Stuttgart strotzt vor Selbstbewusstsein und fährt auch vermeintliche Pflichtsiege sicher ein.

Wie immer musste man ein wenig Geduld mitbringen in den Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena, bis die ersten Spieler des VfB Stuttgart aus der Umkleidekabine kamen.

Zufriedene Gesichter, aber keine verträumten

Dann aber war es soweit. Khalid Boulahrouz, Roberto Hilbert, Martin Lanig, Jens Lehmann und wie so oft ganz am Schluss der Torjäger vom Dienst, Mario Gomez. Und allesamt wirkten sie sehr zufrieden mit ihrem Tagwerk.

Kein Wunder, hatten die Stuttgarter doch mit dem sicheren 2:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt den fünften Sieg in Folge eingefahren. Parallel dazu verloren die Konkurrenten aus Hamburg und München. Damit stehen die Schwaben nun auf Platz 4 der Tabelle und dürfen nach wie vor sogar von der Meisterschaft träumen.

Dürften sie, machen sie aber nicht. Denn in Stuttgart ist die Maxime allen Handels seit Wochen dieselbe: Ball flach halten. Nur nicht anfangen zu träumen, erst einmal den UEFA-Cup-Platz 4 oder 5 absichern, die zuletzt ebenfalls siegreichen Rivalen aus dem Ruhrgebiet (FC Schalke 04, Borussia Dortmund) auf Distanz halten.

Das Team funktioniert

"Wenn man sieht, dass die Mannschaften hinter uns alle gewonnen haben, war unser Erfolg umso wichtiger", sagte VfB-Erfolgs-Teamchef Markus Babbel bei der Pressekonferenz. Und seine Spieler wiederholten folgsam: "Wir sind nicht in der Position, Ansprüche zu stellen. Denn wir haben in der Hinrunde viel verschenkt", sagte Gomez. Sein Kollege Lanig stand ihm bei: "Wir haben jetzt eine sehr gute Ausgangsposition und müssen diese Form beibehalten."

Die so erfolgreichen Stuttgarter sind derzeit auch konsequente Tiefstapler. Denn die Mannschaft funktioniert perfekt. Das Selbstbewusstsein ist riesengroß und die Mechanismen greifen auf dem Platz ideal ineinander.

Auffällig beim Sieg gegen die Frankfurter war, dass die Stuttgarter mittlerweile ein Spiel auch äußerst effizient gestalten können. Von "Hurra-Stil" war gegen die technisch guten aber harmlosen Hessen nicht viel zu sehen. Eiskalt zuschlagen war angesagt.

Effizient zum Erfolg

Zwei Tore zum richtigen Zeitpunkt, das reichte der Babbel-Truppe. Vor allem auch, weil besonders die Defensive derzeit hervorragende Leistungen zeigt. Das erkannte auch Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel: "Der VfB verfügt über gute und erfahrene Spieler, die vor allem in der Defensive sehr gut stehen."

Was nicht zuletzt auch an Jens Lehmann liegt. Der 39-Jährige befindet sich seit Wochen - vom Ausrutscher in Bochum abgesehen - in exzellenter Verfassung und strahlt jede Menge Ruhe und Routine auf seine Vorderleute aus.

Babel brachte das "Bayern-Gen"

Babbel hat es geschafft, sein "Bayern-Gen" ins Schwabenland zu importieren. Ruhig, abgeklärt, effizient, erfolgreich - so agierte der VfB Stuttgart gegen Frankfurt. Momentan sieht nichts danach aus, als könnten die Stuttgarter einem Einbruch erliegen.

Und wenn Gomez weiter so beständig trifft, scheint für seine Mannschaft in dieser Saison wirklich noch alles möglich zu sein. Sogar der Meistertitel. Auch wenn es beim VfB wirklich niemand hören mag.

Jens Fischer