Köln - In einer Woche wird in Frankreich die Europameisterschaft eröffnet. Am 12. Juni greift die deutsche Nationalmannschaft mit ihrer Partie gegen die Ukraine ins Turniergeschehen ein. Am Samstag steigt in Gelsenkirchen das letzte Testspiel. Der Gegner ist Ungarn.. bundesliga.de hat die Leistungen der in der Bundesliga beschäftigten Nationalspieler in der abgelaufenen Saison unter die Lupe genommen. Im zweiten Teil werden in dieser Woche die Offensivspieler vorgestellt.

Julian Draxler (VfL Wolfsburg)

Ausgerechnet der Hoffnungsträger Julian Draxler musste im Trainingslager Extraschichten schieben, da er seinen Laufplan in der Winterpause nicht eingehalten hatte. Dennoch erzielte er in der Rückrunde vier Tore für den VfL Wolfsburg, nachdem er in der gesamten Hinrunde nur einmal für die Wolfsburger getroffen hatte (und einmal für Schalke).

Ganz stark war zudem sein Auftritt beim 3:2-Sieg in der Champions League in Gent, als er mit zwei sehenswerten Treffern zum Matchwinner avancierte. Insgesamt erzielte Draxler in seinen letzten 13 Pflichtspielen sechs Tore und bereitete drei vor. Julian Draxler spielte beim VfL schon als alleiniger Zehner, mit Max Kruse in der „Doppelzehn“ oder auf der linken bzw. vereinzelt rechten Seite – teilweise musste er auch auf die Bank, eine Stammposition hat er im VfL-System noch nicht gefunden.

Seine Bilanz war nicht gerade überragend, aber auch nicht schlecht – seine 11 Scorer-Punkte beim VfL. Sechs Saisontore (eines davon noch für Schalke) waren mehr als in den beiden vorangegangen Spielzeiten zusammen.

Thomas Müller (FC Bayern München)

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Seit Sommer 2009 gehört Thomas Müller zum festen Stamm der Bayern, verpasste seitdem nur 14 Bundesliga-Spiele. Der 26-Jährige hat ein einzigartiges Spielverständnis, erkennt Räume und Laufwege wie kein anderer, er ist viel unterwegs und hat Ideen, die sonst keiner hat – das macht ihn unberechenbar, egal auf welcher Position er spielt.

Müller erzielte 2015/16 20 Tore; nur Aubameyang und Lewandowski schossen mehr (30 bzw. 25). Er hat schon in der Hinrunde einen neuen persönlichen Saisonrekord aufgestellt (bisher maximal 13). Müller erzielte alle 20 Bundesliga-Tore 2015/16 von innerhalb des Strafraumes (vier per Kopf, fünf mit links und elf mit rechts).

Er war schon immer sehr effektiv, so eiskalt vor dem Tor wie 2015/16 war er aber nie: Er brauchte weniger als fünf Torschüsse für ein Tor (95 Torschüsse, 20 Tore) – sein Karriere-Durchschnitt vor der Saison 2015/16 betrug sechs Torschüsse für ein Tor). Und auch von den besonders guten Möglichkeiten ließ er nur wenige aus: Müller nutzte 13 seiner 20 Großchancen, also 65 Prozent - auch das ist ein Karriere-Bestwert (vor der Saison: 49 Prozent).

Andre Schürrle (VfL Wolfsburg)

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Andre Schürrle erlebte ein mieses Jahr 2015 mit nur einem Tor in 29 Bundesliga-Spielen für den VfL Wolfsburg. Gleich im ersten Spiel des neuen Jahres konnte er seine Flaute von zuvor 21 torlosen Ligaspielen beenden, traf insgesamt in 14 Rückrundeneinsätzen neun Mal und ist bester Rückrundentorschütze der Wölfe. Der Offensivmann erzielte damit alle neun Saisontreffer nach der Winterpause und schloss die Saison als bester VfL-Torschütze ab.

In Runde 24 gegen Hannover ging Schürrle "richtig ab": Schürrle erzielte seinen ersten Dreierpack in der Bundesliga überhaupt und traf damit öfter als in seinen ersten 33 Bundesliga-Spielen für Wolfsburg zusammen. Kurios: Die drei Tore gelangen ihm am 1. März und damit auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem einzigen Dreierpack in England (für Chelsea in Fulham). Seine 12 Scorer-Punkte 2015/16 (drei Torvorlagen) überbot bei Wolfsburg kein Spieler. Selbst zog er 69-mal ab - am häufigsten beim VfL.

Mario Götze (Bayern München)

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Mario Götze hat im WM-Finale mit links getroffen. 37 der 44 Bundesliga-Tore gelangen ihm aber mit rechts (vier mit links, drei per Kopf), u.a. die letzten 12. Wenn Götze in seiner Bundesliga-Karriere traf, verloren seine Vereine nie (33 Siege, vier Remis). Die letzten 18 Spiele mit Götze-Tor gewannen seine Teams alle (u.a. alle 17 im FCB-Trikot). Von Oktober 2015 bis zum 14. Mai 2016 (Doppelpack gegen Hannover) war er gänzlich ohne Tor .

Götze ist dribbelstark, kann auch zwei, drei Gegenspieler ausspielen. Er düpiert die Gegenspieler gerne mit Beinschüssen – das rächt sich zuweilen, er wird häufig gefoult. Auch als Stürmer lässt er sich immer wieder ins Mittelfeld fallen und schaltet sich in das Kombinationsspiel mit ein. Oft ist Götze zu verspielt und nicht so zielstrebig wie zum Beispiel ein Robben. Mario Götze ist erst 23 Jahre alt, holte 2016 aber schon seine fünfte Meisterschaft.

Leroy Sane (FC Schalke 04)

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Leroy Sane sammelte 14 Scorer-Punkte (acht Tore, sechs Torvorlagen) und war damit hinter Klaas-Jan Huntelaar der beste Scorer bei S04. Er war zudem der erfolgreichste U 21-Scorer in dieser Saison. Der 20-Jährige gab bei Schalke auch nach Huntelaar die meisten Torschüsse ab (68) und war zusammen mit Max Meyer Top-Vorbereiter bei S04. Schalke hatte in der Saison 32 Großchancen, an der Hälfte davon war Sane beteiligt (16). Neun hatte er selbst – keiner bei Schalke kam auf mehr (nur vier davon nutzte er).

Mit seiner Schnelligkeit ist Sane grundsätzlich immer eine Waffe (35 km/h Topspeed ist ligaweit einer der Top-Werte), zudem ist er auch körperlich schon erstaunlich robust. Sane führte die meisten Duelle bei S04 und gewann 45 Prozent seiner Zweikämpfe, was für seine Position und sein Alter beachtlich ist. Im 1-gegen-1 ist er durch seine Schnelligkeit kaum zu halten, er bestritt bei Schalke mit Abstand die meisten Dribbling-Duelle, von denen er gute 46 Prozent gewann. Sane setzte seinen Gegenspielern 18 Beinschüsse – ligaweit nur Mkhitaryan mehr.