München - Ganz entspannt schlenderte Thomas Müller nach verrichtetem Tagwerk durch die Katakomben der Allianz Arena. "Was macht ihr denn noch hier?", fragte Müller die Journalisten, die noch zahlreich bis Mitternacht ausgeharrt hatten. Wegen der Dopingkontrolle ließ der Stürmer des FC Bayern München etwas länger auf sich warten. Seine gute Laune hatte der Doppeltorschütze bei der 5:1-Gala gegen den FC Arsenal trotz später Stunde aber noch nicht verloren.

Nach der 0:2-Niederlage vor zwei Wochen in London hatten sich die Münchner für das Rückspiel einiges vorgenommen. Mit seinem Doppelpack trug Müller seinen Teil zum Gelingen dieses Vorhabens bei und machte ganz nebenbei in der ewigen Torjägerliste der Bayern Boden gut. Im vereinsinternen Ranking der Rekordschützen im Europapokal ließ Müller mit seinen Toren Nummer 31 und 32 den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge hinter sich. Nun hat er nur noch die Bestmarke von 66 Toren von Club-Ikone Gerd Müller vor sich.

Im Interview spricht Thomas Müller über die persönliche Rekordjagd und die Torgala gegen den FC Arsenal. Und er verrät, wohin der Weg des FC Bayern in dieser Verfassung führt.

Frage: Thomas Müller, inwiefern war dieser Sieg bereits eine Vorentscheidung im Hinblick auf das Ticket fürs Achtelfinale?

Thomas Müller: Es war ein Schlüsselspiel für uns und wir haben einen riesigen Schritt Richtung Achtelfinale gemacht. Vor dem Spiel war die Situation etwas heißer als danach. Wir hatten zumindest leichten Druck. Zuhause wollten wir natürlich für die Fans eine gute Show liefern und das hat gut funktioniert.

"15 Jahre FC Bayern sind nicht ganz easy"

Frage: Sie hatten mit Ihren Europapokaltoren 31 und 32 maßgeblichen Anteil daran und haben zugleich in der vereinsinternen Torjägerliste Karl-Heinz Rummenigge überholt. Gab es schon eine Reaktion von ihm?

Müller: Ich habe ihn noch nicht gesehen, weil ich direkt in den Doping-Kontrollraum gegangen bin. Ich freue mich darüber, denn er war schon eine große Nummer im europäischen Fußball und auch im Weltfußball. Das ist eine schöne Nachricht.

Frage: Jetzt fehlen Ihnen nur noch 34 Tore auf den "Bomber" Gerd Müller.

Müller: Genau. Das wird ein bisschen schwieriger werden, aber ich gebe mein Bestes.

Frage: Manuel Neuer hat gesagt, wenn Sie bis 35 bei den Bayern spielen, dann geht das. Glauben Sie auch daran?

Müller: Dann würde es gehen, aber dazu müsste ich bis 35 hier spielen. 15 Jahre beim FC Bayern auf dem Niveau zu spielen, ist für Körper und Geist nicht ganz so easy. Aber lassen wir uns überraschen, vielleicht klappt es ja.

"Wollen, dass es ganz weit geht"

Frage: Hat Sie die 0:2-Niederlage vor zwei Wochen beim FC Arsenal vor dem Spiel zusätzlich angestachelt?

Müller: Natürlich waren wir motiviert und wollten unbedingt gewinnen. Wir kannten die Situation. Es war nicht so, dass wir in London katastrophal gespielt haben. Es ist einfach nicht so glücklich gelaufen für uns. Wir wollten unser Spiel durchziehen, so wie es bereits gegen Wolfsburg gut geklappt hat. Wenn du jeweils zur Halbzeit 3:0 führst, hast du schon ein gutes Spiel gemacht. Es wäre schön, wenn das immer der Fall wäre.

Frage: War es eine nahezu perfekte Leistung?

Müller: Die erste Halbzeit war sehr gut. In der zweiten Halbzeit mussten wir etwas zu oft nach hinten laufen, weil wir ein paar leichtfertige Ballverluste hatten. Das ist vielleicht auch der Situation geschuldet, dass man einen Tick zu leichtfertig damit umgeht. Wir sind auch nur Menschen, aber wir arbeiten daran.

Frage: Wie weit geht es für den FC Bayern in dieser Verfassung in der Champions League?

Müller: Wir wollen, dass es ganz weit geht. Es kann überall hingehen. Aber jetzt geht’s nach Hause!

Aus München berichtet Maximilian Lotz