München - Für ein vorgezogenes Geschenk sorgte Thomas Müller selbst. Einen Tag vor seinem 26. Geburtstag übernahm der Torjäger des FC Bayern München in der 90. Minute die Verantwortung und drosch den Ball vom Elfmeterpunkt unhaltbar zum 2:1-Siegtreffer gegen den FC Augsburg ins Netz.

Der Lohn: Saisontor Nummer sechs und Platz eins im Torjäger-Ranking. Aber auch seine Bayern hielten sich mit dem vierten Sieg im vierten Spiel weiter schadlos und liegen in der Tabelle nur aufgrund der etwas schlechteren Tordifferenz auf Platz zwei.

Lewandowski und Müller machen den Unterschied

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Trotz der einmal mehr großen Dominanz im Mittelfeld machten gegen die kompakt und gut verteidigenden Augsburger am Ende mal wieder die Stürmer den Unterschied zugunsten des Rekordmeisters. Zunächst gelang Robert Lewandowski auf Vorlage von Sturmpartner Müller sein drittes Saisontor. Zudem traf er in seinem neunten Bundesligaspiel gegen den FCA zum neunten Mal. Kurz vor Schluss versenkte Müller seinen 19. von 21 Pflichtspiel-Elfmetern für die Bayern im Tor.

Nicht zum ersten Mal war in der noch jungen Saison das Duo der Schlüssel zum Erfolg der Bayern: In Hoffenheim glich Müller aus und Lewandowski schoss das 2:1-Siegtor und gegen Leverkusen brachte Müller die Bayern in Führung. Insgesamt zeichneten die beiden für 75 Prozent der bisherigen Saisontore (neun von zwölf) verantwortlich.

Gegen Augsburg ging von Lewandowski (acht Torschüsse) und Müller (sieben) die meiste Torgefahr aus, doch der Lohn folgte erst spät. "Uns wäre es schon recht gewesen, wenn wir ein bisschen früher ein Tor erzielt hätten", sagte Matchwinner Müller, der in dieser Saison durchschnittlich alle 60 Minuten einnetzt.

"Haben den Sieg verdient"

Im Interview analysierte der Toptorjäger das Zustandekommen des Arbeitssiegs gegen Augsburg, sprach über das Duell mit Borussia Dortmund an der Tabellenspitze und blickte bereits auf die kommende Aufgabe in der Champions League.

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Frage: Der FC Bayern hatte mit 80 Prozent Ballbesitz und am Ende 27:4-Torschüssen ein klares Übergewicht zu verzeichnen, dennoch war es bis zum Schluss spannend. Wie ist es zu erklären, dass es trotz dieser Überlegenheit ein echter Arbeitssieg wurde?

Thomas Müller: Wir haben in der ersten Halbzeit mit der ersten Aktion von Augsburg das Gegentor bekommen. Wir hatten in der ersten Halbzeit das Problem, dass wir insgesamt ein bis zwei Sekunden zu lange gebraucht haben. Wir haben mit dem Ball vielleicht einen Tick zu schläfrig gespielt. Auf diesem Niveau im Meisterschaftskampf können wir uns das nicht erlauben. Wir bringen uns selbst in Bedrängnis, aber das müsste eigentlich nicht sein. Das ist nur eine mentale Geschichte.

Frage: Was war in der zweiten Hälfte anders?

Müller: In der zweiten Halbzeit haben wir von der Spielanlage her ähnlich gespielt, aber doch mit einer anderen Körpersprache. Es steht außer Frage, dass wir den Sieg verdient haben. Dazu muss man nur das Spiel gesehen haben. Wir haben uns viele Chancen herausgearbeitet, leider nicht so viele verwertet. Uns wäre es schon recht gewesen, wenn wir ein bisschen früher ein Tor erzielt hätten.

"Dortmund ist Meisterschaftskandidat"

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Frage: Wie haben Sie die Situation rund um den entscheidenden Elfmeter kurz vor Schluss gesehen?

Müller: Douglas Costa macht einen guten Haken und könnte rechts vorbeigehen. Markus Feulner bewegt sich nicht viel in seine Richtung, aber er blockiert ihn schon. Ich denke, es war ein Kontakt da. Wenn es in der 90. Minute einen Elfmeter gibt, wird immer heiß diskutiert. Der Elfmeter hat mir eine Drucksituation beschert, in der 90. Minute einen Elfmeter zum 2:1, da kribbelt es auch einem erfahrenen Spieler wie mir im Bauch.

Frage: Augsburgs Keeper Marwin Hitz hat vor der Ausführung versucht, Sie zu irritieren. Was hat er zu Ihnen gesagt?

Müller: Wir kennen uns ja schon länger. Wir haben uns nur noch mal kurz ausgetauscht. Er wollte wissen, wohin ich schieße und ich habe es ihm gesagt.

Frage: Nach den ersten vier Spieltagen liegt der FC Bayern München mit zwölf Zählern punktgleich hinter Borussia Dortmund auf Platz zwei. Alles läuft auf das Duell der alten Rivalen hinaus, das es im letzten Jahr nicht gab. Haben Sie das so erwartet?

Müller: Das ist nichts Verrücktes. Dortmund kam für mich schon vor der Saison als Meisterschaftskandidat in Frage. Die Mannschaft hat sich nicht verändert, sie hatte nur in der letzten Saison ein verrücktes erstes Halbjahr.

Frage: Welche Rolle spielt dabei der neue Trainer Thomas Tuchel?

Müller: Mit einem neuen Trainer kommen immer neuer Schwung und neue Impulse rein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den Dortmundern in den letzten drei Jahren Spaß gemacht hat, so deutlich hinter uns gewesen zu sein. Sie wollen jetzt natürlich wieder attackieren. Das ist schön für die Bundesliga. Aber für uns ist es ein bisschen unentspannter, weil wir einen sehr aggressiven Konkurrenten haben. Das macht aber auch den Reiz aus.

Frage: Wie wichtig war der Sieg auch im Hinblick auf den Auftakt in der Champions League bei Olympiacos Piräus am Mittwoch?

Müller: Dadurch haben wir in den nächsten drei Tagen etwas mehr Ruhe, als wenn wir unentschieden gespielt hätten. Im Endeffekt geht es darum, dass wir das Auftaktspiel in Piräus gewinnen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz