Berlin - "Wir haben es uns über das gesamte Jahr erarbeitet und heute etwas ganz Großes erreicht", frohlockte Timo Werner am Samstagabend nach Abpfiff im Berliner Olympiastadion. Durch den Auswärtssieg bei Hertha BSC hatte sich Werners Team endgültig die direkte Champions-League-Qualifikation gesichert. Und der Angreifer hatte und hat an dieser Wahnsinnssaison des Aufsteigers gehörigen Anteil.

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Mit dem 4:1 in der Hauptstadt feierte RBL den 20. Sieg, was gleichbedeutend mit der Einstellung des Uralt-Rekordes der Bayern aus der Spielzeit 1965/66 ist. Noch ein Dreier mehr und die Sachsen sind alleiniger Rekordhalter. Werner erzielte 19 der 60 Leipziger Tore und damit fast jedes dritte.

Werner in prominenten Fußstapfen

Der 21-Jährige ist erst der fünfte Spieler der Bundesliga-Geschichte, dem im Alter von unter 22 Jahren mindestens 19 Saisontreffer gelangen. Die Vorgänger lassen einiges erwarten, zuvor schafften das nur Gerd und Dieter Müller sowie Klaus Fischer und Werner Weist. Zudem erzielte letztmalig vor zehn Jahren ein Spieler eines Aufsteigers so viele Saisontreffer (damals Bochums Theofanis Gekas auf 20 Tore).

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Ohnehin hat Werner vieles als Jüngster geschafft. Bei seiner ersten Profistation, dem VfB Stuttgart, wurde er 2012/13, obwohl er noch für die U17 spielberechtigt war, Torschützenkönig in der U19-Bundesliga Süd-Südwest. In der folgenden Spielzeit bestritt der gebürtige Stuttgarter in der Qualifikation zur Europa League sein Pflichtspieldebüt für die Profi-Mannschaft des VfB.

Mit 17 Jahren, vier Monaten und 25 Tagen wurde er zum bisher jüngsten Debütanten der VfB-Historie. Zwei Wochen später, am 17. August 2013, avancierte er durch seinen Einsatz im Spiel gegen Bayer Leverkusen mit 17 Jahren und 164 Tagen zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Schwaben. Und so ging es weiter: Jüngster Bundesliga-Torschütze des VfB, jüngster Doppeltorschütze der Bundesliga, jüngster Spieler mit 50 Bundesliga-Einsätzen.

Der nächste Rekord folgt auf dem Fuß

Vergangenen Sommer dann der Wechsel vom abgestiegenen VfB zu RB Leipzig. Es sollte eine Saison folgen, in der noch viel mehr auf den jungen Mann einprasselte: Erste eigene Wohnung, fremde Stadt, gestiegene Erwartungen. Sportlich übertraf der variable und pfeilschnelle Angreifer alle Erwartungen. Bereits am 5. Spieltag knackte Werner den nächsten Rekord: Durch die Einwechslung beim 1:1-Unentschieden in Köln wurde er zum jüngsten Spieler, der 100 Bundesliga-Einsätze auf dem Konto hat.

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Doch dann folgte im Dezember die Heimpartie gegen den FC Schalke 04. Schon in der ersten Minute war Werner in eine strittige Elfmeterentscheidung verwickelt. Was in Folge dieses Spiels auf den damals 20-Jährigen einprasselte, hätte wesentlich erfahrenere Akteure aus der Bahn werfen können. Doch Werner fing sich schnell und ging weiter entschlossen seinen Weg.

Bundestrainer Joachim Löw honorierte die anhaltend guten Leistungen des Stürmers. Im März, nur zwei Wochen nach seinem 21. Geburtstag, debütierte Werner in der deutschen A-Nationalmannschaft. Durch den Startelfeinsatz bei Lukas Podolskis Abschiedsspiel (1:0 gegen England) wurde er zum ersten deutschen A-Nationalspieler von RB Leipzig.

Confed-Cup oder U21-EM?

Damit stellt sich die Frage nach Werners Sommeraktivität: Zum Confed Cup mit der A-Mannschaft in Russland? Oder mit dem U21-Nationalteam zur parallel in Polen stattfindenden Europameisterschaft? Löw und U21-Coach Stefan Kuntz werden ihre Kader am 17. Mai bekanntgeben.

Wenn es zum Confed Cup gehen sollte, werde er sich riesig freuen, erklärte Werner in Berlin und fügte an: "Wenn es zur U21 geht, dann freue ich mich auch." Vorher geht es für Werner und seine Teamkollegen am Samstag erstmal gegen den alten und neuen Deutschen Meister Bayern München. Für Werner die Chance, das erste Leipziger Tor gegen den Rekordmeister zu erzielen. Sollte dies gelingen, dürfte es bei seinem Werdegang niemanden überraschen.

Andre Anchuelo

Wahl: Timo Werner ins Team der Saison wählen!