Am 6. Mai 1992 feierte er seinen größten Triumph im Vereinsfußball, den Sieg im Europapokal der Pokalsieger. Natürlich im Trikot von Werder Bremen, schließlich hielt Marco Bode den "Grün-Weißen" während seiner gesamten Profikarriere die Treue.

Erstmals seit 1992 hat "sein" Werder im UEFA-Pokal-Finale gegen Schachtjor Donezk (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) nun wieder die Chance auf einen europäischen Titel.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der 39-Jährige, der inzwischen Ehrenspielführer bei Werder ist, über seine Gefühlslage vor dem damaligen Endspiel und die Favoritenrolle aktuell in Istanbul. Außerdem blickt der Europameister von 1996 schon auf den 34. Bundesliga-Spieltag am Samstag und Werders zweites Finale im DFB-Pokal.

bundesliga.de: Herr Bode, am Mittwoch steht das große Endspiel im UEFA-Pokal zwischen Schachtjor Donezk und Werder Bremen an. Kribbelt es auch bei Ihnen schon?

Marco Bode: Ich bin natürlich kein Spieler mehr und nicht mehr so nah dran. Deswegen hat es bei mir jetzt noch nicht angefangen zu kribbeln. Aber mir ist schon klar, dass es für die Jungs und für alle Bremer ein großer Tag ist. 1992 hatten wir die letzte Gelegenheit, einen Titel auf europäischer Bühne zu gewinnen. Das kommt also nicht so häufig vor.

bundesliga.de: Jetzt haben Sie 1992 schon angesprochen, wo Sie im Pokalsieger-Finale in Lissabon mit auf dem Platz gestanden haben. Können Sie sich noch erinnern, wie Sie sich auf das Spiel damals vorbereitet haben?

Bode: Im Grunde habe ich mich vorbereitet wie auf jedes andere Spiel auch. Wir spielten gegen AS Monaco, das uns allen gar nicht so bekannt war, aber schon ein großes Team war. Der Trainer hat uns ein bisschen über den Gegner informiert und ansonsten sind wir da hoch motiviert, aber auch ein bisschen nervös reingegangen.

bundesliga.de: Mit Donezk könnte das ja ähnlich sein, dass die Bremer Spieler ihre Gegner vielleicht gar nicht so genau kennen. Was wissen Sie von der Mannschaft?

Bode: Ich habe Donezk in den vergangenen Monaten schon etwas mehr wahrgenommen, auch durch meine Tätigkeit bei Premiere. Sie waren wie Werder Champions-League-Teilnehmer und haben dort das ein oder andere überzeugende Spiel abgeliefert. Seit Jahren sind sie in der ukrainischen Liga erfolgreich, wo es ja nur Donezk und Dynamo Kiev, die sich im UEFA-Cup-Halbfinale gegenübergestanden haben, gibt. Die ukrainischen genauso wie die russischen Spitzenteams sind heute eben auch internationale Teams, das ist vergleichbar mit Spanien, Italien und Deutschland. Bei Donezk spielen regelmäßig vier oder fünf Brasilianer und viele andere ausländische Spieler. Das ist ein ernst zu nehmendes Team.

bundesliga.de: Bremen hat einige Personalsorgen. Diego und Hugo Almeida fehlen gesperrt, Per Mertesacker ist verletzt. Sind diese Ausfälle eine große Schwächung, vor allem der von Diego?

Bode: Natürlich ist es eine Schwächung, das kann man nicht leugnen. Aber Thomas Schaaf hat in den vergangenen Tagen immer wieder betont, dass er dieses Argument nicht zulässt, und dass diejenigen, die spielen, seine für diesen Tag besten Elf sind. Gerade die Abwesenheit von Diego führt aber schon dazu, dass ein Spieler fehlt, der solche Spiele entscheiden kann. Trotzdem hat Werder natürlich Chancen zu gewinnen.

bundesliga.de: Es ist für Deutschland im europäischen Club-Fußball endlich mal wieder ein Titel möglich, für die Ukraine allerdings auch. Wie wichtig ist der Triumph für ganz Fußball-Deutschland, kann er ein Signal an Europa sein?

Bode: Auf jeden Fall. Wir haben zwei Halbfinal-Teilnehmer gestellt. Der HSV war auch nah dran am Finale, und Werder spielt seit vielen Jahren auf dieser Ebene erfolgreich mit. In der Champions Legaue hat man das ein oder andere Mal - ich erinnere mich an das Ausscheiden gegen Juventus Turin (3:2 und 1:2 im Achtelfinale 2005/06, Anm.d.Red.) - sehr unglücklich verloren. Auch im UEFA-Pokal ist Bremen teilweise weit gekommen. Ein Titel wäre gut für ganz Deutschland, um dieses Gerede von 'Wir können nicht mithalten' zu beenden. Natürlich ist es nicht die Champions League, ein Titel dort ist das Allergrößte. Aber der UEFA-Pokal ist, wenn man ihn gewinnt, mit Sicherheit alles andere als ein Verlierer-Cup.

bundesliga.de: Am Samstag steht natürlich auch noch das große Bundesliga-Finale an, wo Bremen nur noch indirekt beteiligt ist. Macht Werder es in Wolfsburg noch einmal spannend bzw. vielleicht sogar Bayern München zum Meister?

Bode: Die Bayern müssen ihr Match natürlich erstmal spielen gegen Stuttgart, das wird schwer genug. Werder wird sich nicht hängenlassen. Aber natürlich ist es nur menschlich, dass man im ersten Moment vielleicht nicht so konzentriert erscheint wie eine Mannschaft, die noch direkt um den Titel spielt. Das geht aber nicht nur Werder so. Dass Bremen jetzt gerade auf den potentiellen Deutschen Meister trifft, ist natürlich kurios, weil Werder selbst noch in zwei Finalspielen im Blickpunkt steht.

bundesliga.de: Spukt das zweite Endspiel im DFB-Pokal am 30. Mai in Berlin jetzt auch schon im Hinterkopf der Spieler herum?

Bode: Vor dem Spiel am Mittwoch gar nicht. Je nachdem wie die Partie in Istanbul ausgeht, wird es dann so langsam in die Köpfe hineinkommen. Wenn man den ersten Titel holt, ist sicherlich ein wenig Druck schon weg. Man hat einen Pokal schon auf der Habenseite und spielt in der kommenden Saison auf jeden Fall international. Andernfalls steigt natürlich der Druck für das DFB-Pokalfinale.

bundesliga.de: Wenn Sie tippen müssten, mit wie vielen Titeln beendet Werder die Saison?

Bode: Ich vermute, dass es einer wird.

bundesliga.de: Schon der in Istanbul, oder müssen sich Spieler und Fans noch ein paar Tage gedulden?

Bode: Das will ich jetzt noch nicht verraten…

Das Gespräch führten Tim Tonner und Christoph Leischwitz