bundesliga.de hat die 100 aktivsten Spieler der Bundesliga gekürt. Im großen Interview erklärt Erik Meijer die Ergebnisse und spricht über Arjen Robben, die Gründe für Dortmunds Krise und den Aufschwung des VfL Wolfsburg.

bundesliga.de: Herr Meijer, in der Rangliste der aktivsten Bundesliga-Spieler belegt Arjen Robben mit deutlichem Vorsprung Platz eins. Ist Robben derzeit in der Form seines Lebens?

Erik Meijer: Arjen ist schon seit gut eineinhalb Jahren top drauf. Er ist frisch im Kopf und dadurch auch fit im Körper. Er ist ein Spieler, der sich sehr viele Gedanken über seine Leistung und die der Mannschaft macht. Wenn da nicht alles bei ihm im Lot ist, läuft es für ihn nicht. Dann wird er auch verletzungsanfällig. Das ist vergleichbar mit einem Formel1-Auto. Wenn alles richtig funktioniert, wird Vettel Weltmeister. Wenn aber nur Nuancen nicht stimmen, geht das nicht mehr. So ist es auch bei der Maschine Robben. Früher hatte er immer im Hinterkopf ,hoffentlich verletze ich mich nicht.’ Jetzt funktioniert sein Körper, er ist total ausgeglichen und bringt überragende Leistungen.

"Alonso hat die höchste Fußball-Intelligenz"

bundesliga.de: Warum ist Robben so schwer für seine Gegenspieler zu stoppen?

Meijer: Er beherrscht simple Bewegungen wie von außen nach innen gehen in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Da kommt kein Verteidiger mit, erst recht nicht, wenn er rückwärts laufen muss. Robben kannst du nur mit drei Mann stoppen. Und Arjen profitiert von Pep Guardiola. Vom besten Trainer der Welt kannst du auch auf diesem Niveau noch was lernen. Dass er nach innen zieht, kennen wir. Aber jetzt geht er auch außen vorbei und flankt oder passt mit rechts nach innen. Dadurch ist er noch unberechenbarer geworden.

bundesliga.de: Im Gegensatz zu Robben geht Bayern-Neuzugang Xabi Alonso sehr selten in den Sprint und hat auch keine außergewöhnlichen Zweikampfwerte. Wie gelingt es ihm dennoch im immer laufintensiveren Spiel eine solche Dominanz auszustrahlen?

Meijer: Ganz einfach: Er hat die höchste Fußball-Intelligenz aller Spieler in der Bundesliga. Er kann ein Spiel lesen wie kaum ein anderer. Er läuft die Bälle ab, muss gar nicht so viel in die Zweikämpfe gehen. Und wenn du so einen super Pass im Fuß hast wie Alonso, brauchst du auch nicht ständig sprinten.

Dortmund fehlt Lewandowski

bundesliga.de: Der VfL Wolfsburg hat mit De Bruyne, Rodriguez und Caligiuri gleich drei Spieler unter den TopTen und steht auch in der Tabelle ausgezeichnet da. Warum bringt Wolfsburg seine Qualität in dieser Saison so stabil auf den Platz?

Meijer: Diese drei ergänzen sich ausgezeichnet, und sie passen perfekt in das System von Trainer Dieter Hecking. Ich habe ja in Aachen unter ihm gespielt. Hecking fordert viel von seinen Spielern, da muss jeder seine Position in der Defensive einnehmen. Aber in der Offensive hast du deine Freiräume. Für so flexible Spieler wie De Bruyne ist das ideal.

bundesliga.de: Das Gegenbeispiel ist Borussia Dortmund. Gleich elf Borussen sind unter den Top100, der BVB steht in der Mannschaftswertung damit klar vorne. Warum liegt Dortmund trotz des großen Aufwands in der Tabelle so weit hinten?

Meijer: Der große Unterschied zur Vorsaison heißt Robert Lewandowski. Das Dortmunder System war in den vergangenen Jahren voll an Robert aufgehängt. So wie man einen Mantel an eine Garderobe hängt. Nimmst du die Garderobe weg, fällt der Mantel runter. Dabei hat Lewandowski nicht nur Tore gemacht. Er ist ein Spieler, der mit seinem Spiel die Mitspieler um ihn herum besser macht - wie er den Ball abschirmt, querlegt. Robert ist der beste Stürmer der Bundesliga. Jürgen Klopp hat jetzt ganz andere Typen vorne zur Auswahl. Es kommt auf ihn an, die Maschine so zu ändern, dass sie wieder rund läuft. Das sind nur Nuancen, aber die sind entscheidend. Ähnlich ist es beim FC Liverpool, ohne Luis Suarez stehen sie auch nur im Mittelfeld der Tabelle in England.

Das Interview führte Tobias Schild

Erik Meijer

Der Niederländer arbeitet heute unter anderem als Experte für Sky. Zwischen 1995 und 2006 bestritt Meijer 174 Bundesliga-Spiele (38 Tore) für KFC Uerdingen, Bayer 04 Leverkusen und den Hamburger SV sowie 86 Begegnungen (19 Tore) in der 2. Bundesliga für Alemannia Aachen.

Lesen Sie am Freitag den zweiten Teil des Interviews mit Erik Meijer