Sinsheim - Raul Bobadilla hat keinen schlechten Orientierungssinn, er wollte nur etwas loswerden. Genau deshalb rannte er nach seinem Führungstreffer (12.) nicht etwa zu den 4.000 Gladbacher Fans im Gästebereich, sondern schnurstracks vor den Stehblock der Hoffenheimer Sympathisanten.

Dort nämlich stand die entscheidende Fernsehkamera, vor der der Argentinier völlig enthemmt auf das Vereinswappen überm Brustkorb hämmerte und Kusshändchen in Richtung Rheinland schickte.

Gladbach hadert mit dem Schicksal

Zu diesem Zeitpunkt konnte er auch noch nicht wissen, dass sein Team das Spiel mit zwei Mann weniger und der Gegner mit drei Punkten mehr beenden würde. Die Borussia bleibt auf der Suche nach der Konstanz und haderte nach dem Schlusspfiff einmal mehr mit dem Schicksal. Mal wieder hatte man gut begonnen, war eine Halbzeit lang die klar bessere Mannschaft. Und mal wieder stand man am Ende mit leeren Händen da.

"Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gezeigt, in der wir den Offensivverbund von Hoffenheim gut in Schach gehalten und nur eine Chance zugelassen haben", analysierte Trainer Michael Frontzeck treffend. "Dann haben wir uns auskontern lassen. Wir selbst haben viel dazu beigetragen, dass wir das Spiel nicht gewinnen konnten."

Hochkonzentrierte erste Halbzeit

In der Tat: Die Rote Karte, die sich Juan Arango nach einem Tritt in den Unterleib von Sead Salihovic einhandelte, brachte die Borussia endgültig auf die Verliererstraße - dass Sebastian Schachten dann nach einer Notbremse auch noch gehen musste, kam erschwerend hinzu: "Mit am Ende acht Mann wurde es kompliziert", sagte Frontzeck, "Hoffenheim hat das gut genutzt und am Ende verdient gewonnen."

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass das Team eigentlich zu stark ist, um in den Abstiegsregionen vor sich hin zu vegetieren. Gegen eine Hoffenheimer Mannschaft, die augenscheinlich nicht mit einem solch energischen Gegner gerechnet hatte, hatte die Borussia eine hochkonzentrierte erste Hälfte abgeliefert. Die verdatterten Hoffenheimer wurden konsequent gedoppelt, Thorben Marx und vor allem Michael Bradley, die im defensiven Mittelfeld in dieser Spielzeit auch schon zuweilen zurecht gescholten wurden, räumten ab, was abzuräumen war. Und auch vorne wurde es immer wieder gefährlich.

Müssen die Suppe gemeinsam auslöffeln"

Kurzum: Die erste Halbzeit der Borussia war so gut, dass die einheimischen Fans ziemlich ungehalten wurden und ihr Team mit lauten Pfiffen in die Halbzeit schickten. Dass aber jede noch so gute Halbzeit zum Muster ohne Wert wird, wenn Unbeherrschtheiten den Gesaamterfolg zunichte machen, weiß auch Michael Frontzeck, der nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit das Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag beklagt: "Für die Leistung, die wir bisher in dieser Saison gezeigt haben, haben wir zu wenig Punkte. Es wird eine komplizierte Spielzeit, weil es in der Liga so eng zugeht."

Abwehrmann Tobias Levels zwang sich hingegen, das Positive in den Vordergrund zu rücken: "Dass die Moral intakt ist, hat man gesehen, dass wir in doppelter Unterzahl auf 2:3 verkürzt haben." Und traf damit den Tenor, den auch der Sportdirektor vorgab: "Durch die zwei Roten Karten fehlen nun zwei weitere Spieler, aber wir haben einen großen Kader, dem wir vertrauen", sagte Max Eberl. "Die Jungs, die zuletzt hinten dran waren, können nun gegen Werder Bremen zeigen, wie gut sie sind. Wir müssen jetzt die Suppe, die wir uns eingebrockt haben, gemeinsam wieder auslöffeln."

Aus Sinsheim berichtet Christoph Ruf