Die gute Nachricht erreichte die Fans aus dem Fußball-Mutterland am Mittwoch (23. Juni) gegen 17:50 Uhr: Das Zittern hat ein Ende, England steht im Achtelfinale der WM in Südafrika. Die schlechte Nachricht folgte am späten Abend: Der nächste Gegner heißt Deutschland.

Doch das Hadern mit den Fußball-Göttern währte nur kurz, es folgten spontan erste Kampfansagen an den alten Erzrivalen. "Jetzt geht für uns die WM erst richtig los. Wir werden wir die Deutschen schlagen", tönte Mittelfeldspieler Frank Lampard.

In den Kneipen und Bars von Port Elizabeth, wo die "Three Lions" zuvor mit dem 1:0 (1:0) über Slowenien das drohende WM-Aus abgewendet und zumindest Platz 2 in der Vorrunden-Gruppe B gesichert hatten, dokumentierten bierselige Fans mit ihren Hass-Gesängen die seit dem WM-Finale 1966 schwelende leidenschaftliche Fußball-Rivalität.

"England ist rachedurstig"

Auf der Insel begann schon am Donnerstag (24. Juni) der schlagzeilenträchtige Countdown vor dem Neid-Duell am kommenden Sonntag (ab 15:30 Uhr im Live-Ticker) in Bloemfontein. "England ist rachedurstig. Nach dem WM-Erfolg von 1966 ist England zwei Mal, 1970 und 1990, von Deutschland aus einer WM geworfen worden und verlor im Halbfinale der EM 1996 gegen sie. Diese Serie muss jetzt unterbrochen werden", schrieb die Tageszeitung "The Times".

Fast durchgängig erinnerten die Blätter speziell an die bitteren Niederlagen im Elfmeterschießen gegen die "Germans" bei der WM 1990 und der EM 1996. Die "Daily Mail" titelte: "England marschiert weiter und hat jetzt eine Verabredung mit dem alten Feind. Es ist das Spiel, das sich Wayne Rooney für Fabio Capellos Team gewünscht hatte, als er sagte, es wäre nett, die Deutschen aus dem Turnier zu werfen."

Capello kann Spieler besänftigen

Für Nationalcoach Capello ist die giftige Atmosphäre vor dem Evergreen offensichtlich zweitrangig. "Mir war ohnehin klar, es gibt nur noch schwere Gegner", sagte der Italiener, der nach den faden Vorstellungen der Engländer in der Vorrunde gegen Algerien (0: 0) und den USA (1:1) in die Kritik geraten war und nun überschwänglich gefeiert wird. "Don Fabio hat uns bewiesen, dass er ein Gott ist", schrieb der "Daily Mirror".

Zwei geniale Schachzüge hätten die Spieler wieder besänftigt und England in die Erfolgsspur zurückgeführt: Die Nominierungen des Torschützen Jermain Defoe sowie von Mittelfeldspieler James Milner, der die Flanke zum entscheidenden Treffer schlug, und Capellos Psycho-Trick mit dem Bier.

Denn am Abend vor der Begegnung, bestätigte der 56-Jährige später, habe er Gerrard und Co. entgegen allen Prinzipien im Mannschaftshotel eine Runde Bier spendiert. Die Differenzen mit John Terry, der Capello in einer Pressekonferenz öffentlich kritisiert hatte, seien endgültig ad acta gelegt. "Ich respektiere die Spieler und die Spieler respektieren mich", betonte er nochmal ausdrücklich nach dem Vorrundenfinale.

Medien beschäftigen sich schon mit Viertelfinale

Siege heilen offenbar alle Wunden. England lieferte sein bisher mit Abstand bestes WM-Spiel, versäumte es jedoch gegen harmlose Slowenen, das Ergebnis noch eindrucksvoller zu gestalten. Selbstbewusst und mit jenem Spirit, den Capello schon vor der WM gefordert hatte, traten die von mindestens 25.000 Fans angefeuerten "Three Lions" auf. "Und was die Physis angeht, haben wir inzwischen wieder das Niveau der Premier League erreicht", ergänzte Capello.

Als wäre das emotionsgeladene Duell mit dem Erzrivalen schon gewonnen, beschäftigen sich die Medien bereits mit dem möglichen Gegner im Viertelfinale. England würde auf den Sieger der Begegnung zwischen dem hohen Titelfavoriten Argentinien und Mexiko treffen.

Was auch immer in Bloemfontein passieren wird - Capello wird seine Formation nicht ändern. Dieser habe endlich und rechtzeitig seine WM-Mannschaft gefunden, die nunmehr reif sei für den großen Coup, so die englischen Zeitungen einhellig. Gegen Deutschland wird auch Wayne Rooney mit von der Partie sein. Die Auswechslung des Torjägers mit momentaner Ladehemmung habe er nur aus Vorsicht vorgenommen, "denn sein Sprunggelenk war noch nicht ganz in Ordnung", erklärte Capello.