Leverkusen - Auch Bayer 04 Leverkusen hat es nicht geschafft, den Höhenflug von RB Leipzig zu stoppen. Die Werkself unterlag dem weiter unbesiegten Aufsteiger trotz zweimaliger Führung mit 2:3. Nach ihrem sechsten Sieg in Folge haben die Sachsen erst einmal die Tabellenführung übernommen. Im Interview mit bundesliga.de spricht RB-Stürmer Timo Werner über das packende Duell in Leverkusen, die Fortschritte der Mannschaft und die Tabellenführung.

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bundesliga.de: Timo Werner, RB Leipzig hat den sechsten Sieg in Folge eingefahren und mit dem 3:2-Erfolg in Leverkusen mindestens für eine Nacht die Tabellenführung in der Bundesliga übernommen. Beschreiben Sie doch einmal Ihre Gefühlslage?

Timo Werner: Die Tabellenführung ist schon etwas ganz Besonderes. In unserer Mannschaft haben das bislang nur sehr wenige Spieler geschafft. Auch die Anzahl von sechs Siegen in Folge - noch dazu gegen keine schlechten Mannschaften - ist ein Ausrufezeichen. Dass wir auf Platz eins stehen, ist super, aber auch unserer täglichen Arbeit geschuldet. Auch wenn es vielleicht nur für eine Nacht ist, können wir das doch genießen. 

bundesliga.de: Die Mannschaft hat in der BayArena auch mehrfach Nehmerqualitäten bewiesen. Sie lag nach einer Minute zurück, bekam kurz vor der Pause das 1:2, musste einen Elfmeter überstehen. Das hat die Truppe nicht aus der Bahn geworfen.

Werner: Man hat gesehen, dass wir in der ersten Halbzeit mit der Spielart von Leverkusen schon unsere Probleme hatten. In der zweiten Hälfte hat es sich umgedreht. Da hatte Leverkusen Probleme mit uns. Wir wissen alle, dass wir das Spiel wahrscheinlich verlieren, wenn der Elfmeter (beim Stand von 1:2, die Red.) reingeht. Uns zeichnet aus, dass unser Torwart dann in dem Moment den Strafstoß hält. Wir haben das als Signal aufgefasst, das Spiel noch zu drehen. Und das haben wir eindrucksvoll gemacht. 

"Das Glück haben wir uns erarbeitet"

bundesliga.de: War dieses Spiel gegen einen Champions-League-Teilnehmer eine Reifeprüfung?

Werner: Wir haben auch schon gegen andere Champions-League-Mannschaften gespielt und gewonnen. Wir haben in dieser Saison schon gezeigt, dass wir gegen jeden Gegner, unabhängig vom Tabellenplatz oder internationalem Wettbewerb, bestehen können. In Leverkusen war es ein wirklich sehr großes Kräftemessen, weil die Qualität aber auch das Spielsystem von Bayer 04 uns geähnelt hat. Es war schön zu sehen, dass wir noch Schwächen haben, wir uns aber auch mit dem Willen und absoluten Kampfgeist darüber hinwegsetzen können.

bundesliga.de: In der letzten Saison noch der Abstieg mit dem VfB Stuttgart, nun Platz eins mit Aufsteiger RB Leipzig. Wie erleben Sie Ihr persönliches Kontrastprogramm?

Werner: Das sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Das eine Kapitel ist abgehakt. Ich habe mich gefreut, nach Leipzig kommen zu dürfen und habe für mich die richtige Entscheidung getroffen. Mit jedem Spiel und den Erfolgen von der Mannschaft und mir bestätigt sich, dass ich hier meinen optimalen Platz gefunden habe.

bundesliga.de: Mit 27 Punkten auf dem Konto und vom Start weg elf Spielen ohne Niederlage dürften Sie sich beim Thema Klassenerhalt keine Sorgen mehr machen.

Werner: Ich hoffe nicht.

bundesliga.de: Drücken Sie jetzt dem BVB im Topspiel gegen die Bayern die Daumen, damit die Momentaufnahme Tabellenführung noch etwas länger anhält?

Werner: Ich drücke gar keinem die Daumen. Das wird ein schönes Spiel. Jeder kann sich darauf freuen. Es treffen die zwei besten Mannschaften Deutschlands aufeinander. Der Bessere wird gewinnen. Wenn es am Ende so ist, dass Dortmund punktet und wir ein paar Tage länger Erster sein können, ist das für uns super. Aber wir wollen auch das nächste Spiel in Freiburg gewinnen. Wenn wir dort so auftreten wie in Leverkusen in der zweiten Halbzeit, dann werden wir die Bayern weiter ärgern können.

"Habe hier meinen optimalen Platz gefunden"

bundesliga.de: Können Sie beschreiben, wie sich die Mannschaft im Laufe der Saison weiterentwickelt hat und in welchen Bereichen sie reifer geworden ist?

Werner: Das Spiel gegen Leverkusen hat genau gezeigt, wo wir uns weiterentwickelt haben. Gegen Hoffenheim haben wir noch 2:2 gespielt, heute haben wir das Spiel gedreht. Das ist Aussage genug.

bundesliga.de: Rudi Völler war gerade richtig angefressen. Er meinte, dass sich die Werkself das erste Gegentor selbst reingeschossen hätte und Bernd Leno den Schuss, der zum 2:2 führte, normalerweise immer hält. Kommt zum Können auch das nötige Glück noch dazu?

Werner: Wenn man als Aufsteiger nach elf Spieltagen 27 Punkte geholt hat und ungeschlagen ist, war das nötige Glück sicher auch dabei. Aber das Glück haben wir uns erarbeitet, diesmal nicht in der ersten Halbzeit, aber nach der Pause durch unseren Kampf und unseren Willen, das Spiel zu drehen. Dann kommen so Sachen wie der Patzer von Leno oder das super Kopfballtor von Willi Orban zusammen. Wir hätten das Ding aber auch noch höher gewinnen können, wenn wir die eine oder andere Situation besser ausspielen.

bundesliga.de: Wann müssen die Saisonziele korrigiert werden?

Werner: Wir wollen so schnell wie möglich die 40 Punkte haben. Wenn wir die geholt haben, können Sie uns nach dem nächsten Ziel fragen.

bundesliga.de: Jetzt wartet ein weiteres Auswärtsspiel auf RB Leipzig. Es geht zum heimstarken SC Freiburg.

Werner: Das Spiel wird genauso schwer wie die Partie heute. Freiburg kommt über den Kampf, sie sind sehr schwierig zu bespielen. Sie sind eine besondere Bundesliga-Mannschaft. Es wird ein anderes Spiel als in Leverkusen, aber wir werden uns dem Kampf auch dort stellen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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