Hannover - Jahrelang hätte Thomas Müller nach seinem 13. Saisontreffer jeglichen Versuch einstellen können, aufs Tor zu schießen. Vier Mal in den vergangenen fünf Jahren, zuletzt drei Mal in Folge, trug sich der Stürmer des FC Bayern München mit 13 Treffern in die Torschützenliste ein.

Gut, dass er es nach seinem 13. Saisontreffer zum 1:0 gegen Hertha BSC (Endstand 2:0) am 14. Spieltag nicht getan hat. Zwar traf er danach erstmals seit dem achten Spieltag zwei Mal in Folge nicht, doch beim 1:0 gegen Hannover 96 nahm er sich jetzt selbstbewusst den Ball, legte ihn zum Elfmeter zurecht, schaute seinen Nationalmannschafts-Kollegen Ron-Robert Zieler bis zuletzt aus und schob den Ball locker ein.

1:0 - Thomas Müller! Bereits zum fünften Mal brachte er seine Elf mit 1:0 in Führung. Das gelang keinem anderen Spieler in der Vorrunde. Es war Müllers 14. Saisontreffer und damit persönlicher Bundesliga-Rekord. "Ist doch super. So kann's weitergehen", freute sich der 26-Jährige, als er in der Mixed Zone auf seine Rekordmarke schon zur Winterpause angesprochen wurde.

Müller-Tore garantieren Punkte

Wenn Müller trifft, verliert der FC Bayern nicht. 67 Liga-Spiele in Folge (64 Siege, drei Remis) bedeuten Rekord in der Bundesliga-Historie. Dortmunds Michael Zorc blieb von 1988 bis 1996 in 66 Spielen unbesiegt, wenn er getroffen hatte.

Insgesamt hat der Weltmeister seit seinem Debüt im Alter von 18 Jahren am ersten Spieltag der Saison 2009/10 (elf Minuten beim 2:2 gegen den Hamburger SV) in 214 Partien ebenso viele Liga-Tore erzielt wie einst Lothar Matthäus. Der Weltfußballer benötigte allerdings 302 Spiele für die 85 Treffer.

Müller kann noch vier Bayern-Stars verdrängen

Beide teilen sich Rang neun in der Ewigen Torschützenliste des Rekordmeisters. Trifft Müller weiter wie bisher würde er bis Saisonende an Uli Hoeneß (86 Tore), Mehmet Scholl und Claudio Pizarro (beide 87) sowie Giovane Elber (92) vorbei auf Rang fünf vorrutschen.

Viele hatten dem 26-Jährigen zu Beginn seiner Karriere zugetraut, noch weit häufiger ins Schwarze zu treffen. Am fünften Spieltag der Saison 2009/10 traf der zur Pause eingewechselte Müller beim 5:1 in Dortmund ebenso doppelt wie drei Tage später bei seinem Startelf-Debüt in der Champions League (3:0 bei Maccabi Haifa). Erinnerungen an einen andern Müller wurden wach. Thomas-Müller-Vorbild Gerd Müller hatte in 427 Bundesliga-Spielen 365 Mal für die Bayern getroffen, Doch für Müller zwei ging es nicht ganz so torreich weiter. Es wurde die erste der vier Spielzeiten mit 13 Treffern. Dafür wurde er 2010 Torschützenkönig der Weltmeisterschaft und hat bis heute zehn WM-Tore erzielt.

Korb für Entdecker

Neben seinen spielerischen Qualitäten trifft der Champions-League-Gewinner jetzt auch noch scheinbar nach Belieben. Kein Wunder, dass die Großen Europas sich um Müller reißen. Entdecker und Förderer Louis van Gaal möchte sich lieber heute als morgen mit seinem Lieblingsspieler in Manchester wieder vereinen.

Doch die bayrische Integrationsfigur gibt van Gaal, dem Mann, der ihn zum Stammspieler beim FCB machte, ebenso wie allen anderen Interessenten einen Korb. Der Urbayer, seit 2000 im Club, verlängerte, sehr zur Freude der Fans, kurz vor Weihnachten seinen Vertrag bis 2021. Eine Rückrunde und fünf Spielzeiten Zeit, die Torquote zu verbessern. Dann ist Müller 31 - Verlängerung nicht ausgeschlossen.

Auch wenn die 365 Treffer des "Bombers der Nation" für Namensvetter Müller kaum zu knacken sein dürften, der Sprung auf Rang drei vor Dieter Hoeneß (102) und Roland Wohlfahrt (119) dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Und vielleicht langt es am Ende nach einer erfolgreichen Zeit mit dem FC Bayern sogar, den Chef von Platz zwei der clubintenen Liste zu verdrängen. Den belegt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge mit 162 Treffern. Müller wird's versuchen.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs