Dortmund/Hamburg - Vor neun Jahren feierte Alexander Klaws seine persönliche Meisterschaft: 2003 war er erster Sieger der TV-Show "Deutschland sucht den Superstar". Seit über zwei Jahren spielt der bekennende BVB-Fan nun die Hauptrolle im Disney-Musical "Tarzan" am Theater Neue Flora in Hamburg. Wegen des großen Erfolgs wurde sein Vertrag dort bis Mai 2013 verlängert.

Die Liebe zur Borussia hat beim gebürtigen Münsterländer aber auch in der Hansestadt nicht nachgelassen, wie er im Interview mit bundesliga.de klar macht. Ein Gespräch über schwarz-gelbe Bettwäsche, die Freundschaft zu Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl - und die Gemeinsamkeiten von Tarzan und der Borussia.

bundesliga.de: Herr Klaws, wann haben Sie Ihre Liebe zur Borussia entdeckt?

Alexander Klaws: Ich bin BVB-Fan, seit ich denken kann. Ich fand die Dortmunder als Junge schon toll und war mit zwölf dann zum ersten Mal im Westfalenstadion gegen Bochum. Wer diese Atmosphäre selbst erlebt hat, der ist davon gefangen und kann nur Borussen-Fan werden.

bundesliga.de: Wie weit ging denn Ihre Fanliebe? Haben Sie in BVB-Bettwäsche geschlafen?

Klaws: Meine Patentante hat mich tatkräftig unterstützt. Ich hatte einen BVB-Wecker, BVB-Bettwäsche - ich war wirklich ein richtiger Fan und das hat man auch meinem Zimmer angemerkt. Aber als die Zeit kam, dass man auch mal Mädchen mit nach Hause bringt, hat sich das mit der Bettwäsche relativ schnell erledigt.

bundesliga.de: Waren Sie häufig bei Spielen im Stadion?

Klaws: Meine Kumpel und ich haben uns öfter in den Zug gesetzt und sind von meiner Heimat Sendenhorst nach Dortmund gefahren. Das waren zum Teil wirklich wilde Wochenenden.

bundesliga.de: Sie durften ja auch schon einige BVB-Spieler persönlich kennenlernen...

Klaws: Ich hatte das große Glück, dass ich kurz nach meiner DSDS-Zeit im Signal Iduna Park gedreht habe. Dabei habe ich unter anderem Stadionsprecher Nobby Dickel und Sebastian Kehl getroffen. Seither habe ich immer mal wieder Kontakt und bin mit Sebastian befreundet. Als ich Anfang des Jahres in der Westfalenhalle auf Tour war, haben er, Moritz Leitner und Toni da Silva die Show besucht. Das war für mich natürlich etwas Besonderes.

bundesliga.de: Als Sänger und Darsteller sind Sie oft sehr eingespannt. Wie verfolgen Sie die Spiele des BVB?

Klaws: Das ist leider schon etwas eingeschränkt, vor allem seit meinem Engagement als Tarzan, zudem kommt bald meine neue Single heraus. Mein letztes Spiel im Stadion war der Champions-League-Auftritt gegen Piräus in der letzten Saison. Ich hoffe, ich schaffe es demnächst zu einem der Spiele gegen Real oder Manchester. Wenn mein Vertrag als Tarzan im nächsten Jahr ausläuft und sich andeutet, dass ich auch mal wieder etwas anderes mache, dann möchte ich definitiv auch wieder öfter im Stadion sein. Bis dahin muss es so gehen - auch das Derby ist schon im Recorder programmiert, das werde ich dann in der Wiederholung anschauen.

bundesliga.de: Sind Sie schon im Derby-Fieber? Wie geht's aus?

Klaws: Das Spiel hat immer einen besonderen Reiz und es gab schon einige legendäre Derbys. Ich habe auch viele Freunde, die Schalke-Fans sind. Da ist es ganz klar, dass wir uns gegenseitig aufziehen - je nach Spielausgang habe ich nach einem Derby ein halbes Jahr lang Ruhe oder meine Freunde gehen mir ordentlich auf die Nerven. Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Schalker eine Chance haben gegen die Borussia. Ich tippe auf einen 2:0-Erfolg - mindestens. Und ich würde mich freuen, wenn Sebastian (Kehl, Anm. d. Red.) mal wieder ein Tor macht.

bundesliga.de: Roman Weidenfeller hat zuletzt gelobt, was in Gelsenkirchen heranwächst. Sie sehen die Schalker aber noch nicht auf Augenhöhe?

Klaws: Schalke hat auch eine wahnsinnig gute Mannschaft mit vielen guten Einzelspielern. Aber ein paar Dinge sind momentan noch nicht so stimmig, wie man bei den Unentschieden gegen Montpellier oder Düsseldorf gesehen hat. Und Klaas-Jan Huntelaar hat auch noch nicht so oft getroffen wie in der vergangenen Saison. Ich hoffe nicht, dass ausgerechnet gegen den BVB bei ihm der Knoten platzt. Danach können sie aber natürlich gerne alle Gas geben... (lacht). Gute Spiele und viele erfolgreiche Teams machen die Bundesliga doch spannend.

bundesliga.de: Was trauen Sie der Borussia in dieser Saison national und international zu?

Klaws: Nach zwei Meisterschaften sind die Erwartungen natürlich gestiegen. In der Champions League macht der BVB in dieser Saison eine super Figur. Das Team sammelt immer mehr Erfahrung, und selbst die dritte Meisterschaft in Serie habe ich noch nicht abgeschrieben. Ich glaube nicht, dass die Bayern weiter so durchmarschieren werden. Generell ist es - nach einigen Jahren, in denen man Qualen durchleiden musste - dieser Tage einfach ein Genuss, den Jungs zuzuschauen. Selbst, wenn sie mal nicht gewinnen, spielen sie zumeist richtig geilen Fußball. Jürgen Klopp hat ganz, ganz großen Anteil an diesem Aufschwung. Ich glaube, eines Tages wird er Bundestrainer. Aber ich hoffe aus BVB-Sicht, dass dies noch ein paar Jahre dauern wird.

bundesliga.de: Und wie sehen Ihre Pläne aus? Was kommt nach "Tarzan"?

Klaws: Ich stehe quasi auch schon in den Startlöchern für mein sechstes Album. Zudem werde ich Ende des Jahres eine kleine Solo-Tournee unternehmen. Dabei werde ich zum ersten Mal auch meine Freundin Nadja Scheiwiller mit auf der Bühne haben. Dazu gibt es für das kommende Jahr auch ein paar Ideen Richtung Schauspielerei, aber das steht alles noch in den Sternen. Was auch immer nach Tarzan kommen mag, es ist bestimmt erst einmal so etwas wie Urlaub. Denn es ist sicher die härteste Rolle, die man im Musicalbereich im Moment spielen kann.

bundesliga.de: Die Rolle ist also mit einem Leistungssport wie Fußball vergleichbar? Sie selbst waren in Jugendjahren ja auch als Rechtsaußen aktiv.

Klaws: Diese Rolle ist definitiv Leistungssport mit Akrobatik, Flugshow, Affenbewegungen. Das verlangt einem alles ab. Ich spiele den Tarzan fünf Mal in der Woche, gehe zusätzlich ins Fitnessstudio und muss meinen Körper auch regenerieren. So fit wie zurzeit war ich noch nie.

bundesliga.de: Was kann der BVB von Tarzan noch lernen?

Klaws: Ich denke zumindest, dass beide vieles gemeinsam haben. Beide sind jung, stellen sich ohne viel Respekt auch großen Gegnern - und kämpfen mit viel Herz für ihre Ziele.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte