Hannover - Im Vorjahr war Timo Werner fester Bestandteil der VfB-Mannschaft. 32 Mal lief der 19-Jährige auf, gehörte immer zum Kader. Unter Neu-Trainer Alexander Zorniger hat das VfB-Talent einen schwereren Stand. Zum Auswärtsspiel in Berlin durfte Werner nicht einmal mehr mitfahren - der Tiefpunkt einer noch jungen Karriere. Bei Hannover 96 war er wieder im Team - und half mit einem Tor entscheidend beim 3:1-Sieg bei den Niedersachsen mit.

"Es darf ihm nicht reichen, nur im Kader zu stehen", hatte der Coach die mangelnde Einstellung des Offensivspielers zuvor kritisiert. Worte, die sich der Youngster zu Herzen genommen hat. "Da hat es bei mir im Kopf Klick gemacht", sagt Werner, der eineinhalb Wochen nach Berlin in Hannover erstmals in dieser Saison traf und damit half mit seinem ersten Tor seit zehn Monaten den ersten Sieg nach fünf Niederlagen in Folge einzufahren.

Frage: Endlich ist der Knoten geplatzt. 3:1 bei Hannover 96. Wie haben Sie die Partie gesehen?

Timo Werner: Es war eine enge Kiste. Das Spiel war bis zum Schluss offen. Am Ende haben wir aber verdient gewonnen, glaube ich.

Frage: Die Moral in der Mannschaft scheint zu stimmen.

Werner: Auf jeden Fall. Wenn man fünf Niederlagen in Folge eingesteckt hat und dann auswärts in Hannover so guten Fußball spielt und 3:1 gewinnt, spricht das für die Mannschaft. Wir wachsen als Team immer besser zusammen.

"Wir wussten: Irgendwann geht der Ball wieder rein"

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Frage: Der VfB wurde trotz der Niederlagenserie immer für sein gutes Spiel gelobt. Gibt so etwas Kraft?

Werner: Auf jeden Fall. Gerade das Schalke-Spiel hat uns Kraft gegeben und uns gezeigt, dass wir es können. Wir haben gegen Schalke viele Chancen erarbeitet und vertan, aber wir wussten, irgendwann gehen die Bälle auch mal rein.

Frage: Die Erleichterung nach dem entscheidenden 3:1 in der 90. Minute war förmlich greifbar auf den Rängen. Was haben Sie in dem Moment gefühlt?

Werner: Hannover hat in der Phase noch mal richtig Druck gemacht. Gerade ihre großen Spieler sind richtig gefährlich. Sané, Sobiech, Marcelo sind schon richtige Kanten und sorgen bei Freistößen und hohen Bällen immer für Gefahr. Da kann immer noch was passieren. Um so schöner war das dritte Tor. Man hat ja gesehen, wie sich alle nach dem 3:1 in den Armen gelegen haben.

Frage: Sie haben nach langer Zeit mal wieder ein Tor erzielt. Können Sie sich noch an Ihren letzten Treffer erinnern?

Werner: Nicht so ganz genau. Ich glaube, es war in Freiburg. War das so?

Frage: Stimmt, am 28. November 2014.

Werner: Ich hoffe, dass ich nicht wieder so lange brauche, um ein Tor zu machen.

"Ein schönes Gefühl, als der Ball drin war"

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Frage: Heute war es ein Abstauber. Braucht ein Stürmer so etwas nach so einer Flaute?

Werner: Ich glaube schon. Wenn man gesehen hat, wie wir gegen Schalke die Chancen verballert haben, dann war das heute das einfachste Tor der Welt. Es war ein schönes Gefühl, als der Ball drin war.

Frage: Sie sind nach Ihrem Tor zum Zeugwart Michael Meusch gelaufen. Hat das einen bestimmten Grund?

Werner: Weil ich eine super Bindung zu ihm habe. Er ist eine Art Vaterfigur für mich. Aber ich habe mich eben auch bei der Mannschaft bedankt für die tolle Unterstützung.

Frage: Sie gehen diese Saison durch Höhen und Tiefen, haben alles erlebt zwischen Nicht-Nominierung und Matchwinner. Wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?

Werner: Im Nachhinein kann man sagen, dass es mir weiter geholfen hat. Es war nicht schön, in Berlin nicht dabei zu sein. Aber es war auch gut, einfach mal ein Wochenende abschalten zu können. Da hat es bei mir im Kopf Klick gemacht. Weniger, dass ich mich noch großartig verbessern muss, sondern einfach, dass ich vom Kopf her freier werden und im Training mehr machen muss. Um so mehr freue ich mich, dass ich eineinhalb Wochen nach Berlin der Mannschaft heute helfen konnte.

Frage: Wie wütend ist man mit auf den Trainer, vor allem nach der doch herben Kritik?

Werner: Wie hat er gesagt? Er sei nicht mein Kindermädchen, und ich solle nicht rumheulen und betteln: "Lass mich doch spielen." Ich habe mir vorgenommen, das als Ansporn zu nehmen und habe im Training Gas gegeben. Um so schöner, dass er mir jetzt das Vertrauen gibt und mich spielen lässt.

Frage: Also erst mal alles gut?

Werner: Bis Samstag. Dann holen wir gegen Gladbach die nächsten drei Punkte. Dann ist die Situation noch besser.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs