Köln - Der Abstiegskampf in der Bundesliga ist spannend wie lange nicht. Die neun Mannschaften von Rang neun bis 17 sind nur sechs Punkte auseinander. So eng war es im Abstiegskampf zuletzt 2006/07. Inklusive Hannover befinden sich über die Hälfte aller Bundesliga-Klubs noch im Abstiegskampf. bundesliga.de hat zusammengestellt, welche Fakten jeweils für den Klassenerhalt der bedrohten Clubs spricht.

1. FC Köln, 33 Punkte

Statistisch gesehen braucht der 1. FC Köln noch sechs Punkte; mit 39 Punkten landete am Saisonende noch nie ein Team unter den letzten drei. Nur einmal ist eine Mannschaft abgestiegen, die sieben Spieltage vor Saisonende 33 Punkte auf dem Konto hatte: Alemannia Aachen 2006/07. Die Aachener waren damals wie Köln jetzt Neunter nach dem 27. Spieltag; nur die Alemannia stürzte in der Bundesliga-Historie an den letzten sieben Spieltagen noch aus der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga in die 2. Liga. Köln stand in dieser Saison nie im unteren Tabellendrittel, Rang zwölf war die schlechteste Platzierung.

Gegen die jetzt noch kommenden sieben Gegner holte der FC in der Hinrunde zehn Punkte; eine ähnliche Ausbeute in der Rückrunde reicht für den Klassenerhalt. Köln ist unter den Abstiegskandidaten das zweikampfstärkste Team (51 Prozent gewonnene Duelle). Timo Horn wehrte zudem 75 Prozent der Bälle auf sein Tor ab; einer der fünf besten Werte.

FC Ingolstadt 04, 33 Punkte

Nur einmal ist eine Mannschaft abgestiegen, die sieben Spieltage vor Saisonende 33 Punkte auf dem Konto hatte: Alemannia Aachen 2006/07. Der Ingolstadt 04 stand in dieser Saison nie im unteren Tabellendrittel, Rang zwölf war die schlechteste Platzierung.

Der FCI ist nur schwer zu bezwingen: Nur zehn der 27 Partien gingen verloren, von den letzten sechs Spielen nur eins. Ingolstadt ist in der Rückrunde noch ohne Heimniederlage (drei Siege, zwei Unentschieden) und hat bis Saisonende noch vier Heimspiele (und nur drei Auswärtspartien). Ingolstadt kassierte nur 31 Gegentore in 27 Spielen – mit einer so guten Defensive ist noch nie eine Mannschaft abgestiegen. Unter den Abstiegskandidaten ließ der FCI auch die wenigsten gegnerischen Torschüsse zu (298, im Schnitt 13 pro Spiel).

VfB Stuttgart, 32 Punkte

Unter den Abstiegskandidaten ist der VfB Stuttgart das beste Rückrundenteam: Die Schwaben holten in den zehn Spielen 2016 17 Punkte; nur Dortmund und Bayern waren erfolgreicher (26 bzw. 23). Seit Jürgen Kramny Trainer ist, hat der VfB die Bilanz eines Europacup-Kandidaten und nicht die eines Abstiegsanwärters. In 14 Spielen mit dem neuen Coach gab es 22 Punkte (Platz sieben in der „Kramny-Tabelle“).

Die Schwaben gewannen unter den Abstiegskandidaten die meisten Spiele (neun von 27, davon fünf Siege in der Rückrunde). Der VfB hat unter den Abstiegskandidaten mit Abstand die beste Offensive (43 Tore). Nur Bayern, Dortmund und Mönchengladbach trafen öfter. In der Rückrunde hat der VfB sogar die beste Offensive ligaweit (21 Treffer). Nur der FC Bayern gab in dieser Saison mehr Torschüsse ab als der VfB (428 = im Schnitt 16 pro Spiel). Der VfB erzielte ligaweit die meisten Kontertore (elf) und die meisten Tore nach Standards (15).

Hamburger SV, 31 Punkte

Der Hamburger SV steht wesentlich besser da als in den letzten beiden Jahren: Da hatten die Norddeutschen zum gleichen Zeitpunkt 24 (2013/14) bzw. 25 Punkte (2014/15) und belegten jeweils den Relegationsrang.

Unter den Abstiegskandidaten hatte der HSV im Schnitt die meisten Spielanteile (49 Prozent). Hamburg gehört zu den fünf laufstärksten Mannschaften der Liga (116,6 Kilometer pro Spiel). Der HSV spielte zuletzt alles andere als desolat. Bei den Niederlagen in Leverkusen und gegen Hoffenheim ragte jeweils der gegnerische Keeper heraus (Bernd Leno bzw. Oliver Baumann), gegen 1899 trafen die Hamburger trotz 24 Torschüssen (für den HSV Saisonrekord) nur per Strafstoß (durch Aaron Hunt).

SV Darmstadt 98, 28 Punkte

Der Aufsteiger stand in dieser Saison noch nie auf dem Relegations- bzw. auf einem Abstiegsplatz. Darmstadt 98 spielt jetzt gegen fünf Mannschaften, die sich alle im Dunstkreis der Abstiegsränge bewegen: Stuttgart, Hamburg, Ingolstadt, Köln und als „Krönung“ am 32. Spieltag gegen Frankfurt. Hier können die Weichen in Richtung Klassenerhalt gestellt werden. Die Lilien punkteten in dieser Saison in 16 der 27 Spiele (sechs Siege, zehn Unentschieden). Darmstadt hat ligaweit die beste Großchancenverwertung (67 Prozent, wie Hannover); 14 der 21 besonders guten Torchancen wurden genutzt.

