Berlin - Es hat nicht gereicht. Nach nur einem Jahr Zugehörigkeit ist Hertha BSC wieder nach einer dramatischen Relegation aus der Bundesliga abgestiegen. Das bei Fortuna Düsseldorf war nach der 1:2-Heimniederlage im Hinspiel zu wenig.

Es war ein bitterer Abend für die Hertha. Trotz einer starken Vorstellung schafften die Berliner den am Rhein benötigten Auswärtssieg nicht. Wieder einmal brachte sich der Hauptstadtclub dabei selbst um die Früchte seiner Arbeit. Unterlief den Herthanern im Hinspiel noch das beinahe obligatorische Eigentor, so dezimierten sie sich im Rückspiel nach einer knappen Stunde.

Moral gezeigt - trotz Unterzahl



Änis Ben-Hatira, der Torschütze des Berliner Ausgleichs zum 1:1, ging mit gestrecktem Bein überhart in einen Zweikampf gegen den Düsseldorfer Adam Bodzek und sah dafür die Gelb-Rote Karte. Es war bereits Herthas neunter Platzverweis in dieser Saison und für den Berliner Trainer die entscheidende Szene.

"Komplett hätten wir die Düsseldorfer in noch größere Schwierigkeiten bringen können", analysierte Otto Rehhagel nach seinem wahrscheinlich letzten Spiel als Trainer richtig. "Aber leider war das nicht der Fall. Nach dem unnötigen Platzverweis hat der Gegner noch mehr an Selbstvertrauen gewonnen, während wir schockiert waren." Dennoch bewies die Hertha Moral und kam auch in Unterzahl kurz vor dem Abpfiff zum 2:2-Ausgleich durch Raffael.

"Ein sehr bitterer Abend"



Eigentore, Platzverweise, die chronische Heimschwäche - alles, was aus Sicht der Hertha in dieser Saison schief gelaufen ist, wiederholte sich in den beiden Relegationsspielen. So findet sich die "alte Dame" am Ende einer Spielzeit voller zum Teil auch selbstgemachter Probleme in der 2. Bundesliga wieder. 14 Niederlagen in 20 Pflichtspielen in der Rückrunde waren einfach zu viel.

Die Spieler hatten an der finalen Pleite schwer zu verdauen. Respekt vor Peter Niemeyer, der als einziger kurz mit den Medienvertretern sprach. "Bei uns herrscht in der Kabine nur Sprachlosigkeit. Ich möchte der Fortuna gratulieren zum Aufstieg. Für uns, den Verein und die Fans ist das ein sehr bitterer Abend", sagte der Mittelfeldspieler, bevor ihm die Stimme versagte und er den Tränen nahe das Weite suchte.

"Keine Vorwürfe"



Die Vereinsführung um Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Michael Preetz reagierte ebenfalls tief getroffen auf den Abstieg und die Umstände, unter denen das entscheidende Spiel zu Ende gegangen war. Allzu voreilige Fortuna-Fans hatten den Platz irrtümlich zu früh gestürmt, in der Annahme Schiedsrichter Wolfgang Stark habe bereits abgepfiffen. Die Partie musste für 20 Minuten unterbrochen werden.

"Wir werden heute abend keine Vorwürfe in irgendeine Richtung formulieren", sagte Michael Preetz. "Eins kann ich aber sagen: Wir haben Feuerwerkskörper gesehen aus unserem Fanblock. Das sind Szenen, die wir nicht sehen wollen und verurteilen. Wir haben Feuerwerkskörper gesehen aus dem Fanblock von Fortuna Düsseldorf. Auch das verurteilen wir. Und am Ende haben wir einen Platzsturm gesehen vor Ende der Nachspielzeit. Das hat ein Weiterspielen nicht möglich gemacht. Auch das kann ich nur verurteilen. Keiner möchte, dass ein Fußballspiel so zu Ende geht."

Preetz vor Entscheidung



Der Blick geht ungeachtet dessen auch schon in die Zukunft in der 2. Bundesliga. Sportchef Michael Preetz will und soll nach Meinung von Werner Gegenbauer weitermachen.

"Es geht jetzt darum, alle wieder aufzurichten und wieder auf den richtigen Weg zu kommen, damit wir wieder dahin zurückkommen, wo wir sein wollen", sagte der Präsident. "Wir müssen das jetzt erst einmal alles verarbeiten und uns dann so aufstellen und die Rückkehr zu schaffen." Leicht wird es sicher nicht.

Aus Düsseldorf berichtet Tobias Gonscherowski