Köln - Wenn Hakan Calhanoglu sich den Ball zum Freistoß zurechtlegt, beginnen die Fans von Bayer 04 Leverkusen schon mit ihrem Torjubel. Denn egal ob aus 20 oder 45 Metern, für den 21-Jährigen ist jeder Freistoß praktisch wie ein Elfmeter. Keiner zwirbelt den ruhenden Ball häufiger und schöner ins Tor als der türkische Nationalspieler. Seinen nächsten Streich hat er schon geplant: im Spitzenspiel am Samstag beim FC Bayern München (ab 18 Uhr im Liveticker).

Mit seinen Zentimeter genau platzierten Freistößen hat sich der Mittelfeldstar der Werkself weit über die Bundesliga hinaus einen Namen gemacht, Torhüter in ganz Europa fürchten seine angeschnittenen Schüsse. Dabei kann der Zehner der Leverkusener weit mehr, wie auch Coach Roger Schmidt weiß: "Das Außergewöhnliche an Hakan ist, dass er nicht nur ein goldenes Füßchen hat, sondern auch unglaublich viel für die Mannschaft arbeitet." bundesliga.de hat zehn besondere Fakten über den Spielmacher zusammengetragen.

Die Anfänge

Geboren wurde Calhanoglu im Februar 1994 in Mannheim, wo er als Sohn türkischer Einwanderer aufwuchs. Die ersten Schritte auf dem Fußballplatz machte er bei den lokalen Vereinen 1. FC Turanspor Mannheim und Polizei SV Mannheim bevor er mit sieben Jahren zum ehemaligen Bundesligisten Waldhof Mannheim ging.

Aus Karlsruhe nach Hamburg und zurück

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Sein erster großer Förderer war Vater Huseyin, der schon früh mit seinem Sohn Zielschießen übte. "Mein Vater war wirklich verrückt. Er stand immer im Tor und wollte, dass wir die Pfosten und die Latte treffen. Egal, ob es geregnet hat, geschneit oder ob ein Gewitter tobte. Ihm war das völlig egal, Hauptsache, ich spiele Fußball", erklärt Calhanoglu. Mit 15 wechselte er dann zum Karlsruher SC, wo er bereits mit 18 Jahren debütierte und gleich in seiner ersten Saison auf 14 Spiele in der 2. Bundesliga kam. Im Sommer 2012 sicherte sich der HSV das Supertalent, lieh ihn aber gleich zurück an den KSC.

Der Durchbruch

Dort legte er eine phantastische Saison hin, erzielte in der 3. Liga in 36 Spielen 17 Tore und führte den KSC zum Wiederaufstieg. Nun zog es ihn endgültig an die Elbe, wo man sehnsüchtig auf einen genialen Spielmacher wartete. Calhanoglu übertraf die an ihn gestellten, hohen Erwartungen sogar, erzielte elf Tore - darunter ein spektakulärer Freistoß aus 40 Metern beim 3:0 gegen Dortmund. Und das für eine schwächelnde Hamburger Auswahl, die den Abstieg nur so gerade über die Relegation vermeiden konnte.

Champions League bei Bayer

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Nach nur einem Jahr war die Zeit beim Bundesliga-Dino aber schon wieder vorbei. Calhanoglu zog weiter nach Leverkusen, und hinein in die Champions League. Auch unter dem Bayer-Kreuz wusste er gleich zu überzeugen, traf bereits bei seinem dritten Bundesliga-Einsatz für die Werkself - per Freistoß - und erzielte in der Saison insgesamt acht Tore.

Geniale Freistöße

"Unglaublich", "genial", "perfekt" - Fans und Experten suchen ständig nach neuen Superlativen, um die Freistöße Calhanoglus zu beschreiben. Selbst international wird sein Name immer wieder aufgeführt, wenn es um die besten Freistoßschützen der Welt geht. In der Bundesliga ist er ohnehin der treffsicherste Spieler, wenn es um ruhende Bälle geht. In den vergangenen beiden Spielzeiten verwandelte er mehr direkte Freistöße als jeder andere Spieler in der Liga. Insgesamt hat er schon elf Bälle direkt verwandelt, in 67 Spielen. Im Schnitt haut Calhanoglu damit in jedem sechsten Spiel einen Freistoß rein. Der Brasilianer Diego, der zweitbeste Scharfschütze der vergangenen zehn Jahre, traf durchschnittlich alle 12,4 Partien.

Manuel Neuer bezwungen

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Für eines seiner persönlichen Highlights sorgte Calhanoglu im Mai 2015 beim 2:0 gegen den FC Bayern München - als er sogar Weltmeister-Keeper Manuel Neuer mit einem Freistoß überwand. "Wenn man gegen den besten Torwart der Welt trifft, freut man sich umso mehr. Danach weißt du, dass du jeden Torwart der Welt bezwingen kannst. Das ist für mich sehr wichtig", sagt er.

Vorbereiter

Aber natürlich kann der Türke weit mehr als nur Bälle ins Tor zirkeln. In Roger Schmidts offensivem Pressing ist er einer der aktivsten, macht schon vorne Druck auf den Gegner und erobert so viele Bälle in der gegnerischen Hälfte. Mit seinen genauen, klugen Pässen findet er zudem häufig die Lücken in der gegnerischen Abwehr und setzt die Stürmer ausgezeichnet ein. 13 Mal bereitete er so in den vergangenen beiden Jahren Tore seiner Mitspieler vor.

Nummer zehn

Die Zehn bezeichnet Calhanoglu als seine Glückszahl. Kein Wunder also, dass Leverkusen ihm die berühmte Nummer des Spielmachers gegeben hat. "In meiner ersten Saison in Karlsruhe hatte ich die Nummer 32 und habe kein Tor erzielt. In der darauf folgenden Saison bekam ich die 10 - und machte 17 Tore und 15 Assists. Diese Nummer ist mir wichtig, sie gibt mir ein gutes Gefühl", sagt er.

Silvesterparty

Viele vergleichen die Freistöße von Calhanoglu mit denen von Weltfußballer Cristiano Ronaldo. Den Star von Real Madrid traf der Leverkusener 2014 in Dubai bei einer Silvesterparty. Ebenfalls anwesend: Bayern-Stürmer und WM-Finaltorschütze Mario Götze, der ein Selfie mit Calhanoglu auf Instagram stellte.

Nationalspieler

Bereits mit 15 Jahren wurde Calhanoglu erstmals für die Jugendnationalmannschaft seines Landes nominiert. Seitdem hat er alle Nachwuchsteams von der U16 bis zur U21 durchlaufen. Mit der U20 nahm er an der U20-Weltmeisterschaften in seinem Heimatland teil und erzielte bei dem Turnier ein besonders schönes Freistoßtor. Seit 2013 ist er auch A-Nationalspieler, hat in neun Länderspielen schon drei Tore erzielt. Das Ziel: Teilnahme an der EM 2016.