Rund 100 Medienvertreter, darunter 13 TV-Kamerateams und etwa 20 Fotografen! - Natürlich ist die Partie zwischen dem Hamburger SV und dem FC Schalke 04 als Top-Duell des 8. Spieltags deklariert.

Aber eine derart mediale Rudelbildung, über 120 Stunden vor Anpfiff am kommenden Sonntag? - Das ginge dann wohl doch ein wenig über das gewohnte Maß der Vorberichterstattung hinaus.

Kevin allein im Fokus

Und selbstredend war das enorme Interesse der Presse weniger dem sportlichen Kräftemessen geschuldet als viel mehr der "Causa Kuranyi". Das Aufeinandertreffen von hanseatischem Tabellenführer und königsblauem Rauten-Jäger wird natürlich von den Geschehnissen um den Schalker Stürmer mit der Rückennummer 22 überschattet. Von Kuranyis...naja...passivem "Rücktritt" aus der Nationalmannschaft.

Konzentration auf S04

"Ich hätte nicht gedacht, dass so schnell so viele kommen werden", erklärte ein erstaunter Ex-Nationalspieler bei der vielbesuchten Pressekonferenz zu Wochenbeginn. "Ich weiß, dass mein Verhalten ein Fehler war. Dafür habe ich mich beim Bundestrainer entschuldigt", so Kuranyi. Er hoffe nun, "dass die Diskussionen um meine Entscheidung schnell vorbei sind. Ich will künftig hier für Schalke meine Arbeit so gut wie möglich machen."

Dazu bekommt er am Sonntag in Hamburg umgehend Gelegenheit. Allerdings weisen sich die Hanseaten in Kuranyis persönlichem Poesiealbum nicht gerade als Lieblingsgegner aus. Von zehn Begegnungen mit Stuttgart und Schalke konnte er gerade einmal drei gewinnen. Zwei Mal gab es Punkteteilungen, den Rest kann man sich denken. In all diesen Partien traf Kuranyi nur zwei Mal.

Andererseits präsentiert sich der Angreifer aktuell in einer hervorragenden Verfassung. In den bisherigen sieben Saisonspielen gelangen ihm vier Tore und eine Vorlage. Zudem reist die Nummer 22 der "Knappen" mit angenehmen Erinnerungen an die Alster.

Kuranyi gegen die Statistik

Das Rückspiel der vergangenen Saison hatte Kuranyi in Hamburg mit seinem Kopfballtreffer in der 2. Minute zum 1:0 alleine entschieden. Gegen den Revier-Club spricht allerdings, dass dieser "Dreier" in der Bundesligageschichte nur einer von insgesamt neun Schalker Auswärtssiegen beim HSV war. 20 Mal gab's nichts, elf Mal wenigstens noch einen Punkt zu holen.

Schalkes Manager Andreas Müller hofft nun, dass sich Kuranyis Nationalmannschafts-Frust in der Bundesliga in konstruktive Energie umwandelt: "Bei uns ist er sehr gut aufgehoben. Hier bekommt er das Vertrauen, das er in der Nationalmannschaft nicht mehr so gehabt hat."

Das Vertrauen des Vereins ist also schon da. Das Vertrauen in sich selbst, das Selbstvertrauen, steigt mit den Toren. Exponentiell, mit Treffern gegen Konkurrenten wie den HSV.

Michael Wollny