München - Am letzten Spieltag einer Bundesliga-Saison heißt es immer auch, Abschied zu nehmen. Superstars wie Raul, Michael Ballack oder Lukas Podolski verlassen die große Bundesliga-Bühne, um ihre Karriere im Ausland entweder ausklingen zu lassen oder ihr dort neue Impulse zu verleihen. Einige Spieler hören auch ganz auf. Ein Blick in die bundesliga.de-Datenbank verrät, warum diese Stars unvergessen bleiben werden.

Der Spanier Raul war schon als dreimaliger Champions-League-Sieger und sechsmaliger spanischer Meister eine Legende, bevor er vor zwei Jahren von Real Madrid zum FC Schalke 04 wechselte. Doch auch in Deutschland hat er sich in seinen bislang 66 Bundesliga-Spielen mit 28 Toren und 11 Torvorlagen ins Gedächtnis der Fans gebrannt.

In seinen beiden Bundesliga-Spielzeiten traf er jeweils zweistellig (2010/11: 13 Mal, 2011/12: 15 Mal). Ihm gelangen dabei drei Dreierpacks und zwei Doppelpacks. In allen Spielen hat er von Beginn an gespielt. Nur einmal kam er nicht zum Einsatz (am 19. Spieltag 2011/12 in Köln wegen einer Wadenverhärtung).

Pokalsieger mit Schalke



Raul erzielte in seiner Karriere über 400 Pflichtspieltreffer. Das Jubiläumstor gelang ihm am 22. Spieltag dieser Saison gegen den VfL Wolfsburg. Der 34-Jährige lief sich in dieser Saison mit insgesamt 340 Kilometern zurückgelegter Distanz in die ligaweite Top 10 der "Marathonmänner".

Außerdem gelang Raul das "Tor des Jahres 2011": am 2. Spieltag 2011/12 per Lupfer beim 5:1 gegen den 1. FC Köln (in der 59. Spielminute zur 4:1-Führung). Seiner großen Titelsammlung fügte er im vergangenen Jahr den Gewinn des DFB-Pokals hinzu. Mit Real Madrid war ihm der Pokalsieg nie gelungen.

Michael Ballack, der "Capitano"



Beinahe wäre dem dreimaligen Deutschen Fußballer des Jahres (2002, 2003 und 2005) ein einmaliges Kunststück gelungen: mit drei verschiedenen Vereinen Deutscher Meister zu werden. Mit Kaiserslautern und den Bayern feierte Michael Ballack insgesamt vier Meisterschaften und drei Doubles.

Mit Bayer Leverkusen wurde er drei Mal Vizemeister. Besonders knapp schrammte er 2000, als ihm am letzten Spieltag in Unterhaching ein vorentscheidendes Eigentor unterlief, und 2002 am Titel vorbei.

Ältester Torschütze der Saison



In seiner langen Karriere absolvierte Michael Ballack 266 Bundesliga-Spiele, in denen ihm 77 Tore (davon 25 per Kopf!) und 54 Torvorlagen gelangen. Sieben Doppelpacks schnürte er dabei. Zwei Eigentore unterliefen ihm, fünf Mal flog er vom Platz (jeweils nach Gelb-Rot). Zehn Elfmeter schoss er, acht davon verwandelte er. Gegen Jörg Butt und Jens Lehmann scheiterte Ballack.

In dieser Saison ist der Routinier mit seinen 35 Jahren der älteste Torschütze überhaupt. In den letzten beiden Spielzeiten für Bayer Leverkusen bestritt der "Capitano" nur etwa die Hälfte der Bundesliga-Spiele (34 von 67). Seine Bestwerte datieren aus Saison 2003/04, als er mit 13 Assists der Top-Vorbereiter der Bundesliga: 13 Torvorlagen (wie auch Franca) und der Spielzeit 2001/02, als er für Leverkusen mit 17 Tore seine persönliche Bestmarke erzielte.

Lukas Podolski, der "Kölsche Prinz"



Vor den Toren der Domstadt wuchs Lukas Pofoldki in Bergheim auf und zu einem der größten Spieler des Vereins. Und dies, obwohl seine Bilanz in Köln alles andere als außergewöhnlich war. Zwei Mal stieg er mit dem FC schon ab, ein Mal auf. In dieser Saison droht ihm zum dritten Mal, mitverantwortlich für den Gang in die 2. Bundesliga zu sein.

Bislang bestritt Podolski 209 Bundesliga-Spiele für den 1. FC Köln und Bayern München, in denen ihm 70 Tore (60 mit links, vier mit rechts, sechs per Kopf) und 40 Torvorlagen sowie elf Doppelpacks gelangen. Von seinen zwölf Elfmetern hat er elf verwandelt. Ein Platzverweis (in dieser Saison am 25. Spieltag gegen Hertha, nach einer "Rangelei" mit Levan Kobiashvili) steht zu Buche.

2005 wurde er mit dem FC Meister der 2. Bundesliga und Torschützenkönig, 2008 gewann er mit den Bayern das Double. Zehn Mal erzielte "Prinz Poldi" das "Tor des Monats". In dieser Saison stellte er mit 18 Toren einen neuen persönlichen Saisonrekord aufg. Zuvor waren ihm maximal 13 Tore gelungen. Zudem war er an 66 Prozent aller Tore des 1. FC Köln direkt beteiligt (25 von 38), das ist bundesligaweit der Höchstwert.

Lucas Barrios, der BVB-Torjäger



Drei Jahre lang verzauberte Lucas Barrios mit seinen Toren die Fans von Borussia Dortmund. In 82 Bundesliga-Spiele knipste er 39 Mal, dazu lieferte er zwölf Torvorlagen. Sechs Doppelpacks und zwei Dreierpacks steuerte er bei. Seinen einzigen Elfmeter wehrte der Frankfurter Keeper Ralf Fährmann ab.

Barrios wurde zwei Mal Deutscher Meister: 2011 und 2012 mit dem BVB. In seinen ersten beiden Jahren war er jeweils der beste Dortmunder Torschütze. In dieser Saison bestritt er wegen einer Verletzungsprobleme nur 17 Spiele (14 Mal als Joker) und kam auf vier Tore.

Jörg Butt, der Elfmeter-Spezialist



Nach 387 Bundesliga-Spielen für den Hamburger SV, Bayer Leverkusen und Bayern München beendet der 37-Jährige seine Karriere. Jörg Butt hält den Rekord als torgefährlichster Bundesliga-Keeper mit 26 verwandelten Elfmetern. Hinzu kommen drei Assists. Zwei Mal traf er doppelt. Von 31 Elfmetern versenkte er 26, nur zehn Spieler schafften das öfter.

Butt kassierte 492 Gegentore und wehrte von 32 gegnerischen Elfmetern neun ab. 2010 wurde er Doublesieger mit den Bayern. 2002 holte er mit Bayer Leverkusen an der Seite von Ballack das "Vize-Triple" (Zweiter in der Bundesliga, in der Champions League und im Pokal) und wurde mit Deutschland Vize-Weltmeister.

In dieser Spielzeit 2011/12 war er mit seinen 37 Jahren der älteste eingesetzte Spieler der Saison (am 33. Spieltag beim 2:0-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart durchgespielt). Drei Mal erreichte er das Champions-League-Finale: 2002 mit Bayer Leverkusen, 2010 und 2012 mit den Bayern.

Auch Salihamidzic, Petric und Jarolim nehmen Abschied



Sein kuriosestes Gegentor fing sich Butt am 17. April 2004 durch Schalkes Mike Hanke. Nachdem er selbst einen Elfmeter verwandelt hatte, lief er feiernd und fröhlich ins Publikum winkend langsam zurück zu seinem Tor. Unterdessen hatte Hanke aber bereits den Anstoß ausgeführt und den Ball vom Mittelkreis ins Leverkusen Tor geschossen. Die "Werkself" gewann trotzdem 3:2.

Mit Hasan Salihamidzic, der mit den Bayern sechs Mal Meister und vier Mal Pokalsieger wurde, dem Hamburger Torjäger Mladen Petric sowie dem 96 Mal in seiner Karriere verwarnten Ex-HSV-Kapitän David Jarolim verlassen weitere gestandene Profis die Bundesliga, die sie viele Jahre lang bereichert haben.

Tobias Gonscherowski