Köln - In zwei Wochen wird in Frankreich die Europameisterschaft eröffnet. Am 12. Juni greift die deutsche Nationalmannschaft mit ihrer Partie gegen die Ukraine ins Turniergeschehen ein. Derzeit bereitet sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in der Schweiz auf das Event vor. bundesliga.de hat die Leistungen der in der Bundesliga beschäftigten Nationalspieler in der abgelaufenen Saison unter die Lupe genommen. Im ersten Teil werden in dieser Woche die Torhüter, Abwehr- und defensiven Mittelfeldspieler vorgestellt.

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Manuel Neuer (FC Bayern München)

Manuel Neuer wehrte in seinen fünf Bundesliga-Spielzeiten beim FC Bayern im Schnitt 78 Prozent der Bälle auf sein Tor ab (in den letzten vier Jahren immer 79 oder 80 Prozent). In der Saison 2015/16 waren es 79 Prozent (Ligabestwert unter den Stammkeepern). Er bekam im Schnitt nur etwas mehr als zwei Bälle pro Spiel aufs Tor (78 in 34 Partien).

Manuel Neuer blieb in 21 der 34 Spiele in der Bundesliga-Saison 2015/16 ohne Gegentor und überbot damit den von ihm selbst gehaltenen Bundesliga-Rekord (bisher 20 Zu-Null-Spiele). Der 30-Jährige ist der einzige Torhüter der Bundesliga-Geschichte mit über 100 Spielen, der weniger Gegentore kassierte (247) als er Spiele bestritt (317; das sind 0,78 pro Spiel – Oliver Kahn kam auf 1,04). Nur zwei Torhüter blieben öfter ohne Gegentor, Oliver Reck (176 Mal) und Oliver Kahn (204 Mal). Im Bayern-Trikot blieb Neuer sogar in 57 Prozent aller Spiele ohne Gegentor (91 von 161).

In seinen acht Elfmeterschießen im FCB-Trikot (Champions League, DFB-Pokal, deutscher und europäischer Supercup) wehrte Neuer acht Versuche ab (gegen Ronaldo, Kaka, Mata, Nordtveit, Lukaku, Drmic, Hummels und Sven Bender) – Ramos, Dante und Sokratis schossen zudem vorbei oder drüber. Trotzdem gewann Bayern nur fünf dieser acht Elfmeterschießen. Auch in der Bundesliga ist er hier nur schwer zu bezwingen, von den letzten sechs Strafstößen gegen Neuer in der Bundesliga waren nur zwei drin!

Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen)

Bernd Leno verpasste 124 Bundesliga-Spieltage in Folge keine Minute, die Serie endete am 34. Spieltag beim 3:2 gegen Ingolstadt – Leno saß erstmals in der Bundesliga auf der Bank. 2015/16 hielt er in 13 seiner 33 Spiele seinen Kasten sauber – das gelang nur Manuel Neuer öfter.

Leno wehrte 2015/16 überdurchschnittliche 72 Prozent der Bälle auf sein Gehäuse ab, zeigte sich vor allem in der Rückrunde in Topform, als er starke 76 Prozent abwehrte. Er stellte in der Rückrunde 2014/15 einen neuen Clubrekord auf, als er in der Bundesliga 527 Minuten ohne Gegentor blieb und damit die alte, von Rüdiger Vollborn gehaltene Bestmarke toppte.

Leno parierte in seiner Bundesliga-Karriere neun von 31 Strafstößen (sehr gute 29 Prozent). Alleine 2013/14 wehrte er fünf Elfmeter ab (Huszti, Schmid, Firmino, Joselu, Rodriguez). Zwischenzeitlich hielt Leno vier Elfmeter in Folge und stellte damit den historischen Rekord von Frank Rost, Jörg Butt und Thomas Zander ein. Nach 13 Strafstößen in Folge, bei denen er das Nachsehen hatte, parierte er am 31. Spieltag 2015/16 gegen Klaas-Jan Huntelaar mal wieder.

Jerome Boateng (FC Bayern München)

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Jerome Boateng ist zu einem echten Leader geworden. Er gewann 2015/16 71 Prozent seiner Duelle in den 19 Bundesliga-Spielen, die er in dieser Saison absolviert hat. Er vermeidet gerne unnütze Laufwege, vertraut auf sein Auge und seine Schnelligkeit (in der Spitze 34,0 Km/h).

Das beste Spiel seiner Karriere machte Boateng wohl im WM-Finale: Gegen Argentinien gewann er starke 68 Prozent seiner Zweikämpfe, beging kein Foul und war immer wieder entscheidend zur Stelle. Schon im Champions-League-Finale 2013 war er sehr zweikampfstark.

Jonas Hector (1. FC Köln)

Jonas Hector verpasste seit dem Kölner Aufstieg 2014 nur drei Bundesliga-Spiele: Am 34. Spieltag 2014/15 und 2015/16 verzichtete Trainer Stöger jeweils auf ihn, 2015/16 in Runde 24 in Ingolstadt fehlte er wegen einer Oberschenkelprellung. Ansonsten stand er immer in der Startelf und wurde auch nur einmal ausgewechselt.

Hector ist geschickt gegen den Mann, er gehörte mit 57 Prozent gewonnenen Duellen zu den zweikampfstärkeren Außenverteidigern der Liga. Der schnelle Hector beging in seiner Bundesliga-Karriere nicht einmal halb so viele Fouls (45) wie er selbst einstecken musste (97).

Er bewies zudem seine Vielseitigkeit, Hector spielte in der Rückrunde neun Mal im defensiven Mittelfeld. Hector ist enorm clever und hat eine schnelle Auffassungsgabe, startete so innerhalb von fünf Jahren von seinem kleinen Heimatverein bis in die Nationalmannschaft durch. 2015/16 bereitete der Kölner vier Tore vor. Seine 66 Torschussvorlagen überbot beim 1. FC Köln einzig Marcel Risse. Hector war beim FC am häufigsten am Ball (im Schnitt 73 Mal pro 90 Minuten).

Benedikt Höwedes (FC Schalke 04)

Der Verteidiger war in der abgelaufenen Saison häufig verletzt und kam nur zu 15 Einsätzen. Benedikt Höwedes erzielte acht seiner elf Bundesliga-Tore per Kopf – jeweils nach einer Standardsituation (2015/16 gegen die Hertha war er nach einer Ecke per Kopf erfolgreich). Alleine dreimal traf er gegen den FC Bayern – gegen kein anderes Team war er so treffsicher.

Höwedes verpasste während der WM 2014 keine Minute. Er spielte auf der ungewohnten Linksverteidiger-Position und kam auf 58 Prozent gewonnene Duelle. Er und Julian Draxler waren die Schalker Weltmeister Nummer 4 und 5 nach Bernhardt Klodt (1954), Helmut Kremers und Norbert Nigbur (beide 1974). Von diesen fünf war nur Höwedes Stammspieler.

Mats Hummels (Borussia Dortmund)

Nach einer auch wegen einiger Blessuren sehr durchwachsenen Vorsaison war Mats Hummels in seiner letzten Dortmunder Saison wieder topfit und gewann 68 Prozent seiner Zweikämpfe (in der Luft sogar 70 Prozent) – Ligabestwert.

Hummels zeichnet sein ruhiges, selbstsicheres Auftreten sowie ein gutes Stellungsspiel aus. Der Verteidiger agiert viel mit Auge, fängt sehr viele gegnerische Zuspiele ab. Bei Ballbesitz trat Hummels beim BVB teils wie ein Spielmacher auf, versuchte, die Offensivakteure immer wieder mit langen Bällen einzusetzen. Oft wird er deshalb von den Gegnern gezielt zugestellt. Beim BVB spielte er die meisten langen Pässe der Feldspieler.

Hummels beging in seiner Bundesliga-Karriere im Schnitt nicht einmal ein Foul pro Spiel (158 in 226 Einsätzen) und sah nur 22 Karten (21 Mal Gelb, einmal Rot). Er musste in der Bundesliga noch nie eine Gelb-Sperre absitzen.

Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim)

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Im zentralen Mittelfeld kämpfte Sebastian Rudy mit Schwegler, Polanski und Strobl um die Plätze – Rudy blieb in der Hinrunde öfter nur ein Platz auf der Bank. In der Rückrunde war Rudy aber gesetzt und führte das Hoffenheimer Team in Abwesenheit von Pirmin Schwegler auch als Kapitän aufs Feld. 2015/16 kam Rudy bei seinen Einsätzen fast immer im Mittelfeld zum Zuge (einmal Rechtsverteidiger), 2014/15 agierte er in zehn Spielen als Rechtsverteidiger und kam auf dieser Position auch im Nationalteam zum Zuge.

Rudy bereitete in seiner Bundesliga-Karriere 24 Treffer vor. Selbst getroffen hat er in 178 Bundesliga-Spielen neunmal. Seine vier Saisontreffer 2014/15 bedeuteten für ihn einen neuen Saisonrekord. 2015/16 standen zwei Tore zu Buche, beide erzielte er gegen Borussia Dortmund.

Joshua Kimmich (FC Bayern München)

Joshua Kimmich wurde zum ersten Mal Deutscher Meister und bestritt 23 Bundesliga-Spiele (15 Mal Starter). Es gab 20 Siege und drei Remis und wenn der Neuzugang auf dem Platz stand nur fünf Gegentore. Kein anderer Spieler in der Bundesliga kam 2015/16 so oft zum Einsatz ohne einmal zu verlieren.

Bis zum historischen Karrierestart-Rekord ist es aber noch ein weiter Weg: Javier Martinez verlor keines seiner ersten 39 Bundesliga-Spiele. In der Rückrunde kam er meist als zentraler Abwehrspieler zum Einsatz; er machte seine Sache sehr gut. Im Mittelfeld war seine Zweikampfquote allerdings besser (57 Prozent) als in der Abwehr (54 Prozent).

Kimmich war im Schnitt pro 90 Minuten 106 Mal am Ball; einer der drei höchsten Werte ligaweit. Er hat eine Passquote von nur 93 Prozent - zusammen mit Rafinha die beste Quote ligaweit.

Julian Weigl (Borussia Dortmund)

Von Dortmunds Feldspielern bestritten in dieser Bundesliga-Saison nur Mkhitaryan und Aubameyang mehr Ligaspiele (je 31) als Julian Weigl (30), der zu Saisonbeginn noch als Lehrling eingestuft worden war. Julian Weigl war 2015/16 der Shooting Star beim BVB, er stand in 25 seiner 30 Bundesliga-Spiele in der Startelf, zeigte keinerlei Anpassungsprobleme und lieferte meist gute Leistungen ab.

Stolze 92 Prozent seiner Pässe kamen beim Mitspieler an, das war Bestwert beim BVB und auch ligaweit einer der Top-Werte. Er spielte vor der Abwehr sehr intelligent, klar und einfach, versuchte keine unmöglichen Dinge und überließ die Torbeteiligungen anderen. Weigl legte im Schnitt 11,8 km zurück (Bestwert beim BVB), agierte unheimlich abgeklärt und fand sich enorm schnell im Starensemble des BVB ein.

Im Schnitt war Weigl pro 90 Minuten 105 Mal am Ball, zusammen mit Gündogan gab er im Dortmunder Spiel den Rhythmus an. Am 34. Spieltag gegen Köln stellte Weigl mit 214 Ballberührungen einen historischen Rekord auf. Mit so einer Entwicklung des Youngsters war wohl nicht zu rechnen. Weigl agiert auch in den Zweikämpfen nicht brachial, sondern mit Köpfchen, gewann mit seinen knapp über 70 Kilogramm gute 57 Prozent der Duelle. Abnehmen kann man Weigl die Kugel kaum, im Offensivdribbling war er in 71 Prozent der Versuche erfolgreich (auch da er viele Fouls zog).