Bayer Leverkusen erwischte mit dem 1:1 bei Borussia Dortmund insgesamt einen ordentlichen Start in die Rückrunde. Eine starke Leistung zeigte Nationalspieler Manuel Friedrich, der in der Innenverteidigung 83 Prozent seiner Zweikämpfe gewann.

Auch im Interview mit bundesliga.de lässt der Abwehrspieler Selbstbewusstsein sprechen - und gibt sich mit Blick auf das Meisterschaftsrennen ausgesprochen angriffslustig. Außerdem freut er sich über die Verpflichtung von Toni Kroos.

bundesliga.de: Trotz etlicher guter Chancen in der zweiten Halbzeit hat es nur zu einem Unentschieden in Dortmund gereicht. Ärgern Sie sich über die verschenkten Punkte?

Manuel Friedrich: Wir ärgern uns auf jeden Fall, dass wir nicht schon in der ersten Hälfte so gespielt haben wie in der zweiten Halbzeit. Da haben wir das umgesetzt, was wir uns eigentlich von der ersten Minute an vorgenommen hatten und haben die Partie dominiert. Der Ausgleich war mehr als verdient. Und die Dortmunder hätten sich nicht beschweren können, wenn sie noch ein Tor kassiert hätten. Darum überwiegt die Enttäuschung, dass wir nur einen Punkt mitgenommen haben.

bundesliga.de: Haben Sie eine Erklärung für zwei so unterschiedliche Halbzeiten?

Friedrich: Wir hatten uns viel vorgenommen, aber wir haben am Anfang im Mittelfeld fast jeden Zweikampf verloren und waren überhaupt nicht nah am Mann. Wir haben den BVB zu viel zur Entfaltung kommen lassen, waren selbst viel zu ängstlich und zu abwartend. Vielleicht hat den Dortmundern in der zweiten Hälfte dann auch ein bisschen die Kraft gefehlt. Aber das darf für uns kein Argument sein. Wir müssen von Beginn an mehr tun, dann gewinnen wir so ein Spiel ganz klar.

bundesliga.de: Ist der schnelle, druckvolle Kombinationsfußball der zweiten Halbzeit der Maßstab für die Saison?

Friedrich: Das ist unser Anspruch, wenn wir in fremde Stadien fahren und wenn wir gegen andere ambitionierte Teams antreten. Für uns selbst sind wir der Favorit! Wir gehören in der Bundesliga zu den besten Teams und wollen uns in der Tabelle oben festsetzen. Das muss sich auch im Stadion zeigen. Es kann nicht sein, dass wir zu einem Mitkonkurrenten fahren und auf ein Unentschieden hoffen. Unser klares Ziel sind drei Punkte - egal, ob auswärts oder zuhause.

bundesliga.de: Ist das größte Manko noch die Chancenverwertung?

Friedrich: Natürlich hatten wir klare Chancen und da müssen wir uns auch noch steigern. Aber wir hatten in Dortmund auch einfach Pech. Solche Tage gibt es. Ich glaube, wir hätten diesmal noch eine halbe Stunde spielen können und hätten das Tor trotzdem nicht mehr getroffen.

bundesliga.de: Aber auch schon gegen Cottbus hätten es eigentlich mehr Treffer sein müssen.

Friedrich: In der zweiten Halbzeit war unser Spiel bis zum Strafraum hervorragend. Wir haben die Dortmunder richtig hinten eingeschnürt und nicht zur Entfaltung kommen lassen. Wichtig ist, dass wir uns die Möglichkeiten überhaupt erarbeiten und das Spiel so dominieren, dass wir solche hundertprozentigen Chancen bekommen. Wenn wir das beibehalten, fallen auch die Tore.

bundesliga.de: Wenn Bayer ganz oben mitmischen will, müssen auch in den nächsten Spielen gegen Stuttgart, Hoffenheim und den HSV Punkte her.

Friedrich: Wie gesagt , wir wollen jedes Spiel gewinnen! Egal, in welcher Phase der Saison und egal, gegen welchen Gegner. Wir wollen uns oben festbeißen und dazu muss man eben auch mal ein paar Spiele in Serie gewinnen. Es wäre sicher nicht schlecht, gegen Stuttgart damit anzufangen.

bundesliga.de: Wird Bayer Leverkusen als Meisterschaftsaspirant unterschätzt?

Friedrich: Wir wissen um unsere Stärken. Wir wissen, dass wir ganz oben mitspielen können und das allein zählt. Was andere sagen, ist egal! Es ist jetzt müsig, auf die Hinrunde zurückzugucken. Aber es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass wir dort fünf, sechs Punkte verschenkt haben. Wenn man die jetzt drauf rechnet, kann jeder gucken, wo wir stehen könnten. Deswegen müssen wir nicht mit irgendwelchen Experten diskutieren, was in dieser Saison für uns möglich ist. Wir sind uns in der Mannschaft einig, was wir wollen. Und das ist das Einzige, was wirklich wichtig ist.

bundesliga.de: Also darf man bei Bayer offen von der Meisterschaft reden?

Friedrich: Vor der Saison war die Vorgabe, internationale Plätze zu belegen. Das ist das primäre Ziel. Alles, was darüber hinausgeht, wäre umso schöner. Möglich ist es auf jeden Fall. Wir müssen uns vor niemandem verstecken!

bundesliga.de: Zumal sich Bayer nochmals verstärkt hat. Was halten Sie von Toni Kroos?

Friedrich: Toni ist ein guter Junge, auch wenn er nach seiner Verletzung sicher noch ein bisschen braucht, bis er richtig angreifen kann. Er wird uns weiterhelfen und er hat auf der anderen Seite für sich mit Bayer sicher die richtige Station gewählt. Bei uns können sich Talente sehr gut weiterentwickeln, wir haben insgesamt eine sehr junge Mannschaft und da passt Toni Kroos ideal hinein.

bundesliga.de: Kann diese sehr junge und entsprechend unerfahrene Mannschaft im Meisterschaftskampf zum Nachteil werden?

Friedrich: Es wird gerne behauptet, ein junges Team sei nicht abgebrüht genug. Aber wir haben auch ein paar gestandene Spieler. Ich bin mit 29 Jahren auch nicht mehr der Jüngste und habe ein paar Bundesligaspiele hinter mir. Dazu haben wir mit Thomas Zdebel noch einen sehr routinierten Spieler verpflichtet. Und die jungen Spieler werden von unserem Trainer alle so erzogen, dass sie das stemmen können müssen, auch schon in diesem Alter. Deswegen zählt am Ende der Saison auf keinen Fall die Ausrede, wir hätten zu wenige gestandene Spieler gehabt. Das lassen wir nicht gelten.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte