Zusammenfassung

  • Tom Starke hatte seine Karriere bereits beendet, steht jetzt aber wieder im Kasten der Bayern

  • Der 36-Jährige zeigte gegen Frankfurt eine herausragende Leistung

  • Thomas Müller attestiert dem Oldie "übermenschliche Fähigkeiten".

Frankfurt - Die Erfahrung macht’s: Tom Starke genügte ein Blickkontakt mit Sven Ulreich beim Warmmachen und er wusste: Heute muss ich ran. Und Tom Starke stieg dann gleich zu so etwas wie dem Mann des 15. Bundesligaspieltages auf. Der eigentlich schon pensionierte Torwart war ein Garant des 1:0-Auswärtssieges des FC Bayern München bei der Frankfurter Eintracht.

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Eine "sehr starke Leistung" attestierte ihm Bayern-Trainer Jupp Heynckes und das, "obwohl der Tom seit letztem Sommer ja schon in der Jungenausbildung aktiv war". Eigentlich hatte Starke seine aktive Karriere ja nach der letzten Saison beendet. Aber bei den Bayern haben sie es sich in der Not ja mittlerweile zur Regel gemacht, Fußball-Rentner wieder zu reaktivieren. Erst folgte Heynckes, der Erfolgstrainer im Ruhestand, auf Carlo Ancelotti. Und weil sich zunächst Manuel Neuer, dann Talent Christian Früchtl und nun auch noch vor dem Anpfiff in Frankfurt Ulreich (Adduktorenprobleme) in den Krankenstand meldete, stand Starke plötzlich wieder in der Bundesliga zwischen den Pfosten.

"Tom Starke sieht aus wie ein 50-Jähriger, trainiert aber wie ein 28-Jähriger" Javi Martinez

Gehalten hat der Alte wie als Junger in seinen besten Zeiten, auch wenn Bayern-Kapitän Thomas Müller augenzwinkernd auch Schwachstellen im Spiel des Torwarts erkannt hat. "Tom hat noch die Wadenmuskeln, um hoch und weit zu springen. Nur die Abschläge sind nicht mehr ganz so weit", scherzte Müller, der Starke im Abschlusstraining "übermenschliche Fähigkeiten" attestierte: "Wir haben nach Flanken keinen Ball an ihm vorbei gebracht."

© imago / MIS

Auch die Frankfurter dann im Ernstfall nicht, was FCB-Mittelfeldspieler Javier Martinez ziemlich glücklich machte. Wobei das Lob von Martinez ein bisschen vergiftet daherkam: Tom Starke sehe aus wie ein 50-Jähriger, trainiere aber wie ein 28-Jähriger, sagte der 29-jährige Spanier. Starke nahm den Steilpass von Martinez gerne auf und entgegnete: "Der Martinez hat heute Morgen wohl nicht in den Spiegel geschaut." In Wahrheit ist dieser Tom Starke ja 36 Jahre alt, und kann nach seinem Wechsel 2012 aus Hoffenheim zum FC Bayern München auf fünf Deutsche Meisterschaften, drei Pokalsiege und einen Champions-League-Triumph zurückblicken.

"Im Prinzip", gab Starke zu, "war die Sache im Sommer für mich gegessen."  Mit der "Sache" meint Starke sein Dasein als Profifußballer. Doch mit der neuen Wendung in seinem Leben könnte Starke sich kommenden Frühling in der Kaderliste des Meisters verewigen. Dass die Bayern am Tag von Starkes zehntem Bundesligaeinsatz für den Klub die Herbstmeisterschaft vorzeitig perfekt machten, ist eine passende Pointe zur kuriosen Geschichte.

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Wer noch vor neun Wochen erzählt hätte, dass Jupp Heynckes noch einmal als Bayern-Trainer eine Herbstmeisterschaft erklärt und dabei Tom Starke im Münchner Tor rumhechtet, hätte sich als Märchenonkel einige Reputation erworben. Nun ist es aber genauso gekommen. Ob Starke allerdings am kommenden Mittwoch im Heimspiel gegen den 1. FC Köln das Tor der Bayern erneut hüten wird, hängt von der Genesung von Ulreich ab. Starke aber verspricht schon mal: "Wenn mich das Team braucht, bringe ich mich in Form." Man darf sagen: In Frankfurt hat genau das prächtig geklappt.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter