Mainz - Bei seiner Rückkehr zum 1. FSV Mainz 05 erlebt Dortmunds Trainer Thomas Tuchel einen erfreulichen Abend. Und das nicht nur dank des engagierten Auftritts seiner Elf, die sich mit einem konzentrierten Auftritt aus der jüngsten Ergebniskrise befreit.

 Thomas Tuchel wollte gar nicht erst so tun, als sei der Abend in Mainz für ihn ein ganz gewöhnlicher gewesen: "Das war auf jeden Fall ein anderes Gefühl als sonst", sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem 2:0-Erfolg gegen die Mannschaft, die er selbst fünf Jahre lang als Chefcoach betreut hatte. "Schon die Anfahrt zum Stadion war komplett neu. In der Tiefgarage war ich noch nie, auf der rechten Seite des Spielfeldes war ich auch noch nie. Das hat sich alles eine ganze Weile spiegelverkehrt angefühlt."

"Viele haben sich gefreut mich zu sehen"

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Ungewohnt, aber offenbar alles andere als unangenehm, wie Tuchel nachschob: "Viele Leute haben sich gefreut mich zu sehen, so wie ich mich gefreut habe, sie zu sehen. Es ist auch in keinster Weise so, dass mich der Sieg heute mehr freut als ein anderer."

Wie wichtig der Sieg gegen starke Mainzer war, betonte Tuchel dann aber doch. Nach zuletzt drei Unentschieden (gegen dem SV Darmstadt 98, die TSG Hoffenheim und PAOK Saloniki) sowie der deutlichen Niederlage bei den Münchener Bayern war das Dortmunder Selbstbewusstsein ein wenig angeknackst.

Doch den Borussen gelang von Beginn an ein konzentrierter Auftritt. Es waren die Mainzer, die durch zwei individuelle Fehler die beiden Dortmunder Treffer begünstigte. Beim 1:0 leitete Innenverteidiger Niko Bungert den Treffer von Marco Reus (18.) mit einem Fehlpass ein. Dem 2:0 durch Henrikh Mkhitaryan ging dann ein Fehler von Verteidiger Daniel Brosinski voraus (82.) - und das Spiel war entschieden. Dass Reus, der zuletzt auch mal in der Kritik war, den wegweisenden Treffer erzielte, freute seinen Trainer dabei besonders. "Das war das Erfolgserlebnis, das kein Gespräch ersetzen kann und für jeden Stürmer wichtig ist."

Dortmund spielt entschlossen

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Reus war indes nicht der einzige Spieler, dessen Formkurve in Mainz nach oben zeigte. "Das war ein Arbeitssieg, wir haben uns reingekämpft", freute sich Keeper Roman Bürki, der nach der "nicht so guten Leistung in München" eine hervorragende Partie spielte und zur Stelle war, als die Mainzer gute Möglichkeiten hatten.

Weit mehr Torchancen hatten allerdings die Gäste, die durch Reus, Mkhitaryan, Shinji Kagawa, Pierre-Emerick Aubameyang und den als Linksverteidiger aufgebotenen Joo-Ho Park einige gute Gelegenheiten hatten, das Ergebnis weiter in die Höhe zu schrauben. Reus vergab zudem noch einen Foulelfmeter, den 05-Keeper Loris Karius parierte, ein Wermustropfen, der nichts am positiven Fazit änderte: Spielerisch überzeugte die Borussia ebenso wie die unterlegenen Mainzer, die das hohe Tempo gut mitgingen.

Doch dass der BVB, der weiterhin den zweiten Platz in der Tabelle belegt, ein wenig entschlossener und bissiger zu Werke ging, bewies auch die Statistik, die 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe auswies – ein Wert, der Tuchel besonders zufrieden stellte. "Ich kann mich genauso über toll herausgespielte Tore freuen wie über einen Sieg wie heute", betonte er. "Zumal ich wusste, dass wir nicht dominieren würden, wie wir schon viele Spiele in dieser Saison dominiert haben. Dazu war die Phase, in der wir nicht gewonnen haben, zu lang. Und dazu war der Gegner zu stark."

Christoph Ruf