Köln - Der 1. FC Köln ist am Ziel seiner Träume angekommen. In einem ebenso intensiven wie emotionalen Spiel setzte sich die Geißböcke gegen den 1. FSV Mainz 05 verdient mit 2:0 durch und kletterte dank den Niederlagen der Konkurrenz sogar noch auf Platz fünf. Damit hat sich der FC direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Der gebürtige Kölner Timo Horn kann dann ab der kommenden Saison den Erzählungen seiner Großeltern über FC-Heldentaten in Europa eigene Erfahrungen hinzufügen, wie er im Interview lachend verriet.

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Frage: Timo Horn, als das Spiel abgepfiffen wurde, gab es für die Kölner Fans kein Halten mehr. Wie haben Sie die feiernden Fans erlebt?

Timo Horn: Es war die pure Freude. Wenn man sieht, was den Fans die Qualifikation nach 25 Jahren bedeutet, ist man unheimlich stolz auf das gesamte Team. Es ist fast wie ein Märchen. Wir sind vor drei Jahren aufgestiegen und haben uns von Jahr zu Jahr verbessert. Das ist die Krönung von allem.

Frage: Was ging in Ihnen vor, als dann Yuya Osakos Schuss kurz vor Schluss zum 2:0 im Mainzer Netz zappelte?

Horn: Das 2:0 war die pure Erlösung. Da hat jeder Kölner auf der Tribüne gewusst, dass uns der Sieg nicht mehr zu nehmen ist. Ein 1:0 ist immer ein gefährliches Ergebnis. Die Mainzer haben auch nicht kampflos aufgegeben, sondern dagegen gehalten. Aber man bei uns diesen Willen gespürt. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Dass die anderen Mannschaften so für uns spielen, war jetzt nicht zu erwarten. Aber das tun sie im Grunde genommen schon die ganze Saison. Heute hat wieder alles gepasst. Wir haben die Chancen endlich genutzt - und das am letzten Spieltag. Das ist unbeschreiblich. Wir werden jetzt eine Woche durchfeiern.

© gettyimages / Juergen Schwarz/Bongarts

Frage: Haben Sie die Ergebnisse auf den anderen Plätzen mitbekommen?

Horn: Als Torwart hast du immer ein bisschen Zeit. Ich habe es natürlich verfolgt. Spätestens als Bayer Leverkusen 4:0 bei Hertha BSC geführt hat, war uns bewusst, dass wir es wirklich schaffen können. Ich habe versucht, die Mannschaft noch einmal zu pushen, dass wir defensiv alles vom Tor weghalten und wir zu null spielen. Das haben wir geschafft. Ich bin unfassbar stolz auf die Truppe, dass die Jungs das so hinbekommen haben. Es war eine große Leistung über die Saison hinweg. Das war das Sahnehäubchen.

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Frage: Hat Sie das Resultat von Leverkusen überrascht?

Horn: Ich habe eigentlich nicht mit Schützenhilfe gerechnet. Aber sie waren letzte Woche schon sehr stark gegen uns und haben das heute wieder gezeigt. In Berlin mit 6:2 zu gewinnen, ist nicht selbstverständlich. Dass die Bayern zuhause ihr letztes Spiel gewinnen wollen, war mir dagegen bewusst. Jetzt direkt für Europa qualifiziert zu sein, ist gar nicht in Worte zu fassen. Das wird erst in den nächsten Tagen realisierbar sein.

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Frage: Wie sieht es bei Ihnen drinnen aus?

Horn: Da sind so viele Emotionen und Gefühle, die kann man gar nicht in Worte fassen. Wir haben lange darauf hingearbeitet, so eine Saison zu spielen. Der Teamgeist hat uns zu diesem Erfolg getragen. Es war kein einzelner Spieler, der die Leistung ausgemacht hat - auch wenn Tony Modeste ein unglaublich wichtiger Faktor in dieser Saison war. Alle haben dazu beigetragen. Keiner ist herauszuheben. Wir haben in den letzten fünf Spielen noch einmal eine unfassbare Leistung gezeigt. Jetzt müssen wir erst einmal wieder runterkommen und das alles realisieren. Das wird in den nächsten Tagen geschehen.

Frage: Was bedeutet Ihnen persönlich die Europa League?

Horn: Wir freuen uns riesig auf diese Aufgaben. Die meisten von uns Spielern heute waren noch gar nicht geboren, als der FC das letzte Mal international gespielt hat. Wir kennen das alle nur aus Erzählungen von den Großvätern oder den Eltern. Das ist sensationell. Ein Teil dieser Truppe zu sein, war das, was mich bewogen hat, meinen Vertrag in Köln zu verlängern. Heute ist der Tag, an dem wir es geschafft haben. Nach dem Auf und Ab, das dieser Verein hinter sich hat, ist es ein unbeschreibliches Gefühl.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski

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