München - Mirko Slomka wird am Samstag im Spiel gegen Borussia Dortmund als dritter Cheftrainer in dieser Saison den Hamburger SV coachen (ab 15 Uhr im Live-Ticker). Schon 46 Mal passierte es zuvor, dass ein Bundesligist drei oder mehr Trainer beschäftigte.

bundesliga.de hat die wichtigsten Fakten zusammengestellt, aus denen sich die statistischen Chancen des HSV auf den Klassenerhalt ableiten lassen. Der Hamburger SV wird der 47. Bundesliga-Club sein, bei dem in einer Saison mehr als zwei Trainer auf der Bank sitzen. Faktisch ist Slomka sogar der vierte Trainer - Rodolfo Esteban Cardoso sprang als Interimstrainer ein. Kurzfristige Interimslösungen mit weniger als drei Spielen sind aber außen vor gelassen. Unter den bislang 46 Fällen in der Bundesliga gab es sogar fünf Vereine, bei denen vier Trainer im Einsatz waren.

Abstiegsquote bei 39 Prozent

18 der 46 Mannschaften mit mehr als zwei Cheftrainern sind abgestiegen, das entspricht einem Prozentsatz von 39. Das ist auf der einen Seite extrem hoch, weil grundsätzlich in der Bundesliga-Geschichte nur 14 Prozent aller Teams abstiegen sind. In einer Spielzeit mit drei oder vier Trainern ist die Häufigkeit eines Abstiegs also sehr viel höher als in anderen Spielzeiten.

Auf der anderen Seite sind mehr als zwei Trainer immer Ausdruck einer bewegten, meist von Enttäuschungen geprägten Spielzeit. Meist wechseln nur Krisen-Vereine mehrmals in einer Saison ihren Trainer. Und deshalb kann man es auch positiv sehen: Immerhin 61 Prozent haben den Klassenerhalt trotz der Trainer-Turbulenzen geschafft! Darunter auch Neu-HSV-Coach Mirko Slomka (Bild), der Hannover 96 vor dem Absturz in die 2. Bundesliga bewahrte. 

Nürnberg hat die größte Erfahrung

Der 1. FC Nürnberg erlebte gleich vier Spielzeiten mit mehr als zwei Trainern. Dabei machte der Club nicht die besten Erfahrungen: Zwei Mal stieg er ab, zwei Mal hielt er die Klasse. Einer, dem die Retter-Mission gelang, war Hans Meyer (Bild). Der Altmeister hielt mit dem "Club" in der Spielzeit 2005/2006 die Klasse.

Beim nächsten Hamburger Gegner, Borussia Dortmund, können sich die Hanseaten erkundigen, wie man erfolgreich eine Saison mit drei Trainern beendet, denn der HSV hat keine Erfahrung mit dieser Konstellation. Drei Mal gab es das bereits in Dortmund - und in allen drei Spielzeiten hielt der BVB die Klasse.

Dortmund setzte drei Mal auf den Trainer-Dreier

An die Saison 1968/69 mit Oswald Pfau, Helmut Schneider und am Ende Hermann Lindemann werden sich die wenigsten erinnern, die anderen beiden Spielzeiten sind präsent: 1999/00 ging der BVB mit Michael Skibbe in die Saison. Nachdem die Borussia den Rückrundenauftakt zu Hause mit 0:1 gegen Kaiserslautern verloren hatte, musste Skibbe gehen, obwohl der BVB auf dem 6. Platz stand. In den elf Spielen unter Nachfolger Bernd Krauss blieb der BVB sieglos, Udo Lattek (Bild, r.) übernahm die abstiegsgefährdete Borussia auf Rang 13 und führte sie bis zum Saisonende auf den 11. Platz. Zur Seite stand ihm Matthias Sammer (l.), der dann in der Folgesaison übernahm.

Ähnlich verlief die Spielzeit 2006/07: Bert van Marwijk war der Trainer in der Hinrunde, Dortmund lag auf dem 9. Rang. Sechs der acht Spiele unter seinem Nachfolger Jürgen Röber verloren die Borussen, rutschten auf Rang 13 ab. Thomas Doll übernahm, es ging sogar bis auf die Abstiegsplätze, ehe Dortmund am Saisonende wieder auf dem 9. Rang landete.

Die jüngsten Beispiele: mal so, mal so

Wolfsburg hatte in der letzten Saison zwar drei Trainer, doch das Engagement von Lorenz-Günther Köstner war von vorne herein als vorübergehend angelegt. Drei "echte" Trainer hatte Hoffenheim in der letzten Spielzeit. Markus Babbel musste nach 15 Spieltagen gehen (Rang 16), Marco Kurz saß die ersten zehn Rückrundenspieltage auf der Bank (Rang 17), Markus Gisdol (Bild) saß die letzten sieben Spiele auf der Bank, schaffte die Rettung via Relegation.

Ein Jahr zuvor scheiterte Hertha in der Relegation. Mit Markus Babbel waren die Berliner nach der Hinrunde Tabellenelfter, unter Michael Skibbe stürzte der Hauptstadtclub auf Rang 15 ab, mit Otto Rehhagel ging es auf Rang 16.

Zusammengestellt von Tobias Gonscherowski