München - Den Schlussakkord überließ der Spieler des Spiels Thomas Müller. Zentral vor dem Tor hätte Thiago auch selbst abschließen können, doch er hatte noch das Auge für den Mitspieler. Eine Szene, die exemplarisch für die Stärken von Thiago steht, der in seiner neuen Rolle mehr und mehr zum unersetzlichen Herzstück der Offensive des FC Bayern München aufsteigt. Und dabei neue Qualitäten als Torjäger offenbar.

>>> Hol' Dir Thiago beim Bundesliga Fantasy Manager

Mit zwei Treffern und eben jener Vorlage zum 5:1-Endstand gegen den FC Arsenal avancierte Thiago bei der Bayern-Gala im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zum Matchwinner. Erstmals gelang dem Spanier in diesem Wettbewerb ein Doppelpack in einem Spiel, in den 32 Einsätzen zuvor brachte er es gerademal auf drei Tore.

Thiago bedankt sich für "unfassbare Vorarbeit"

Bei seinem ersten Treffer zum zwischenzeitlichen 3:1 gegen die Gunners profitierte er von der genialen Vorarbeit von Robert Lewandowski, der einen Pass von Xabi Alonso so elegant mit der Hacke weiterleitete, dass Thiago freistehend im Strafraum nur noch einschieben brauchte. "Die Vorarbeit war unfassbar, er ist der beste Mittelstürmer, den es gibt", schwärmte Thiago bei Sky. In der zweiten Halbzeit legten die Bayern mit drei Toren binnen elf Minuten den Grundstein für den deutlichen Erfolg und können bereits fürs Viertelfinale planen. "Wir mussten einen Gang zulegen, das haben wir getan", sagte Thiago in Bezug auf den 1:1-Pausenstand. "Dass das so stark war, konnte man nicht erwarten."

Diese Leistungsexplosion der Bayern gerade in den vorentscheidenden Minuten nach dem Seitenwechsel hatte auch viel mit ihm selbst zu tun. "Thiago war für mich der beste Mann auf dem Platz, nicht nur wegen seiner zwei Tore. Das war überragend, was er gemacht hat", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Schritt nach vorne - im doppelten Sinne

In der Jugend des FC Barcelona von Pep Guardiola gefördert und 2013 vom damaligen Bayern-Trainer nach München gelotst, hat Thiago in seiner ersten Saison ohne seinen langjährigen Mentor in seiner persönlichen Entwicklung noch mal einen Schritt nach vorne gemacht. Und das auch im wortwörtlichen Sinne auf dem Platz. In der zuletzt von Carlo Ancelotti bevorzugten 4-2-3-1-Grundordnung agiert der Mann mit der Rückennummer 6 als klassischer Zehner. Beim 3:0-Sieg im Spitzenspiel gegen RB Leipzig glänzte Thiago in dieser Funktion mit einem Tor und einer Vorlage, gegen Arsenal gelang ihm sogar noch ein Tor mehr.

Video: Thiago - ein Magier am Ball

"Seine Leistung war hervorragend, er hat Tore geschossen, es war einfach perfekt", lobte Bayern-Coach Ancelotti seinen Offensivstar. "Wir haben ihn auf die Position zwischen den Linien gestellt.Diese Position ist für uns sehr wichtig." Als Taktgeber im defensiven Mittelfeld füllte Thiago bereits in der Vergangenheit eine tragende Rolle im Spiel der Bayern aus. Seine Spielintelligenz und seine Übersicht kommen in etwas offensiverer Funktion noch besser zur Geltung - vor allem weil seine Zuspiele in die Tiefe dort noch mehr Wirkung entfalten. "Wir brauchen ihn wegen seiner Kreativität und seiner Pässe zwischen die Linien. Er hat die Räume gut ausgenutzt", sagt Arjen Robben.

Bayern dank Thiago wieder variabler

Der Niederländer profitierte zuletzt beim 2:0-Sieg beim FC Ingolstadt von einem solch genialen Moment Thiagos, als dieser mit einem riskanten Pass durch vier Gegenspieler hindurch Robbens Treffer zum 2:0 initiierte. Wegen einer Muskelverletzung fehlte der 26-Jährige den Bayern in den Spielen zu Beginn des Jahres. Dass es nach den spielerisch dürftigen Leistungen nun seit Thiagos Rückkehr auch in dieser Kategorie bei den Bayern wieder aufwärts geht, ist sicherlich kein Zufall. Schließlich macht er das Offensivspiel des Rekordmeisters noch variabler. "Thiago ist eher der Typ Mittelfeldspieler, der den Ball gerne am Fuß hat und eher zu einem späteren Zeitpunkt in den Sechzehner stößt", beschreibt Philipp Lahm dessen Stärken als hängende Spitze.

Nicht zuletzt auch dank Thiago durfte sich der in den vergangenen Wochen nicht unbedingt vom Abschlussglück verfolgte Thomas Müller gegen Arsenal mal wieder über einen Torerfolg freuen. Er wolle nicht immer etwas sagen, sondern stattdessen den Abend "einfach genießen", rief Müller den Journalisten im Vorbeigehen zu. Matchwinner Thiago dürfte es verschmerzen können, dass Müller damit auch beim verbalen Schlussakkord knapp vorne lag.

Aus München berichtet Maximilian Lotz