Togo trägt Trauer, die Fußball-Welt steht unter Schock - aber der Ball rollt. Fünf Monate vor dem Beginn der WM in Südafrika hat der tödliche Terroranschlag auf die togolesische Fußball-Nationalmannschaft weltweites Entsetzen ausgelöst.

Unter dem Eindruck des Blutbades mit drei toten Delegations-Mitgliedern in der angolanischen Exklave Cabinda beginnt am Sonntagabend dennoch der 27. Afrika-Cup - ohne die in Tränen aufgelösten Spieler Togos.

Premierminister spricht Machtwort

Mit einem Machtwort beorderte Premierminister Gilbert Houngbo das Team nach dem verheerenden Separatisten-Angriff auf den Mannschaftsbus nach Hause. "Die Mannschaft muss abreisen und sofort nach Togo zurückkehren. Wenn Spieler oder andere Personen während der Eröffnungsfeier unter der Flagge Togos stehen, repräsentieren sie nicht unser Land", sagte Houngbo und rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Der Mannschaft fuhr der Staatschef damit über den Mund. Angesichts der traumatischen Ereignisse nahe der Grenze hatten die Spieler schweren Herzens, aber fast einstimmig beschlossen, dennoch anzutreten.

Trotz des Horrors, den Assimiou Toure vom Bundesligisten Bayer Leverkusen in einem Satz beschrieb: "Ich hatte Todesangst, ich konnte nur noch unter meinen Sitz springen und beten." Im Kugelhagel starben Assistenztrainer Abolo Amelete, der Pressesprecher Stanislas Ocloo und ein Busfahrer. Sieben Personen wurden verletzt.

Armee half Togos Team

Abwehrspieler Toure hatte wie alle seine Mitspieler Riesenglück, mit dem Leben davongekommen zu sein. Als die Rebellen der "Front für die Befreiung der Exklave Cabinda" (FLEC) aus ihren Verstecken sprangen und mit Maschinengewehren das Feuer eröffneten, kauerte der 22-Jährige minutenlang unter seinem Sitz.

"Den ersten Bus haben sie völlig durchsiebt. Die dachten wohl, dass wir da drin saßen. Aber da war nur das Gepäck", berichtete Toure: "Gott sei Dank saß ich hinten in der vorletzten Reihe. Die haben vor allem auf den vorderen Teil geschossen. Wenn die Armee nicht gewesen wäre, wären wir jetzt alle nicht mehr am Leben."

Eröffnung mit Schweigeminute

Und der Schrecken geht weiter: Die FLEC-Rebellen, die sich zu der Tat bekennen, kündigten weitere Anschläge auf den Afrika-Cup an. "Es wird weitergehen. Alles ist möglich", sagte der Rebellenführer Rodrigues Mingas. "Diese Nation ist im Krieg, weil Issa Hayatou (Präsident des afrikanischen Fußball-Verbandes/Anm. d. Red.) auf seinem Standpunkt beharrt. Der Anschlag hätte jeden treffen können."

Dennoch muss die Show weitergehen. Am Sonntagabend traf Angola im Eröffnungsspiel auf Mali. In einer Schweigeminute wurde den Opfern gedacht, zuvor hatte der angolanische Präsident Jose Eduardo dos Santos das Turnier vor 50.000 Zuschauern in der Hauptstadt Luanda im "Stadion des 11. November" eröffnet und den Anschlag als "terroristischen Akt" verurteilt.

Die CAF hatte zuvor Forderungen, das Turnier nach dem "Akt der Barbarei" (Togos Trainer Hubert Velud) nicht auszutragen, unmissverständlich eine sofortige Absage erteilt. Die Gruppe B wird mit drei Mannschaften (Ghana, Elfenbeinküste, Burkina Faso) gespielt.

Blatter vertraut Südafrika

Die FIFA und WM-Gastgeberland Südafrika versicherten, dass der Anschlag die WM nicht tangiere. "Ich habe nach wie vor vollstes Vertrauen in Afrika und bin sicher, dass der Kontinent in der Lage ist, eine Fußball-WM zu organisieren", sagte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter.

Auch die Südafrikaner reagierten gelassen. "Wir sind zu hundert Prozent bereit, das Turnier auszurichten. Spekulationen, dass der Vorfall in Angola Auswirkungen auf die WM hat, weise ich entschieden zurück", sagte Präsident Jacob Zuma. "Der Anschlag ist schockierend und inakzeptabel, er sollte uns aber Ansporn sein, den Terrorismus auszumerzen."

Angola garantiert Sicherheit

Für den Afrika-Cup (bis 31. Januar) garantiert Angola unterdessen die Sicherheit aller Teilnehmer. Die Vorkehrungen insgesamt würden nach dem Vorfall "drastisch verschärft", sagte Sportminister Goncalves Muandumba:

"Wir haben unsere Anstrengungen verdoppelt. Wir garantieren, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um Schutz und Unversehrtheit aller Mannschaften, Fans, Betreuer und Touristen zu gewährleisten."