Mönchengladbach - Die Borussia aus Mönchengladbach spielt die wohl beste Saison ihrer jüngeren Vergangenheit. Großen Anteil daran hat gerade in der Rückrunde auch Linksverteidiger Oscar Wendt.

Mit bundesliga.de spricht der sympathische Schwede im ersten Teil exklusiv darüber, warum er nicht zum ersten Mal in der zweiten Saisonhälfte auftrumpft, über Borussias Kampf um Platz drei und über sein persönliches Paradies.

bundesliga.de: Herr Wendt, die Saison ist auf der Zielgeraden, für Borussia läuft es hervorragend...

Oscar Wendt: Das stimmt. Die Mannschaft spielt bisher eine hervorragende Runde.

bundesliga.de: ...und auch Sie persönlich sind in der Rückrunde immer besser ins Rollen gekommen...

Wendt: Ich glaube auch, dass ich in dieser Rückrunde ziemlich gut spiele. Allerdings dürfen wir nicht den Fehler machen, jetzt schon ein Fazit zu ziehen. Schließlich stehen noch fünf wichtige Spiele aus (Infografik: Das Restprogramm der Europa Kandidaten vor dem 30. Spieltag). Und ich möchte am Ende sagen können, dass wir die letzten fünf Spiele ebenso gute Leistungen ­­­zeigen wie in den zwölf Partien der Rückrunde zuvor.

bundesliga.de: Es ist nicht das erste Mal, dass Sie erst in der Rückrunde auftrumpfen und Stammspieler sind. Haben Sie eine Erklärung?

Wendt: Wenn ich das wüsste (lacht). Das würde für mich vieles einfacher machen. Es mag eine Rolle spielen, dass in der Hinrunde grundsätzlich mehr rotiert wurde, so dass ich damals nur jedes zweite Spiel zum Einsatz gekommen bin. Ich weiß, dass das jeder Spieler sagt - aber für mich ist es wohl wirklich besser, wenn ich in einen gewissen Rhythmus komme. Diesen Rhythmus brauche ich einfach für konstant gute Leistungen.

"In so einem Moment entlädt sich alles"

bundesliga.de: Beim 3:1 gegen Borussia Dortmund haben Sie das früheste Tor Ihrer Karriere geschossen und nach 27 Sekunden getroffen...

Wendt: Ein so frühes Tor ist mir vielleicht als Kind einmal gelungen, aber noch nie im Profi-Fußball. Das war ein tolles Gefühl, und beim Jubeln hat sich bei uns allen die ganze Enttäuschung über das Pokal-Aus gegen Bielefeld Bahn gebrochen. In so einem Moment entlädt sich alles. Ein wunderbarer Augenblick.

bundesliga.de: Das 0:0 am vergangenen Wochenende in Frankfurt hat Borussia zumindest vorübergehend Platz drei gekostet. War der Auftritt zu ängstlich für ein Team, das Platz drei halten möchte?

Wendt: Nein. Das sehe ich nicht so. Wir haben überhaupt nicht nach Leverkusen geschaut und darauf, was passiert, wenn Bayer gegen Hannover gewinnt, wir in Frankfurt aber nicht. Wir konzentrieren uns immer nur auf uns selbst und auf unsere Leistung. Sicherlich war die Partie bei der Eintracht nicht unser bestes Spiel in der Rückrunde. Trotzdem haben wir erneut zu null gespielt und einen Punkt geholt, bei einer Mannschaft, die vor allem offensiv sehr stark ist.

bundesliga.de: Glauben Sie noch an Platz drei?

Wendt: Warum nicht?! Ich denke, dass wir immer noch berechtigte Hoffnung haben dürfen. Die Qualität, das zu schaffen, hat die Mannschaft auf jeden Fall. Und wir haben es noch in der eigenen Hand. Denn am 32. Spieltag kommt Bayer Leverkusen in den Borussia Park. Aber wir wissen auch, dass nicht nur dieses Spiel eine sehr schwierige Aufgabe bedeutet. Schon an diesem Wochenende kommt mit Wolfsburg eines der Topteams der Liga zu uns, danach müssen wir nach Berlin. Und in den beiden letzten Partien geht es gegen Bremen und Augsburg, zwei Mannschaften, die beide noch die Europa League erreichen wollen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass wir bis zum 34. Spieltag die Chance auf diesen magischen dritten Platz haben (Sie sind gefragt! Wo landet die Borussia? Zum Tabellenrechner...)

"Im Borussia Park können wir jede Mannschaft schlagen"

bundesliga.de: Wäre Platz vier eine Enttäuschung?

Wendt: Nein. Unter den Top vier zu stehen ist eine herausragende Leistung.

bundesliga.de: Allerdings würde Platz vier bedeuten, dass man in der Champions League-Qualifikation auf Teams wie Manchester City, Valencia oder den AS Rom treffen könnte...

Wendt: Keine Frage, das wären dicke Brocken. Aber wir haben auch große Qualität, und im Borussia Park können wir jede Mannschaft schlagen.

bundesliga.de: Sie haben kürzlich gesagt, es sei "schwer einen anderen Platz im europäischen Fußball zu finden, an dem es alles gibt wie hier in Gladbach: das Stadion, die Fans, die Mannschaft"...

Wendt: Es ist meine aufrichtige Meinung, dass man als Profi-Fußballer nicht mehr verlangen kann als das, was die Borussia und die Bundesliga einem zu geben haben. Die Stadien sind herausragend, nahezu jedes Spiel ist ausverkauft. Im Borussia Park etwa spielt es überhaupt keine Rolle, ob wir am Samstagnachmittag gegen den Tabellenersten oder am Freitagabend gegen den Letzten spielen - das Stadion ist immer voll! Und auch auswärts erfahren wir große Unterstützung. Bei uns stimmt einfach alles, toller Trainer, super Mannschaft, hervorragendes Trainingsgelände! Borussia und die Bundesliga, das ist ein toller Ort, um Fußball zu spielen.

"Bundesliga gehört zu den besten"

bundesliga.de: Ist die Bundesliga die beste Liga der Welt?

Wendt: Es fällt schwer, das bis auf die letzte Stelle hinter dem Komma zu entscheiden. In einem Jahr ist vielleicht die Premier League vorne, im nächsten die Primera Division, dann die Bundesliga und danach wieder vielleicht England. Auf jeden Fall gehört die Bundesliga zu den besten.

bundesliga.de: Trotz Ihrer blendenden Leistungen spielen Sie aktuell in der schwedischen Nationalmannschaft keine Rolle...

Wendt:
Das stimmt. Natürlich würde ich sehr gerne wieder für Schweden spielen. Trotzdem mache ich mir über die Nationalmannschaft kaum Gedanken, sondern denke nur an Borussia. Wenn meine Leistungen hier stimmen, gibt es vielleicht demnächst mal wieder eine Chance. Wenn nicht, geht das Leben auch weiter! Und glauben Sie, mir mein Leben ist ein richtig gutes Leben!

bundesliga.de: Alles, was Sie sagen, lässt darauf schließen, dass Sie hier Ihr persönliches Paradies gefunden haben...

Wendt: Das stimmt. Meine Familie und ich fühlen uns extrem wohl bei Borussia. Das weiß hier auch jeder. Und wenn man demnächst mit mir über eine Vertragsverlängerung sprechen möchte, bin ich sofort da (Anm.d.Red.: Wendts Vertrag läuft noch bis 2016)!

Das Gespräch führte Andreas Kötter

Hier geht's zu Teil 2: Wendt spricht über seine große Leidenschaft für TV-Serien...