Zusammenfassung

  • Thorgan Hazard ist mit acht Toren und fünf Torvorlagen zweitbester Scorer der Saison
  • Der Gladbacher überzeugt aber auch durch starke Laufwerte und gefährliche Standards
  • Selbst bei der Nationalmannschaft Belgiens tritt er aus dem Schatten seines noch bekannteren Bruders Eden

Köln – Wenn man derzeit nach einem Gesicht für den Erfolg von Borussia Mönchengladbach sucht, fällt schnell der Name Thorgan Hazard. Der Belgier spielt derzeit die Saison seines Lebens und hat sich inzwischen auch aus dem Schatten seines großen Bruders emanzipiert.

In der Gladbacher Offensivabteilung herrscht derzeit viel Gedränge. Jede Position ist in der Fohlenelf auf den Außenbahnen mindestens doppelt besetzt - von hoher Qualität. Und auch weil die Borussia in diesem Jahr nicht international spielt, drängen sich an jedem Bundesliga-Wochenende Spieler wie Raffael, Patrick Herrmann, Ibrahima Traore oder Fabian Johnson auf, die Dieter Hecking jedes Wochenende erneut mit der Reservebank vertrösten muss. Denn eines ist für den routinierten Fohlen-Trainer sicher: Thorgan Hazard spielt immer.

Der Belgier war schon in der vergangenen Saison einer der Top-Spieler der Bundesliga, doch in dieser Spielzeit hat er noch einmal eine deutliche Schippe draufgelegt. An den ersten Spieltagen wegen der WM im Sommer noch ein wenig im Rückstand, geht der 25-Jährige nun komplett durch die Decke. Mit acht Treffern und fünf Torvorlagen ist er nicht nur bester Torschütze und Assistgeber bei Gladbach, er wird in der Scorer-Wertung in der Bundesliga nur von Frankfurts Sebastien Haller übertroffen.

Video: Gladbach ist die große Überraschung der Saison

Zwar war Hazard auch schon 2017/18 Borussias bester Scorer, doch acht Tore nach nur zwölf Spieltagen sind ihm in seiner Karriere bislang noch nicht gelungen. Das Resultat: Lediglich sieben Minuten verpasste er in dieser Spielzeit, jedes Mal fand sich sein Name auf der Startelf von Trainer Hecking. "Er war der beste Mann auf dem Platz", lobte Hecking auch nach dem jüngsten 4:1-Sieg gegen Hannover, wo Hazard wieder einmal mehr mit einem wunderschönen Tor in Erscheinung trat.

"Er ist ein kompletter Teamplayer" Max Eberl (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach)

Der 1,74 Meter große Dribbler ist dabei vornehmlich auf der rechten offensiven Außenbahn zu Hause, besticht aber nicht nur durch den Torabschluss, wo er mit 65 Torschussbeteiligungen klar bester Borusse ist. Nein, es ist das Gesamtpaket, bestehend aus einer enormen Schnelligkeit, starken Zweikampfwerten, gefährlichen Standards und eben jenen Vollstrecker-Qualitäten.

Hazard glänzt mit starken Statistiken

Als Beispiel: Hazard läuft im Schnitt 11,3 Kilometer bei 29 Sprints pro Partie, kommt in der Spitze auf bis zu 34 Kilometern pro Stunde. Alles absolute Spitzen-Werte, die sich aber durchaus auch auf das Spiel nach hinten beziehen. Sportdirektor Max Eberl sagt: "Er ist ein kompletter Teamplayer, verteidigt immer engagiert mit." Und auch, was den ruhenden Ball angeht, kommt in der Bundesliga derzeit keiner an Hazard vorbei: Sechs Standards mit Torfolge sind in dieser Saison Ligabestwert. Vom Punkt ist der Belgier ebenso ein sicherer Kandidat, verwandelte bereits drei Strafstöße.

Standard-Experte: Thorgan Hazard © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Beim FC Chelsea, wo er 2012 gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Eden hinwechselte, der darauf zum Weltstar aufstieg, kam er zunächst nicht aus dessen Schatten heraus. Erst eine Leihe in sein Heimatland zu Zulte Waregem machte Thorgan schließlich 2013 zum Nationalspieler. Doch es sollte noch einige Jahre dauern, bis Hazard auch der Bundesliga seinen Stempel aufdrücken konnte. Ein Saisontor im ersten Jahr bei Gladbach folgten vier im zweiten - und sechs im dritten Jahr. Der wirkliche Durchbruch gelang Hazard dann aber erst 2017/18, einer eigentlich enttäuschenden Saison für die Fohlen, die zumindest Hazard mit zehn Saisontoren rechtzeitig vor der WM zurück in den belgischen Kader bei der WM spülte.

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Doch anschließend konnte er noch einmal deutlich zulegen: Vor allem im Abschluss hat sich der Flügelflitzer verbessert. Brauchte er vor dieser Saison in der Bundesliga noch 7,7 Torschüsse für einen Treffer sind es jetzt nur noch 3,9, statt 47 Prozent seiner Großchancen verwertet er jetzt 83. Die Folge: Nun steht Hazard bereits nach zwölf Spielen bei 13 direkten Torbeteiligungen, davon acht eigene Treffer. Da kann auch sein prominenter Bruder in der Premier League (sieben Tore, vier Vorlagen) derzeit nicht mehr mithalten.

Eden und Thorgan Hazard im Dress von Belgien © gettyimages / Dean Moutaropoulos

Beim jüngsten Länderspiel Belgiens gegen die Schweiz liefen beide Brüder übrigens Seite an Seite auf. Am Ende stand zwei Mal der Name Hazard auf der Torschützenliste. Beide Treffer sollte der Gladbacher erzielen.

Karol Herrmann