Sevilla - Die Rückkehr in die Königsklasse des europäischen Fußballs sollte für Borussia Mönchengladbach am Dienstagabendabend nach vier Niederlagen in der Bundesliga eine Chance sein, sich neues Selbstbewusstsein zu holen. Doch nach dem 0:3 beim FC Sevilla schlittern die Fohlen immer tiefer in die Krise.

Selbst der sonst so zuverlässige Kapitän Tony Jantschke patzte, als er den dritten Elfmeter verursachte. Jantschke gab im Interview zu, dass die Mannschaft momentan total verunsichert ist, bleibt aber für das bevorstehende Derby in Köln Optimist.

"Müssen die Fehler wieder minimieren"

Frage: Die Borussia wollte sich eigentlich Selbstvertrauen in der Champions League holen. Das 0:3 war am Ende deutlich. Gibt es trotzdem Grund zur Zuversicht für die kommenden Monate?

Tony Jantschke: Natürlich werden wir es später mal realisieren, dass wir heute Champions League gespielt haben, aber nichtsdestotrotz haben wir drei Elfmeter versucht und dann hat man auch keine Chance zu gewinnen.

Frage: Der erste Strafstoß für Sevilla war umstritten. Wie haben Sie die Szene gesehen?

Jantschke: Ich glaube auch nicht, dass der erste Elfmeter einer war. Mittlerweile stehen so viele Schiedsrichter am oder neben dem Spielfeld, das war kein korrekter Pfiff. Wir haben nach dem ersten Gegentor nicht mehr an die Wende geglaubt und danach ging dann nichts mehr.

Frage: Mit Torwart Yann Sommer, Innenverteidiger Roel Brouwers und Ihnen haben ausgerechnet die erfahrenen Spieler gepatzt. Bei der Borussia scheint wirklich einiges im Argen zu liegen?

Jantschke: Im Moment hat jeder mit sich selbst zu tun. Jeder macht einfachste Fehler, egal ob ich das bin oder Roel. Erfahrung hin oder her. Wir müssen die Fehler wieder minimieren. Es gibt so Phasen, da läuft nichts zusammen. Wir kennen das aus der Vergangenheit, da prallt der Ball dann zum Gegner und nicht zum Mitspieler.

"Irgendwann müssen wir mal gewinnen"

© gettyimages / 488331252

Frage: Wieder gab es drei Gegentore. Die früher so oft gerühmte Defensive scheint zum Torso zu verkommen. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Jantschke: Es ist generell eine bittere Phase auch für uns Verteidiger. Vier, fünf Jahre war die Defensive unser Prunkstück. Wir haben wenig Gegentore bekommen und jetzt so viele, das ist unüblich für uns. Wir machen zu viele einfache Fehler. Wir haben es uns selbst eingebrockt und müssen da selbst wieder raus.

Frage: Am Samstag steht auch noch ausgerechnet das Derby in Köln an. Haben Sie schon Angst vor der nächsten Pleite?

Jantschke: Angst hat man nie im Fußball. Es gibt solche schlechten Phasen im Fußball, wo echt gar nichts läuft, wo wir nicht mal, wenn wir Glück haben mal einen Punkt mitnehmen. Alle Fehler von uns werden sofort bestraft. Irgendwann müssen wir mal gewinnen.

Frage: Sind denn trotz der erneuten Niederlage Fortschritte zu erkennen? Was kann Hoffnung machen?

Jantschke: Etwas Positives zu finden, ist natürlich schwierig. Sevilla ist eine super Mannschaft und hat hier etliche Jahre nicht mehr verloren. Wir mussten, dass wir nicht hier herkommen und die wegschießen, besonders nicht in unserer Situation. Bei uns läuft nicht viel zusammen im Moment, das muss man ganz klar sagen, aber wir müssen das jetzt akzeptieren.

Frage: In der ersten Hälfte lief es ja noch einigermaßen gut. Was hatte die Borussia für einen Matchplan?

Jantschke: Wir haben in der ersten Halbzeit versucht, einfach zu spielen. Nicht kompliziert hinten raus zu spielen, weil wir wussten, dass Sevilla schnelle Spieler hat, die gut pressen. Wir wollten kompakt stehen und auch mal dreckig spielen, was relativ gut in der ersten Halbzeit geklappt hat, aber wenn Du nach 30 Sekunden in der zweiten Halbzeit das Gegentor bekommst, ist das natürlich fatal. Schade, dass wir da nicht den Kopf oben behalten haben, denn es war ja noch nichts Großes passiert.

"Derby ist immer geil"

© gettyimages / Gonzalo Arroyo Moreno

Frage: Wie schafft man als Mannschaft sich in solcher einer Phase wieder Selbstvertrauen zu holen?

Jantschke: Im Moment ist einfach so, dass der Kopf eine große Rolle spielt nach fünf Niederlagen in Folge. Das tut sehr, sehr weh und ist für viele das erste Mal, dass sie in solch einer Situation sind. Es wird aber leider keiner bei uns vorbeikommen und uns Selbstbewusstsein schenken, das müssen wir uns hart erarbeiten und vielleicht auch mal glücklich irgendwo etwas mitnehmen.

Frage: Ist der Druck vor dem Derby besonders groß?

Jantschke: Jetzt kommt das Derby gegen Köln, das hat immer seine eigenen Gesetze, da zähl nicht, was vorher war. Derby ist immer geil. Der Druck wird immer größer, umso so länger man nicht gewinnt.

Frage: Was macht Sie zuversichtlich, dass die Borussia schnell die Wende einleitet?

Jantschke: Dass wir weiter an uns arbeiten und die Situation nicht schön reden, da gibt es auch nichts schön zureden. Wir haben uns das selbst zuzuschreiben. Ich bin aber optimistisch, dass wir das Ruder bald herumreißen.

Aus Sevilla berichtet Alexander Barklage