Köln – Der 1. FC Köln steht fünf Spieltage vor Saisonende im gesicherten Mittelfeld. Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz, nur vier Zähler trennen die Geißbockelf von Rang 7, der für die Europa League reichen könnte. In dieses Szenario fällt das rheinische Derby gegen Bayer 04 Leverkusen (ab 15:30 Uhr im Liveticker). Im Hinspiel hielten die Domstädter lange gut mit, verloren dann am Ende aber deutlich mit 1:5. Vor dem Rückspiel am Samstag sprach bundesliga.de mit FC-Keeper Timo Horn über die Brisanz des Derbys, den Abstiegskampf und die Aussichten auf Europa.

bundesliga.de: Timo Horn, der FC hat auch am letzten Samstag wieder einmal zu null gespielt und einen wichtigen Punkt im Kampf um den Klassenerhalt gewonnen. Galt in Berlin die Devise "Safety first"?

Timo Horn: Wenn wir unser Ziel mit einer defensiven Ausrichtung erreichen, ist das absolut in Ordnung. Wir hätten in einigen Spielen vielleicht mehr nach vorne machen können. Es ist aber auch nicht selbstverständlich, dass man so oft die Null hält. Das spricht für unsere gute Defensivarbeit als Mannschaft. Auch deshalb stehen wir im Moment relativ sicher da.

bundesliga.de: In Berlin war der FC vor allem auf die Sicherung des Punktes bedacht, wie die Einwechslungen des Trainers gezeigt haben. Die Chance, volles Risiko zu gehen und mit einem Dreier in der Hauptstadt vielleicht sogar noch einmal mit einem Auge Richtung Europa League zu schielen, ließ man verstreichen. Unterstreicht das die realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten?

Horn: Ich weiß nicht, ob der Trainer speziell was das angeht, ein Zeichen setzen wollte. Nach dem Sieg gegen Hoffenheim wollten wir unbedingt etwas aus Berlin mitnehmen. Man hat bei beiden Mannschaften gemerkt, dass es, wenn überhaupt, nur bei Standardsituationen gefährlich geworden ist. Keiner ist ein großes Risiko eingegangen. Natürlich wollten wir am Ende den Punkt sichern.

"Unser Ziel hieß von Anfang an Platz 15"

bundesliga.de: Platz 7, der womöglich zur Teilnahme an der Europa League berechtigen würde, ist aktuell nur vier Punkte entfernt ist: Ist das kein Thema in Köln?

Horn: Wir haben von Anfang an ein klares Ziel formuliert. Das hieß Platz 15 oder mehr. Das ist nach wie vor unser Ziel und dafür sind wir voll im Soll. Sollten wir frühzeitig gerettet sein, könnten wir dann in den letzten Spielen ohne den ganz großen Druck aufspielen und schauen, was am Ende herausspringt.

bundesliga.de: Der FC hat seit sieben Heimspielen nicht mehr verloren. Hat sich die Mannschaft über die vielen Remis zuhause doch mehr Sicherheit geholt, als man erst vermutet hatte?

Horn: Das kann man so oder so sehen. Auf der einen Seite haben wir zuhause viele Unentschieden gespielt, auf der anderen Seite aber auch nur selten Spiele verloren. Gerade in letzter Zeit tritt die Mannschaft gefestigt auf. Es macht für uns keinen Unterschied mehr, ob wir zuhause oder auswärts spielen. Wir haben uns in der Saison generell als Mannschaft weiterentwickelt. Wir hatten in der Rückrunde viele Spiele, die ähnlich wie in der Hinrunde gelaufen sind, wie auch das letzte gegen Hertha. In der Hinrunde haben wir noch öfter verloren, auch wenn wir manchmal sogar die bessere Mannschaft waren. Da haben wir einen Schritt nach vorne gemacht.

"Haben gegen Leverkusen was gut zu machen"

bundesliga.de: Jetzt kommt am Samstag Bayer Leverkusen zum rheinischen Derby ins RheinEnergieStadion. Im Hinspiel hatte der FC gut mitgehalten und hätte mit etwas Glück das Spiel sogar gewinnen können.

Horn: Das stimmt. Wenn das Spiel optimal verlaufen wäre, hätten wir auch drei Punkte mitnehmen können. So war das Ergebnis am Ende sehr ernüchternd und unsere höchste Saisonniederlage. Es ist unglücklich gelaufen. Das wollen wir –  gerade weil es ein Derby ist – wieder gut machen. Wenn wir zu null spielen, wäre das schon einmal die halbe Miete. Das wollen wir versuchen, auch wenn es gegen eine sehr gute Leverkusener Offensive sehr schwer wird.

bundesliga.de: Sie sind schon lange im Verein und kennen die Derbys noch aus Ihrer Jugendzeit. War da die Rivalität auch schon etwas Besonderes?

Horn: Auf jeden Fall. Ich habe damals in der Mittelrheinauswahl zusammen mit einigen Leverkusenern wie Danny da Costa gespielt. Da haben wir uns vor den Spielen immer gegenseitig aufgezogen. Für mich war aber eigentlich immer das große Derby das gegen Borussia Mönchengladbach.

"Wollen die Punkte in der Stadt behalten"

bundesliga.de: Leverkusen hat sieben Spiele in Folge gewonnen. Die Werkself kann in Köln einen neuen Vereinsrekord aufstellen. Das zu verhindern, dürfte ein zusätzlicher Anreiz sein?

Horn: Natürlich ist eine gewisse Brisanz im Spiel. Es ist ein Derby, in dem nicht zählt, ob der eine um die Champions-League-Plätze spielt und der andere um den Klassenerhalt. An dem Tag wollen wir da sein, den Fans ein gutes Spiel abliefern und die Punkte in der Stadt behalten.

bundesliga.de: Wie ist die Marschroute für das Derby?

Horn: Leverkusen ist einen Topmannschaft, deshalb müssen wir defensiv gut stehen. Wenn man ins offene Messer läuft, kann das auch schnell nach hinten losgehen. Wir wissen auch, dass uns zum sicheren Klassenerhalt noch der eine oder andere Punkt fehlt. Deswegen werden wir im eigenen Stadion versuchen, gut mitzuspielen, aber auch nicht in Leverkusener Konter zu laufen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski