Arjen Robben und Co. tanzten auf dem Rasen, das Prinzenpaar sprang auf der Tribüne ausgelassen auf und ab: Nach dem ersten Finaleinzug bei einer WM seit 32 Jahren wurde das Green-Point-Stadion von Kapstadt zur orangefarbenen Hüpfburg.

Doch die Party nach dem 3:2 (1:1)-Sieg gegen Uruguay soll höchstens eine Zwischenfeier gewesen sein. "Das ist eine einmalige und meine letzte Chance auf den Titel, sowas kommt nie wieder. Wir müssen und werden jetzt auch Weltmeister werden", sagte "Oranje"-Star Mark van Bommel.

Das richtige Gefühl für den Titel

Eine erste Trophäe hatte sich der Kapitän von Bayern München nach Spielschluss geschnappt: Den Spielball. "Ich bin glücklich wie ein kleines Kind. Was willst du mehr?", sagte er - und verlegte die Sause in Oranje vom Rasen in die Kabine. Dort gratulierten Kronprinz Willem-Alexander und Prinzessin Maxima den Helden, die es am Sonntag in Johannesburg gegen Europameister Spanien (1:0 gegen Deutschland) noch besser machen wollen als "König" Johan Cruyff 1974 in Deutschland und dessen Erben vier Jahre später in Argentinien mit den Vize-"Titeln".

"Davon habe ich als Junge geträumt. Wir müssen nun konzentriert bleiben. Denn wir wollen jetzt den Pokal", sagte Bayern-Profi Arjen Robben. Dass es so kommen wird, stand zumindest für Joris Mathijsen schon fest. "Wir haben das Gefühl für Niederlagen verloren, glauben nicht mehr, dass wir verlieren können. Mit diesem Gefühl wird man Weltmeister", sagte der Hamburger nach dem zehnten Erfolg in Serie.

"Noch nicht am Ziel"

Seit 25 Spielen oder 22 Monaten ist die "Elftal" unbesiegt. "Wir haben schon etwas erreicht. Es ist schwer zu verstehen, dass ein so kleines Land im WM-Finale steht - nach 32 Jahren! Daran habe ich auf der Bank in den letzten Minuten gedacht", sagte Bondscoach Bert van Marwijk. Doch auch der Vater des Erfolges ist noch nicht zufrieden: "Wir sind noch nicht am Ziel, es ist noch ein Spiel, noch ein Sieg."

Diese Gier trug die "Elftal" durch das Turnier in Südafrika - und durch das Halbfinale. Weil Robben und Wesley Sneijder zunächst nicht wie gewohnt zauberten, nagelte eben Kapitän Giovanni van Bronckhorst im vorletzten Spiel seiner Laufbahn den Ball ins Tor (18.). Nach dem Ausgleich durch Diego Forlan (41.) drohte das Spiel zu kippen, doch dann drehte Sneijder doch noch auf und erzielte sein fünftes WM-Tor (70.). Robben machte per Kopf alles klar (73.), der Anschluss durch Maxi Pereira (90.+2) half den tapferen "Urus" nicht mehr.

"Mein Tor war sehr wichtig, da begannen wir zu schweben", sagte "Gio" über seinen Hammer in den rechten, oberen Torwinkel. Und auch er träumt vom Happy End. "Es ist ein Jungentraum, im letzten Spiel der Karriere Weltmeister zu werden. Wir waren schon zwei Mal Zweiter, hoffentlich werden wir jetzt endlich einmal Erster. " Alle sprachen sie von der "einmaligen Chance", und Sneijder betonte: "Jetzt müssen wir es schaffen. Nur noch ein Sieg - und wir sind am Ziel."

"Stürmen mit zehn Mann"

Van Marwijk hatte dieses Ziel schon von Beginn seiner Amtszeit im Sommer 2008 vor Augen - und wurde dafür in der Heimat belächelt. Die "Elftal" gewinnt nichts, zumindest nicht bei einer WM, das schien für alle Zeiten klar. "Aber wir haben den Glauben daran gelebt. Ich habe es oft erlebt, dass kleinere Teams große Mannschaften schlagen. 2002 hatte Feyenoord nicht die besseren Spieler, aber gegen Borussia Dortmund das bessere Team - und gewann den UEFA-Cup", sagte er.

Der Begriff "Team" fiel in dieser Nacht verdächtig oft. "Unsere größte Stärke ist, dass wir eine Mannschaft sind", sagte Robben, und Rafael van der Vaart, dessen Einwechslung in der 46. Minute für den angeschlagenen Demy de Zeeuw mitentscheidend war, ergänzte: "Wir verteidigen als Team und stürmen mit zehn Mann. Immer zusammen. Und wir wissen, dass wir immer Tore schießen." Bisher zwölf.

Die Arroganz ausgetrieben

Es ist van Marwijks Verdienst, aus einer Mannschaft, die über Jahrzehnte für Grüppchenbildung und divenhaftes Verhalten verrufen war, eine Einheit zu formen. "Ich alleine kann eine Kultur nicht ändern", hatte er vor dem Halbfinale gesagt - doch er hat es getan. "Wir haben eine Mentalität geschaffen, nicht zu selbstgefällig zu sein", sagte er nun. Van Marwijk hat die Arroganz ausgetrieben, die Cruyff und Co. 1974 zum Verhängnis geworden ist.

"Das war eine Teamleistung. Ich betone das Wort nochmal: Team", sagte van Marwijk. Dirk Kuyt, den der Coach als "die Personifizierung eines Teamplayers" lobte, betonte: "In dieser Mannschaft gibt's auch viele Egos. Aber wir geben uns Raum und akzeptieren uns mit unseren jeweiligen Qualitäten und Unzulänglichkeiten. Darum harmonieren wir als Gruppe, obwohl wir hier schon einen Monat sitzen."

Und am 11. Juli, daran glauben sie fest, sitzen sie da mit dem WM-Pokal. Alle zusammen. Gemeinsam.