Zusammenfassung

  • Thomas Müller ist seit zehn Jahren Profi beim FC Bayern
  • Gegen keine Mannschaft hat er so oft gespielt wie gegen Dortmund
  • Müller vor dem Klassiker: "Sie waren in den letzten Jahren unser größter Widersacher"

München – Am Samstag kommt es zum Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München. Einer, der diese Partie so gut kennt wie kaum ein zweiter, ist Thomas Müller, der seit nunmehr zehn Jahren Bayern-Profi ist. Im Interview mit bundesliga.de spricht er über die Tabellenkonstellation, die Chancen auf einen Sieg beim Klassiker und die Entwicklung seines Spiels in den letzten zehn Jahren.

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bundesliga.de: Thomas Müller, wie wichtig ist das Spiel gegen Borussia Dortmund aufgrund der tabellarischen Situation?

Thomas Müller: Dortmund war ja in den letzten sieben, acht Jahren der Hauptkonkurrent von Bayern und seit ich in der Mannschaft bin der größte Widersacher. Sie haben uns am meisten abverlangt und das wird auch Samstag wieder so sein. In den letzten Jahren waren die Vorzeichen vielleicht ein bisschen anders: Wenn wir in Dortmund gespielt haben, hatten wir meistens mehr Punkte auf dem Konto und weil das diesmal nicht so ist, erwartet uns ein besonders wichtiges Spiel.

"Dortmund kann sich in diesem Spiel eher ein schlechteres Ergebnis erlauben als wir, aber für uns ist das jetzt vor der Länderspielpause noch einmal die große Möglichkeit, im direkten Duell den Abstand extrem zu verkürzen."

bundesliga.de: Erzeugt die Tabellenkonstellation mehr Druck oder ist es jetzt die Chance, den Turnaround zu schaffen?

Thomas Müller: Wir haben unabhängig davon immer Druck. Letztes Jahr hatten wir im Herbst auch fünf Punkte Rückstand, konnten das Ding dann noch drehen und das wollen wir dieses Jahr natürlich wieder schaffen. Dortmund kann sich in diesem Spiel eher ein schlechteres Ergebnis erlauben als wir, aber für uns ist das jetzt vor der Länderspielpause noch einmal die große Möglichkeit, im direkten Duell den Abstand extrem zu verkürzen.

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bundesliga.de: Sie haben gegen keine Mannschaft öfter gespielt als gegen Dortmund. Was macht das Spiel für Sie persönlich aus?

Thomas Müller: Grundsätzlich ist es immer was Besonderes, mit dem FC Bayern in Dortmund zu spielen. Die Partie ist aber nicht nur für mich, sondern für alle Bundesliga–Fans in Deutschland und auf der ganzen Welt ein absolutes Highlight – aufgrund der Tabellenkonstellation jetzt natürlich umso mehr.

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bundesliga.de: Welche Stärken bringt der FC Bayern speziell für dieses Duell mit?

Thomas Müller: Dortmund hat super Ergebnisse geliefert. Sie spielen erfrischend und auch, wenn sie in der Defensive nicht immer 100 Prozent sattelfest sind, schießen sie viele Tore. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Aber auch bei uns ist der Ehrgeiz enorm hoch, obwohl im Moment nicht immer alles so glatt läuft, was unser Spiel nach vorne betrifft. Und was eigentlich kurios ist: Wir lassen zwar sehr wenige Torschüsse zu, aber wenn der Gegner dann mal abschließt, ist der Ball meistens drin. Die aktuellen Ergebnisse entsprechen derzeit also nicht immer unbedingt dem Spielverlauf. Aber das ist nichts, was uns im Vorfeld auf das Dortmund-Spiel beeinflusst. Der BVB ist ja auch eine Mannschaft, die selbst nach vorne spielt und da wollen wir die Räume, die sich auftun, nutzen. Ich bin guter Dinge, dass wir Borussia Dortmund auswärts schlagen können.

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bundesliga.de: Sie haben dieses Jahr Ihr zehnjähriges Jubiläum bei den Bayern-Profis. Wie hat sich ihr Spiel in all der Zeit entwickelt?

Thomas Müller: Wenn man sich mehr für das Große und Ganze verantwortlich fühlt, passt man auch seine Spielweise an. Man ist vielleicht nicht mehr auf den letzten Torerfolg aus, wenn es darum geht, ein Ergebnis zu sichern. Aber: Der Fußball hat sich in dieser Zeit auch enorm weiterentwickelt. Früher war ein langer Ball vielleicht mehr Werkzeug als ein Notfall. Der Fußball selbst ist in Deutschland besser geworden, das Tempo höher, die Eins-gegen-Eins-Spieler werden immer wichtiger.

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bundesliga.de: Ein Blick in die Daten verrät: Sie haben Ihr Spiel so verändert, dass Sie mehr Laufen und mehr Zweikämpfe gewinnen als zu Beginn Ihrer Karriere...

Thomas Müller: Von der Position her sehe ich mich schon im zentralen Mittelfeld und dort werden eben auch viele Zweikämpfe geführt. Zu Beginn meiner Karriere haben diese Arbeit eher andere Spieler übernommen und ich hatte nach vorne mehr Freiheiten. In dieser Hinsicht mag sich mein Spiel verändert haben. Und natürlich gibt es Phasen, wo man mal mehr und mal weniger Tore schießt.

"Die aktuellen Ergebnisse entsprechen derzeit also nicht immer unbedingt dem Spielverlauf. Aber das ist nichts, was uns im Vorfeld auf das Dortmund-Spiel beeinflusst."

bundesliga.de: Neben Ihnen sind auch Franck Ribery und Arjen Robben ein Stück Bayern-Geschichte. Was zeichnet die beiden aus?

Thomas Müller: Sie haben einen unglaublichen Ehrgeiz, ob das im Trainingsspiel ist, das sie unbedingt gewinnen wollen, oder auf dem Platz. Trotz ihres Alters sind sie noch enorm wichtig für den FC Bayern und auch für uns als Mannschaft: Gerade Franck ist auch immer ein Antreiber, was die Stimmung betrifft. Rückblickend waren beide auch sehr wichtig für meinen Werdegang und sind schlicht Weltklasse-Mitspieler.