Köln - Das erste Drittel der Saison ist gespielt, die ersten Tendenzen haben sich inzwischen zu einer aussagekräftigen Tabelle verfestigt. Der FC Bayern hat den besten Start aller bisherigen Bundesliga-Zeiten hingelegt, spüren aber den Atem ihres hartnäckigen Verfolgers Borussia Dortmund.

Hinter den beiden Topteams geht es eng zu. bundesliga.de hat die Topdaten zu allen 18 Bundesligisten zusammengestellt. In dieser Woche präsentieren wir Ihnen die Vereine der oberen Tabellenhälfte, in der kommenden Woche die der Clubs auf den Platzen 10 bis 18 (zur Tabelle).

FC Bayern: Beste Bilanz der Bundesliga-Geschichte

Die Bayern holten in dieser Bundesliga-Saison an den ersten zwölf Spieltagen 34 der 36 möglichen Punkte; eine solche Bilanz hatte nie zuvor eine Mannschaft. In fast jeder Kategorie ist der Rekordmeister das Maß der Dinge: Der FCB erzielte die meisten Tore und kassierte die wenigsten.

Sie hatten extrem viele "Hundertprozentige", keine andere Mannschaft erspielte sich so viele Großchancen wie Bayern (38). Im Gegenzug gestatteten Sie ihren Gegnern kaum Großchancen (vier) – ligaweit die wenigsten. Im Schnitt haben die Bayern 68 Prozent der Spielanteile, natürlich ebenfalls mit weitem Abstand die meisten.

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In dieser Saison ist Robert Lewandowski noch effektiver geworden und traf mit 59 Torschüssen (ligaweit die meisten) 14 Mal, er brauchte also vier Torschüsse für ein Tor (letzte Saison noch sechs). Auf die komplette Spielzeit hochgerechnet liegt der Pole noch knapp auf 40-Tore-Kurs. 14 Tore nach zwölf Spieltagen hatte vor Lewandowski und Aubameyang zuletzt Manfred Burgsmüller 1980/81 auf dem Konto.

Dortmund: Offensivstark wie seit 1963 nicht mehr

Offensiv hat Thomas Tuchel den BVB noch einmal auf ein neues Level gehoben, 35 Tore nach zwölf Runden sind für Dortmund die meisten seit 1963/64! 26 BVB-Tore nach Passspiel in dieser Saison sind Ligahöchstwert, das schafften nicht einmal die Bayern!

Dortmund ist das effektivste Team der Liga: Durchschnittlich benötigte man nur sechs Torschüsse für ein Tor. Pierre-Emerick Aubameyang traf in der Bundesliga schon 14 Mal (Ligaspitze mit Robert Lewandowski) und ist auf 40-Saisontore-Kurs. Aubameyangs persönlicher Rekord von 16 Treffern aus der letzten Saison dürfte bald fällig sein.

Von den Neuzugängen schlug überraschend der ehemalige Sechziger Julian Weigl am besten ein: Ausgerechnet Weigl, den vor der Saison die meisten als Lehrling einstuften, bestritt als einziger Borusse alle 22 Pflichtspiele dieser Saison! Er ist sehr oft am Ball, enorm passsicher, unheimlich laufstark und geschickt in den Zweikämpfen; mit seinen 20 Jahren tritt er sehr selbstbewusst auf, ist ein Sechser moderner Prägung.

VfL Wolfsburg: Die Wölfe sind gewohnt heimstark

Der VfL Wolfsburg ist zu Hause noch ungeschlagen (fünf Siege, ein Remis), nur die Bayern holten mehr Punkte im eigenen Stadion. Wolfsburgs Angreifer hatten eine gute Chancenverwertung, nur bei zwei Teams hatten die Stürmer eine bessere Trefferquote als bei Wolfsburg (im Durchschnitt benötigten die Angreifer vier Torschüsse für ein Tor).

Die Flanken aus dem Spiel waren eine echte Waffe der Wölfe, sie trafen in der Liga am häufigsten im Anschluss an eine Flanke (fünf Mal). Bas Dost schoss gut ein Drittel der 17 Wolfsburger Saisontore (sechs), kein Teamkollege hat mehr als drei Saisontore auf dem Konto – Dost ist mit sieben Punkten auch Wolfsburgs bester Scorer. Alle seine Scorer-Punkte sammelte er zu Hause, war in jedem der bisherigen sechs Heimspiele mindestens an einem Treffer beteiligt.

Julian Draxler war ebenfalls durchaus effektiv: Er traf gegen Leverkusen und bereitete drei Treffer vor, das sind die meisten aller Wolfsburger.

Hertha BSC: Bei der Hertha läuft es vorne und hinten

Die Berliner sind die Positivüberraschung der Saison, nur die Leuchttürme aus Bayern und Dortmund feierten mehr Siege als der Hauptstadt-Klub, der die Hälfte seiner Spiele gewonnen hat (sechs von zwölf). In der letzten Saison feierte man den sechsten Bundesliga-Sieg erst am 20. Spieltag.

Die Angreifer sind eiskalt im Abschluss – Hertha hat die effektivsten Stürmer der Liga: Durchschnittlich benötigten die Angreifer nur drei Torschüsse für ein Tor. Auch auf die Defensive ist Verlass, nur zwei Mannschaften kassierten weniger Gegentore als Hertha (15).

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Salomon Kalou ist der Top-Torschütze der Hertha in dieser Saison, Kalou erzielte zehn Tore in 13 Pflichtspielen: In der Bundesliga traf er sieben Mal in elf Einsätzen. Am 12. Spieltag in Hannover erzielte Kalou seinen ersten Dreierpack in der Bundesliga. Kalou traf diese Saison mit jedem dritten Torschuss – eine Top-Quote! Mit Vedad Ibisevic sicherte sich Hertha BSC zudem einen starken Abschlussspieler. Obwohl erst 424 Minuten eingesetzt, erzielte der Bosnier die zweitmeisten Tore bei Hertha (vier).

FC Schalke 04: Gefährliche Standards

Der FC Schalke 04 kreierte sehr viele Chancen nach Standards, und kam ligaweit am häufigsten nach Standardsituationen zum Torschuss (61 Mal). Besonders effektiv war Königsblau bei Ecken: Durchschnittlich führte jede 14. Ecke zu einem Torerfolg. Das ist die beste Quote der Liga.

Leroy Sane ist Schalkes Topscorer (vier Tore, drei Torvorlagen), der 19-jährige startet 2015/16 richtig durch und rettete Schalke schon mehrmals: Er war bei fünf der sechs Schalker Saisonsiege jeweils an einem Treffer beteiligt, köpfte dazu das 1:1 gegen Ingolstadt im letzten Heimspiel und war auch im Derby gefährlich (eine Torvorlage). Mit seiner Schnelligkeit ist Sane kaum zu halten, 35 km/h Topspeed ist Ligaspitze in dieser Saison (mit Ginczek und Aubameyang); zudem ist er auch körperlich schon erstaunlich robust. Sane gewann fast die Hälfte seiner Duelle, was für seine Position und sein Alter sehr beachtlich ist.

Johannes Geis stand in den ersten zehn Bundesliga-Spielen dieser Saison in der Startelf. Er bereitete bei Schalke, vor allem dank der vielen Standards, die meisten Torschüsse vor (33). Seine drei Torvorlagen gab er jeweils per Ecke – zusammen mit Leroy Sane ist er Schalkes Top-Vorbereiter.

Mönchengladbach: Starke Chancenverwertung

Nach dem schlechtesten Saisonstart der Club-Geschichte (fünf Niederlagen zum Saisonstart bei nur zwei erzielten Toren) lief es ab dem 6. Spieltag besonders in der Offensive hervorragend. Nur zwei Mannschaften erzielten mehr Tore als Borussia Mönchengladbach (23). Vor allem in der ersten halben Stunde lief es, Mönchengladbach traf neun Mal in den ersten 30 Minuten der Spiele – Ligaspitze.

Nur zwei Mannschaften haben eine bessere Trefferquote als Mönchengladbach, jeder siebte Schuss war drin. Die Borussia hat die meisten unterschiedlichen Torschützen in seinen Reihen (elf). Auch Raffael lief an den ersten fünf Spieltagen unter Ex-Coach Lucien Favre seiner Form hinterher. Seit dem 6. Spieltag sammelte Raffael elf Scorer-Punkte (fünf Tore, sechs Torvorlagen) und war in sechs der sieben Bundesliga-Spiele unter Schubert an mindestens einem Tor direkt beteiligt.

Neuzugang Lars Stindl litt am Anfang dieser Saison unter seiner Vielseitigkeit, Ex-Coach Favre fand nicht die ideale Position für ihn, schob den Allrounder immer wieder hin und her (defensives und rechtes Mittelfeld sowie im Angriff). Das änderte sich unter Schubert komplett, der neue Coach beorderte Stindl in allen sieben Partien neben Raffael in den Angriff und wurde für diese Maßnahme belohnt. In der Bundesliga ist Stindl auf Kurs, er traf insgesamt drei Mal und bereitete zwei Treffer direkt vor – in beiden Kategorien war nur Sturmpartner Raffael bei Borussia besser.

1. FC Köln: FC spielt mit Köpfchen

Über ein Drittel der Saison ist um und der 1.FC Köln belegt einen ausgezeichneten 7. Platz. Der Rückstand auf den dritten Platz und die damit verbundene direkte Qualifikation für die Champions League beträgt nur drei Punkte.

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Trotz der Durststrecke der letzten Wochen hat sich der FC offensiv weiterentwickelt. Letzte Saison hatte man zwölf Tore nach zwölf Spielen – nun sind es immerhin 15. In Leverkusen traf der FC bereits zum sechsten Mal in dieser Saison per Kopf. Damit sind die Domstädter in der Luft das erfolgreichste Team der Bundesliga. Eine weitere Stärke ist der lange Atem: Die Kölner trafen bereits sieben Mal in der Schlussviertelstunde – auch das ist Ligaspitze.

Anthony Modeste schlug beim FC glänzend ein: In der Bundesliga war er in sieben der zwölf Partien mindestens an einem Treffer direkt beteiligt und sammelte insgesamt acht Scorer-Punkte (sechs Tore, zwei Torvorlagen). Kein anderer Spieler der Bundesliga traf in dieser Saison so oft zum 1:0 wie Modeste (vier Mal).

Bayer 04 Leverkusen: Pech im Abschluss

Bayer gab die viertmeisten Torschüsse ab (185) und hätte durchaus mehr Treffer erzielen können, hatte aber viel Aluminium-Pech. Leverkusen scheiterte am häufigsten an Latte oder Pfosten (zehn Mal). Die Werkself scheute kein Duell und bestritt die meisten Zweikämpfe (2.907). Die Freistoßkünstler der Liga kommen ebenfalls aus Leverkusen, zwei Tore mit einem direkt verwandelten Freistoß sind Ligaspitze.

Javier "Chicharito" Hernandez ist momentan der Stürmer Nummer 1 bei Bayer Leverkusen und trifft in schöner Regelmäßigkeit. In seinen letzten sechs Pflichtspielen (drei Mal Bundesliga, zwei Mal Champions League und Pokal) war er immer erfolgreich, insgesamt acht Mal! In der Bundesliga ist er mit vier Treffern bester Torschütze von Leverkusen. Der Mexikaner kam in der Bundesliga im Schnitt alle 26 Minuten zum Abschluss. Chicharito hat einen enormen Torriecher und hätte sogar noch öfter treffen können, vergab aber drei seiner fünf Großchancen.

Auch Admir Mehmedis Bilanz im Bayer-Trikot kann sich sehen lassen: Im Pokal in Lotte holte er einen Strafstoß heraus, in der Bundesliga sammelte er vier Scorer-Punkte (keiner bei Bayer mehr) und im Qualifikationsrückspiel gegen Lazio traf er ebenso wie in der Champions League gegen Borisov und den AS Rom.

1. FSV Mainz 05: Offensiv lief es bislang sehr gut

Die Mainzer Offensive ist im Soll, nur drei Mannschaften erzielten mehr Tore als Mainz (18). Das liegt auch an der guten Großchancenverwertung, nur zwei Mannschaften nutzen ihre Großchancen besser als Mainz (69 Prozent). Das Pressing der 05er war äußerst erfolgreich, Mainz nutzte acht Mal einen gegnerischen Ballverlust zum Torerfolg – Ligaspitze.

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Yunus Malli ist einer der Shootingstars dieser Saison und erzielte bereits sieben Saisontore. Damit hat er schon nach zwölf Spieltagen einen neuen persönlichen Rekord für eine komplette Spielzeit aufgestellt (bislang lag dieser bei sechs Saisontoren). 13 Treffer stehen im Kalenderjahr 2015 für ihn zu Buche, Malli ist damit der erfolgreichste reine Mittelfeldspieler im Jahr 2015.

Yoshinori Muto stand nach einem Jokerauftritt am ersten Spieltag gegen Ingolstadt immer in der Startelf. Mit acht direkten Torbeteiligungen (sechs Tore, zwei Torvorlagen) ist er der Topscorer seines Teams. Mit sechs Treffern ist er der zweiterfolgreichste Torschütze des FSV (nach Malli), seine zwei Torvorlagen werden von keinem Mainzer übertroffen.

Zwischenbilanz: Die Plätze 10 bis 18 im Überblick >>>