Köln - Die Bundesliga geht in ihre heiße Phase, die letzten fünf Spieltage der Saison 2014/15 stehen an. Aber wer wird Deutscher Meister, wer kommt in Champions und Europa League und wer steigt ab? bundesliga.de hat Ex-Spieler und -Trainer an den Tabellenrechner gebeten - und deren persönliche Tipps eingefangen.

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Weltmeister Thomas Berthold ist sich sicher, dass sein Ex-Club VfB Stuttgart den Klassenerhalt schafft. Vor allem, weil die Schwaben den Abstiegskampf voll angenommen haben. Dem Hamburger SV traut der 63-fache Nationalspieler hingegen wenig zu. Alle Tipps von Thomas Berthold finden Sie oben in der Bildergalerie zum durchklicken.

"Nur auf 0:0 spielen funktioniert nicht"

bundesliga.de: Herr Berthold, wer sind für Sie die drei größten Abstiegskandidaten?

Thomas Berthold: Der SC Paderborn und der Hamburger SV steigen direkt ab, der SC Freiburg geht in die Relegation. Stuttgart hingegen schafft den Klassenerhalt direkt.

bundesliga.de: Wieso glauben Sie, dass sich der HSV nicht wie im Vorjahr noch retten kann?

Berthold: Im Abstiegskampf darf man sich nicht so viel mit negativen Dingen beschäftigen. Man muss diszipliniert spielen und möglichst wenig Fehler machen. Aber man darf auch nicht nur auf 0:0 spielen, das funktioniert nicht. Das hat man beim HSV zuletzt gesehen. Alle Mannschaften sind gut beraten, nach vorne zu spielen - doch der HSV kann das einfach nicht.

bundesliga.de: 16 Tore in 29 Spielen sind keine berauschende Quote. Wieso trifft der HSV so selten?

Berthold:Ich denke, dass der Kader von der Qualität her falsch zusammengestellt ist. Hamburg hat ja schon seit längerer Zeit Probleme, Tore zu schießen. Zudem ist das eine leblose Truppe, die sich in ihr Schicksal ergeben hat. Wichtig wäre auch, dass mal Kontinuität beim HSV reinkommt. Auch auf der Trainerposition.

"Halte von einem so späten Trainerwechsel nichts"

bundesliga.de: Da hat der HSV genauso wie Hannover 96 gerade noch einmal einen Wechsel vorgenommen. Die richtige Maßnahme?

Berthold: Ich halte von einem Trainingswechsel zu einem so späten Zeitpunkt nichts. Ein Trainer braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit. Er kennt die Mannschaft ja nur aus der Distanz, aber er kennt die Persönlichkeiten der Spieler nicht. Da muss er sich normalerweise mindestens zehn Tage ein persönliches Bild machen. Viel experimentieren kann er auch nicht. Das Risiko bei einem so späten Wechsel ist sehr, sehr groß. Aus meiner Erfahrung werden im Fußball die schlimmsten Fehler in der größten Euphorie und der tiefsten Depression gemacht. Aber ein Patentrezept gibt es natürlich nicht.

bundesliga.de: Was könnte denn ein so später Trainerwechsel Positives bewirken?

Berthold: Das kann nur über die rein mentale Schiene gehen. Eine andere Ansprache, neue Reizpunkte, den Druck von den Spielern nehmen. Aber mal ehrlich: Welche Reizpunkte soll der Trainer denn jetzt noch setzen? Wenn man über Motivation reden muss, dann ist es ohnehin schon zu spät. Hannover zum Beispiel muss den Abstiegskampf ganz anders annehmen. Beim VfB Stuttgart haben die Spieler das kapiert.

"Der VfB hat das wohl leichteste Restprogramm"

bundesliga.de: Sie glauben an den direkten Klassenerhalt des VfB. Warum?

Berthold: Stuttgart hat zuletzt gut gespielt, auch gegen Wolfsburg haben sie sich gut verkauft. Die letzten beiden Heimspiele wurden gewonnen. Und da liegt auch der größte Vorteil. Der VfB spielt noch dreimal zuhause, dabei gegen die direkten Konkurrenten Freiburg und HSV, zudem Mainz, auch eine lösbare Aufgabe. Am letzten Spieltag geht es noch nach Paderborn. Stuttgart hat vielleicht das leichteste Restprogramm. Wichtig ist aber auch, dass man beim VfB im Umfeld ruhig geblieben ist. Ähnlich wie in Freiburg, wo immer Ruhe herrscht. Dort wussten alle von Anfang an Bescheid, wie die Saison laufen wird - und haben einen Riesenjob gemacht.

bundesliga.de: Sie tippen den Sport-Club aber auf den Relegationsplatz.

Berthold: Stimmt, aber in der Relegation haben die Bundesligisten einen klaren Vorteil, sie haben den besseren und ausgeglichener besetzten Kader. In den vergangenen Jahren haben sich die Clubs aus der Bundesliga deshalb auch fast immer gegen den Zweitligisten durchgesetzt.

Das Interview führte Tobias Schild