Köln - Timon Wellenreuther hat ereignisreiche Wochen hinter sich. Erst das unverhoffte Bundesliga-Debüt beim FC Bayern München, dann der Einsatz im Champions-League-Achtelfinale gegen Real Madrid inklusive starker Szenen gegen den besten Fußballer des Planeten. Am Samstag steht mit dem Revierderby bei Borussia Dortmund direkt das nächste Highlight für den 19-Jährigen an. Diese Bühne konnten schon andere Schalker Torhüter für sich nutzen.

Auf Schalke wird man dieser Tage nicht müde, zu betonen, wie viel man von den Leistungen Wellenreuthers hält. "Ich bin absolut zufrieden mit Timon, er hat es sehr gut gemacht. Er hat besser gespielt als wir alle es erhofft hätten", lobt Coach Roberto Di Matteo seinen Keeper auf der Pressekonferenz vor dem Derby in den höchsten Tönen. Und auch Manager Horst Heldt stimmt ein und hebt das reife Auftreten hervor: "Bemerkenswert ist wahrscheinlich noch untertrieben", gab er nach dem Real-Spiel zu Protokoll.

Am Anfang seiner Entwicklung

Dass Wellenreuther allerdings noch am Anfang seiner Entwicklung steht, bewies das Spiel gegen Werder Bremen am vergangenen Spieltag, als er in der letzten Minute beim Kopfball-Treffer von Sebastian Prödl viel zu zögerlich agierte. Die Verantwortlichen stellten sich nach dem Abpfiff geschlossen hinter ihren Torwart. Wellenreuther genießt völlig zu Recht noch eine Art "Welpenschutz". Der Club weiß, welch großes Talent in ihm steckt.

Ausgerechnet in der hitzigen Derby-Atmosphäre soll er nun den nächsten Entwicklungsschritt machen. Und dass die Duelle gegen den Rivalen aus Dortmund durchaus eine Bühne bieten für große Torwartleistungen, haben schon andere Schalker bewiesen. Allen voran Jens Lehmann, dem in der Saison 1997/98 der erste Treffer eines Keepers in der Bundesliga-Geschichte aus dem Spiel heraus gelungen war. In einer verrückten Schlussphase stellte Lehmann per Kopfball aus kurzer Distanz den viel umjubelten 2:2-Endstand her. Ein Moment, den alle, die im Stadion waren, wohl nie mehr vergessen werden.

Um als Schlussmann zum Derby-Helden zu werden, muss es aber nicht gleich ein Kopfballtor in letzter Sekunde sein. Am 30. Januar 2004 parierte Frank Rost gleich zwei Elfmeter. Erst scheiterte Jan Koller, dann vergab auch noch Torsten Frings. Dank der überragenden Leistung von Frank Rost blieb Schalke im Spiel und kam durch Ebbe Sand kurz vor Schluss tatsächlich noch zum 1:0-Siegtreffer.

Neuer erwischt einen Sahne-Tag

Eine mindestens genauso beeindruckende Leistung lieferte Manuel Neuer in der Saison 2010/11 ab. Der BVB spielte Königsblau über die komplette Spielzeit an die Wand und hatte am Ende ein Torschussverhältnis von 20:8. Gebracht hat das aber alles nichts, denn Neuer erwischte einen absoluten Sahne-Tag, vereitelte mehrere Eins-gegen-Eins-Situationen und hielt den einen Punkt so im Alleingang fest.

Und wer weiß, vielleicht hat der FC Schalke 04 nach Neuer, Rost und Lehmann am Samstag gegen 17.20 Uhr ja den nächsten Derbyhelden zwischen den Pfosten stehen.

Thomas Ziemann

Revierderby-Helden: Lehmann, Neuer und Co.