Nach dem torlosen Remis gegen den FC Bayern München am 22. Spieltag hofften die Fans von Werder Bremen auf eine Wende. Immerhin wurde der Punkt in Unterzahl festgehalten. Doch was folgte, war eine erneute Nullnummer bei 1899 Hoffenheim.

Das Problem der Bremer ist mit einem Blick auf die beiden Ergebnisse offenkundig: Ihre Angriffsmaschine stottert gewaltig. Lediglich drei Treffer haben die "Grün-Weißen" in den sechs Begegnungen der Rückrunde erzielt. Und die Hanseaten warten noch immer auf den ersten Bundesliga-Sieg in diesem Jahr.

Im UEFA-Pokal unter der Woche gegen St. Etienne reichte es immerhin zu einem 1:0 - ein 3:0 wäre aber durchaus möglich gewesen. Diese Partie soll nun allerdings endgültig die Wende gebracht haben.

Schaaf bleibt ruhig

Werder-Trainer Thomas Schaaf bleibt vor dem Bundesliga-Hit gegen den VfB Stuttgart (So., ab 16:30 Uhr im Live-Ticker) aber gewohnt kühl. "Das was jetzt ansteht, wollen wir bestens bewältigen. Wir wollen gute Leistungen gepaart mit guten Ergebnissen liefern", erklärt Schaaf.

Dieses Ansinnen muss Bremen aber ohne wichtige Spieler angehen. Naldo (Rot-Sperre) und Daniel Jensen (Nasenbeinbruch) werden definitiv ausfallen. Ebenso nicht dabei sein kann Per Mertesacker (Erkältung). Mesut Özil hingegen hat seine Kapselverletzung im Knie auskuriert und steht wieder zur Verfügung.

Babbel muss improvisieren

Beim VfB Stuttgart werden Erinnerungen an das Saisonfinale 2006/07 wach, als die Schwaben durch einen erfolgreichen Schlussspurt mit acht Siegen in Serie die Deutsche Meisterschaft bejubeln durften. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg, aber mit neun Spielen in Folge ohne Niederlage - davon sechs Siege - hat der VfB den Anschluss an die Spitzengruppe hergestellt.

Kein Wunder, dass Erfolgstrainer Markus Babbel nun auch Höheres anstrebt: "Natürlich will ich in die Champions League. Wir haben vor dem Spieltag drei Punkte Rückstand auf Platz 2, da ist das ein realistisches Ziel. Soll ich jetzt etwa sagen: Ich will Siebter werden?"

Neues Innenverteidiger-Duo

Doch in Bremen muss Babbel in der Defensive improvisieren. Serdar Tasci ist aufgrund der fünften Gelben Karte gesperrt und Georg Niedermeier (Bänderriss im Sprunggelenk) verletzt.

"Auch Matthieu Delpierre ist noch nicht so weit, dass er der Mannschaft helfen könnte. Und deshalb ist es besser, wenn er zu Hause bleibt und methodisch Aufbauarbeit leistet", sagt Babbel. Ricardo Osorio und Khalid Boulahrouz werden wohl das Abwehrzentrum besetzen und Christian Träsch von der linken auf die rechte Seite wechseln.


Hamburger SV - FC Energie Cottbus

Auch die zweite Sonntagspartie findet im hohen Norden statt. Der Hamburger SV empfängt Energie Cottbus (So., ab 16:30 Uhr im Live-Ticker). Für die Hausherren gilt es, nach zwei Niederlagen in Folge nicht den Anschluss an Tabellenführer Hertha zu verlieren.

Das 1:1 im UEFA-Pokal gegen Galatasaray unter der Woche hat gezeigt, wo beim HSV der Schuh drückt. Die "Rothosen" gingen fahrlässig mit ihren Chancen um und vergaben so eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel.

Der Schlüssel zum "Dreier" gegen den Abstiegskandidaten aus Cottbus liegt in der Offensive. Hoffnung, dass sie wieder in die Erfolgsspur finden, macht den Hanseaten die gute Heimbilanz gegen den FC Energie. Denn für die Lausitzer hat es in Hamburg bislang noch nie zu einem Sieg gereicht.

Zwei aus Drei

Doch Statistiken können die Realität verwischen. Denn immerhin spielte Energie beim HSV zuletzt drei Mal remis. Die Bilanz zwischen den beiden Clubs ist insgesamt ausgeglichen. Beide siegten jeweils drei Mal bei fünf Unentschieden und 15:15 Toren.

Fraglich ist beim HSV noch, wer im Angriff dieses Mal von Beginn an auflaufen darf. Im UEFA-Pokal wurde Ivica Olic nur eingewechselt. Aber Paolo Guerrero (Schlag aufs Auge) und Mladen Petric (Schlag gegen den Knöchel) plagen sich noch mit Blessuren herum. "Das kriegen wir sicher in den Griff", ist Trainer Martin Jol zuversichtlich.

Alles nur Kopfsache

Energie-Trainer Bojan Prasnikar hat die Partie des HSV im UEFA-Pokal auch gesehen und ist voll des Lobes über den Gegner: "Hamburg steht nicht zufällig in der Tabelle vorne, verfügt über große Qualität und speziell in der Offensive über Spieler, die eine Begegnung allein entscheiden können."

Da auch Cottbus zuletzt zwei Mal den Platz als Verlierer verlassen musste (2:3 gegen Bochum, 1:3 gegen Hertha), glaubt Prasnikar, dass es nun auf die Psyche ankommt. "Für die Spieler wird es in erster Linie eine Aufgabe für den Kopf. Denn wir wollen hinten gut stehen und dennoch unsere Chance nach vorne suchen. Die Spieler müssen also defensiv und offensiv denken", fordert der FCE-Coach eine gesunde Mischung. Eine schlechte Nachricht gab es allerdings noch: Mittelfeld-Routinier Ervin Skela konnte grippeerkrankt nicht mit nach Hamburg fahren.


Michael Reis