Basel - Als Elfjähriger lief Marc-Andre ter Stegen an der Hand von Oliver Kahn auf den Rasen des Bökelbergs, neun Jahre später verspielte der Torwart mit einem historisch schlechten Länderspiel-Debüt unter den Augen des Titans seine EM-Teilnahme. "Natürlich bin ich enttäuscht. Dennoch waren die Tage im Kreis der Nationalmannschaft für mich eine interessante Erfahrung", sagte der geknickte Keeper von Borussia Mönchengladbach, der nach dem 3:5 (1:2) der deutschen Nationalmannschaft im vorletzten EM-Test in der Schweiz am Montag von Bundestrainer Joachim Löw aussortiert wurde.

Am Samstag hatte ter Stegen die meisten Gegentore eines Torwart-Debütanten seit 1954 kassiert. Damals unterlag die deutsche Mannschaft mit Heinrich Kwiatkowski zwischen den Pfosten 3:8 bei der WM gegen Ungarn. "Es war sicherlich nicht mein bester Tag. Wir haben fünf Gegentore bekommen, das tut schon weh. Ich habe auch meine Fehler gemacht. Und dass die zu Gegentoren führen, ist beim Torwartspiel nunmal so", kommentierte der 20-Jährige seine Leistung in Basel: "Ich habe es nicht extra gemacht, aber es passiert halt."

Zieler und Wiese sind Neuers Ersatzmänner



Obwohl ter Stegen nur den vierten Gegentreffer komplett auf seine Kappe nehmen musste und ansonsten von seinen indisponierten Vorderleuten im Stich gelassen wurde, war der Torwart keine Alternative mehr für die Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli). Die Gewinner des Spiels waren die Torhüter, die nicht spielten. Tim Wiese und Ron-Robert Zieler reisen nun als Ersatz für Manuel Neuer zur EM.

"Er muss den Kopf nicht hängen lassen. Er hat eine Riesensaison gespielt und hat unglaubliche Anlagen. Marc-Andre ter Stegen jetzt zu kritisieren, wäre völlig falsch. Er ist ein guter Torwart", sagte Löw, der dem 51. Debütanten in seiner Ära in Basel eigentlich die Chance geben wollte, sich für die EM zu empfehlen. Ein ähnlicher Versuch ging aber schon mit Zieler in die Hose. Der damals 50. Debütant unter Löw kassierte im November des vergangenen Jahres in der Ukraine (3:3) drei Treffer und hielt damit bis zum Samstag den negativen Kwiatkowski-Nachfolgerekord. Allerdings war Zieler dabei schuldlos geblieben und bot eine starke Leistung.

"Wünsche dem Team bei der EM viel Erfolg"



Neben Löw nahmen aber auch die Teamkollegen ter Stegen, der in 40 Partien in der Bundesliga nie mehr als zwei Tore kassiert hat, in Schutz. "Es ist eben so, dass ein Fehler des Torwarts sofort bestraft wird. Im Training sieht man aber, wie gut er ist", sagte der schwache Innenverteidiger Mats Hummels, der ter Stegen mit am meisten in Schwierigkeiten gebracht hatte. Lukas Podolski schlüpfte in die Rolle des Trösters: "Es ist natürlich bitter, wenn man im ersten Spiel fünf Tore bekommt. Jetzt muss er den Kopf wieder hochnehmen."

Ähnlich äußerte sich Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff über ter Stegen, der schon beim Teamausflug zum Formel-1-Rennen am Sonntag nach Monaco als einziger Spieler traurig umher geschaut hatte. "Es war ein schwieriges Spiel für ihn. Aber wir wissen alle, wie stark er ist und welche Qualitäten er hat", sagte Bierhoff.

Diese Qualitäten will ter Stegen nach der EM wieder einbringen. "Trotz der Niederlage gegen die Schweiz war mein Länderspiel-Debüt eine wichtige Station in meiner Karriere, und ich hoffe auch, dass ich bald wieder einmal eine Chance bekommen werde. Dem Team wünsche ich für die EM viel Erfolg", sagte der Keeper, für den die Schweiz einfach kein gutes Pflaster ist: "Wir haben schon 2009 mit der U17 bei der WM gegen die Schweiz verloren. Das war ganz bitter, mit 3:4 in der Verlängerung sind wir aus dem Turnier ausgeschieden - und die Schweiz wurde schließlich Weltmeister."