Die Schuster-Elf ließ nur 27 gegnerische Großchancen zu – nur Bayern, Leverkusen und Schalke weniger (Dortmund 29). Der Aufsteiger erzielte ligaweit die meisten Kopfballtore (zwölf). Nur dem VfB Stuttgart gelangen mehr Tore nach Standards (15) als dem SVD (13). Die Lilien kassierten nur zwei Kontergegentore – Ligabestwert.

Werder Bremen, 28 Punkte

In der Rückrunde hat Werder Bremen immerhin eine ausgeglichene Bilanz (drei Siege, vier Unentschieden, drei Niederlagen). Von den letzten fünf Partien ging nur eine verloren, beim FC Bayern München. Bremen hat unter den Abstiegskandidaten die beste Trefferquote (zehn Torschüsse für ein Tor).

Die Stürmer trafen mit jedem vierten Torschuss, das ist sogar der Ligabestwert. Claudio Pizarro erzielte in der Rückrunde zehn Bundesliga-Tore; das ist gemeinsam mit Robert Lewandowski der Ligabestwert im Jahr 2016.

FC Augsburg, 27 Punkte

Gegen die jetzt noch kommenden sieben Gegner holte der FC Augsburg in der Hinrunde 14 Punkte; gelingt das erneut, ist der Klassenerhalt sicher. Die Weinzierl-Elf ist unter den zehn Teams das einzige, das nicht mehr gegen die Top drei der Tabelle spielen muss (Bayern, Dortmund, Hertha).

Augsburg war fast nie chancenlos, ging zum Beispiel in über der Hälfte aller Spiele in Führung (14 von 27). Der FC Augsburg hat in den letzten acht Bundesliga-Spielen immer mindestens ein Tor erzielt und könnte nun den Vereinsrekord einstellen: 2013/14 erzielten die Fuggerstädter in neun Bundesliga-Spielen in Folge mindestens ein Tor. Die Abwehrspieler des FCA erzielten zehn Tore; Ligabestwert. Kaum Patzer: Augsburg kassierte in dieser Saison nur ein Gegentor nach einem schweren individuellen Fehler - Ligabestwert.

TSG 1899 Hoffenheim, 27 Punkte

Unter Julian Nagelsmann holte die TSG 1899 Hoffenheim in sieben Spielen 13 Punkte (vier Siege, ein Remis, zwei Niederlagen). In diesem Zeitraum holten nur Dortmund und Bayern mehr Punkte (19 bzw. 16) als die TSG. Unter dem neuen Coach gewann 1899 Hoffenheim nun schon doppelt so oft (vier Mal) wie unter Huub Stevens und Markus Gisdol (je ein Sieg in zehn Spielen).

Unter Nagelsmann hat Hoffenheim alle drei Heimspiele gewonnen; bis Saisonende haben die Kraichgauer noch mehr Heim- als Auswärtsspiele (vier gegenüber drei). Nur Mainz 05 war in dieser Saison laufstärker als Hoffenheim (117,2 Kilometer).

Eintracht Frankfurt, 27 Punkte

Eintracht Frankfurt hat ein schweres Restprogramm (u.a. Bayern, Dortmund und Leverkusen), hat aber auch noch drei direkte Duelle (Hoffenheim, Darmstadt und Bremen). Niko Kovac macht seinem Team Beine: Die beiden besten Laufleistungen dieser Saison legte die SGE in den letzten beiden Spielen hin; 117,6 Kilometer in Mönchengladbach, 118,2 gegen Hannover. Im vorherigen Saisonverlauf lag der Eintracht-Schnitt bei 111,8 Kilometern pro Partie.

Keiner der Abstiegskandidaten hat eine geringere Fehlpassquote als Frankfurt (24 Prozent). Unter den Abstiegskandidaten hatte Frankfurt in der Rückrunde die meisten Spielanteile (50 Prozent).

Hannover 96, 17 Punkte

Die Niedersachsen liegen zehn Punkte hinter dem Relegationsplatz, ein so großer Rückstand auf einen rettenden Platz nach dem 27. Spieltag wurde in der Bundesliga-Historie noch nie wettgemacht.

Immerhin sechs Mal schaffte der Tabellenletzte des 27. Spieltages noch den Klassenerhalt (die Ausgangslage war allerdings auch jeweils besser als bei Hannover jetzt). Zuletzt schaffte in der letzten Saison der Letzte des 27. Spieltages noch den Ligaverbleib; der VfB Stuttgart lag aber nur zwei Punkte hinter Rang 16 und fünf Punkte hinter Rang 15.

Hannover 96 hat ligaweit die beste Großchancenverwertung (67 Prozent, wie Darmstadt); die Niedersachsen hatten allerdings auch nur 15 besonders gute Möglichkeiten. Hannover gehört zu den vier laufstärksten Mannschaften der Liga (116,7 Kilometer pro Spiel).