiteren hinzufügen und so blieb Werder zum zehnten Mal in dieser Saison ohne Torerfolg - nur St. Pauli und Frankfurt haben eine schlechtere Bilanz.

"Wir hatten in der Offensive nicht die Überzeugung das Tor zu machen. Zwar hatten wir mehr vom Spiel, konnten aber nichts Zwingendes daraus machen. Unsere Angriffen waren nicht gezielt genug, wir konnten mit unseren Kombinationen den Gegner nicht in Not bringen", erklärt Bremen-Trainer Thomas Schaaf.

Allofs übt Selbstkritik

Die Fans bemängeln schon lange, dass es im Kreativbereich deutlich hapert. So verwunderte es nicht, dass die Bremer Anhänger Wolfsburgs Diego, der von 2006 bis 2009 an der Weser zauberte, nach seiner Auswechslung mit Sprechchören verabschiedeten.

Sportchef Klaus Allofs hat die Zeichen der Zeit natürlich auch erkannt. "Wir spielen in dieser Saison nicht so kreativ", sagt er. "Micoud, Diego, Özil - das waren alles Hochkaräter für Werder. Wir haben die Position aber nicht so besetzen können wie in den letzten Jahren. Das haben wir nicht hinbekommen", spart Allofs nicht mit Selbstkritik.

Özil fehlt den Bremern

Aaron Hunt und Marko Marin haben von ihren technischen Anlagen sicherlich die Vorraussetzungen, um gute Spielmacher zu sein. Lediglich entspricht es nicht ihrem Naturell, eine Mannschaft in der Offensive so mitzureißen, wie es in der vergangenen Saison zum Beispiel ein Mesut Özil geschafft hat.

"In den letzten Spielen haben wir uns immer viele Chancen erarbeitet. Diesmal haben wir uns fast nichts herausgespielt. Wir haben einfach ganz schlecht gespielt, waren überhaupt nicht torgefährlich", analysiert Torsten Frings die Niederlage gegen die "Wölfe".

Spielwitz ist Mangelware

Gegen Wolfsburg wurden zehn der 14 Torschüsse von außerhalb des Strafraumes abgefeuert - Spielwitz bis in den Sechzehner, wie es Werder in den Jahren zuvor zelebrierte, ist oftmals nur noch Mangelware.

Vier Punkte Vorsprung haben die Bremer noch auf den Relegationsplatz. Da sollte wohl nichts mehr anbrennen, zumal die Konkurrenten Köln und Frankfurt noch im direkten Duell gegeneinander antreten.

Mit bislang 43 erzielten Treffern wird es aber schwierig, die 50-Tore-Marke noch zu knacken. Das passierte den "Grün-Weißen" zuletzt in der Saison 1998/99. Damals ließen sie den Ball nur 41 Mal im gegnerischen Netz zappeln.

Michael Reis