Bremen - Viele Jahre war Thomas Schaaf Trainer des SV Werder Bremen. Nun ist er als Technischer Direktor zurückgekehrt und möchte seinen Teil dazu beitragen, dass Werder wieder so erfolgreich wird wie zu seiner Zeit.

>>> Der Spielplan von Werder Bremen in der Saison 2018/19

Er hat den Großteil seines Lebens beim SV Werder Bremen verbracht. Rund 15 Jahre war Thomas Schaaf dort als Spieler aktiv, 14 Jahre ist er Cheftrainer der Bundesligamannschaft gewesen. Er gewann Meisterschaften und Pokale, vor allem aber viele Herzen. Am 14. Mai 2013 trennten sich die Wege von Verein und Trainer. Nun ist er wieder zurück – nicht als Trainer, dafür aber als Technischer Direktor. Große Nostalgie kommt in dem 57-Jährigen allerdings nicht auf. Er ist eher der sachliche Typ: „Natürlich ist meine Geschichte eng mit dem SV Werder Bremen verbunden. Und natürlich fahre ich immer noch die gleiche Fahrstrecke zum Stadion. Aber für mich steht die Aufgabe im Vordergrund.“

Und diese Aufgabe ist vielfältig. Schaaf soll sich um die sportliche Ausrichtung des Vereins kümmern, wie Geschäftsführer Frank Baumann erklärt: „Wir brauchten neben der sportlichen Leitung einen Kopf, der übergeordnet das Thema Ausbildung verbessert und auch die Trends im internationalen Fußball im Auge behält. Thomas Schaaf soll seine Erfahrung als Nachwuchstrainer und Cheftrainer weitergeben.“

Ratgeber von Florian Kohfeldt

Die Zusammenarbeit mit den Trainern im Nachwuchsleistungszentrum soll im Fokus stehen. Schaaf wird viele Gespräche führen und über Trainingsinhalte oder taktische Ausrichtungen sprechen. Auch Profi-Cheftrainer Florian Kohfeldt möchte er als Ratgeber zur Seite stehen. „Ich werde ihm nicht hineinquatschen“, stellt Schaaf klar. „Aber ich mache ihm das Angebot, dass er sich mit mir austauschen kann. Wie gehen wir unsere Offensive an? Wie gehen wir die Defensive an? Über solche Themen kann er mit mir sprechen. Florian hat gesagt, dass er darauf zurückkommen möchte.“ Möglicherweise wird Schaaf für Kohfeldt eine ähnliche Rolle spielen, wie Trainer-Legende Otto Rehhagel es früher bei Schaaf tat. „Auch mit Otto war eine Kommunikation vorhanden. Wenn ich nun so etwas für Florian sein kann, ist das eine sinnvolle Geschichte.“

>>> Darauf können sich die Fans von Werder Bremen nächste Saison freuen

2004 wurde Schaaf als Trainer von Werder Bremen Deutscher Meister
2004 wurde Schaaf als Trainer von Werder Bremen Deutscher Meister
„Meine Vorfreude ist groß, nun in diesen Bereich einzusteigen.“ Thomas Schaaf

Entspannt und gesprächig – der neue Thomas Schaaf

Auf den ersten Blick war vieles wie in früheren Jahren, als Thomas Schaaf am Mittwoch offiziell vorgestellt wurde. Er saß auf dem gleichen Platz, auf dem er einst als Trainer bei Pressekonferenzen gesessen hatte. Auch der Konferenzraum hatte sich nicht groß verändert. Der einzige, der sich wirklich verändert hat, ist Thomas Schaaf selbst. Seine frische Bräune passt zu seiner entspannten Gemütslage. War er früher ein Trainer der einsilbigen Antworten, so sprudelte es nun förmlich aus ihm heraus. Lange und ausgiebig erklärte er die offensive Spielphilosophie des Vereins und dass man diese immer wieder anpassen müsse, um nicht eingeholt zu werden. Er erzählte von seinen abwechslungsreichen Arbeitstagen, dass er nicht nur im Büro zu finden sein wird, sondern auch nahe an den Nachwuchsmannschaften und teilweise auch an der Profimannschaft sein möchte. „Meine Vorfreude ist groß, nun in diesen Bereich einzusteigen“, sagt er.

>>> Alle Testspiele der Bundesliga-Clubs im Sommer

Trainer-Comeback? Man soll niemals nie sagen

Ob er eines Tages wieder Lust verspüren wird, selber als Trainer das Tagesgeschäft zu leiten? „Ich würde niemals nie sagen“, antwortet er. „Aber in dem Moment, wo ich hier bei Werder Bremen bin, stehe ich weder intern noch extern als Trainer zu Verfügung.“ Schaaf sieht seine Aufgabe bei Werder als langfristig an. Vor allem weil er weiß, dass die Früchte seines Wirkens erst nach einigen Jahren zur Geltung kommen werden. Dann nämlich, wenn das Nachwuchsleistungszentrum so viele gute Spieler hervorbringt, dass sie den SV Werder Bremen weiter nach vorne bringen – in der Bundesliga und vielleicht auch international.

Video: Kohfeldt verwandelt Werder Bremen

Internationale Plätze müssen das Ziel sein

Als Thomas Schaaf noch Trainer beim SV Werder Bremen war, zählten die „Grün-Weißen“ zu den Spitzenmannschaften des deutschen Fußballs und waren ein Dauergast in der Champions League. Schaaf weiß, dass sich die Zeiten verändert haben. „Damals hatten wir Top-Voraussetzungen und bewegten uns auf einem Top-Niveau. Das ist heute sehr schwer, weil alle Mannschaften dorthin kommen wollen und eine unglaubliche Konkurrenz da ist.“ Gleichwohl sieht der Technische Direktor eine Möglichkeit, in seiner Funktion Werder Bremen wieder dorthin zurückzubringen: „Der Verein muss sich weiter steigern und festigen. Da gehört unsere Arbeit auch dazu, indem wir die jungen Spieler bestmöglich auf die Bundesliga vorbereiten. Es wird wichtig sein, den Verein gesund und konstant aufzustellen und dann natürlich möglichst an Tabellenränge heranzukommen, wo es um internationale Begegnungen geht. Das muss das Ziel sein“

Als Spieler und Trainer hat Thomas Schaaf jeweils eine Ära des SV Werder Bremen geprägt. Vielleicht gelingt ihm selbiges nun noch einmal in der Funktion des Technischen Direktors.

Aus Bremen berichtet Oliver Jensen