München - Es war der 14. November 2001 in Prag. Schiedsrichter Anders Frisk aus Schweden pfiff die Playoff-Partie zwischen Tschechien und Belgien ab. Und es waren nicht die Hausherren, die jubelten. Es waren die Gäste, die sich für die Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan qualifizierten. Der Jubel bei unseren Nachbarn war groß.

Die "Roten Teufel" setzten sich bei der Endrunde als Gruppenzweiter durch, flogen durch ein 0:2 gegen Brasilien aber dann im Achtelfinale raus. Es sollte der letzten Auftritt der Belgier bei einem großen Turnier - Europameisterschaft und Weltmeisterschaft - bleiben.

Seit dem rennen sie ihrer Geschichte hinterher. Doch es gibt allen Grund zur Hoffnung. Der aktuelle Kader ist mit einigen jungen Talenten gespickt, um die Nationaltrainer Georges Leekens viele Kollegen beneiden. bundesliga.de stellt ausgewählte Spieler vor, die der deutschen Nationalmannschaft zum Auftakt der EM-Quali das Leben schwer machen könnten.

Logan Bailly

Logan Bailly war sofort da. Im Januar 2009 wechselte er nach Gladbach und war mit seinem ersten Spiel schon nicht mehr aus der Startelf der "Fohlen" wegzudenken. Stark in der Luft, blendende Reflexe - mit seiner Kraft und Schnelligkeit hat er ideale Vorraussetzungen, um im Strafraum für Ordnung zu sorgen. Kein Wunder, dass der Nationalcoach auf Bailly setzt. "Ich habe ihn beobachtet und er strahlt etwas Besonderes aus. Bailly steht daher gegen Deutschland im Tor", entschied sich Leekens für Bailly und gegen Jean-Francois Gillet.

Daniel van Buyten

Den deutschen Fußball-Fans ist Daniel van Buyten seit Jahren bekannt. Zur Saison 2004/05 wechselt der baumlange Innenverteidiger zum HSV. Zwei Jahre später lotste ihn der FC Bayern an die Isar. Dort ist er unter Louis van Gaal zum Abwehrchef aufgestiegen und hat sich dadurch zu einer Führungspersönlichkeit weiterentwickelt. Diese Rolle füllt er auch in der belgischen Nationalmannschaft aus. "Er ist einer unserer Leader im Team", sagt Logan Bailly über van Buyten, und dazu "noch ein sehr guter Verteidiger mit unglaublich viel Erfahrung".

Jan Vertonghen

Auf solche Spieler kann und will kein Team verzichten. Jan Vertonghen macht die Drecksarbeit im Team der Belgier und geht dabei keinem Zweikampf aus dem Weg. "Ein physisch sehr, sehr starker Spieler und guter Linksfuß", stellt Bailly die Vorzüge des 23-Jährigen von Ajax Amsterdam vor. Vertonghen schaltet sich aber auch gerne mit in die Offensive ein und ist durchaus torgefährlich. Bailly hat auch einen schönen Vergleich parat: "Er erinnert mich von seiner Spielweise und Zweikampfführung immer ein wenig an Dante".

Eden Hazard

Sie kennen den Namen Eden Hazard noch nicht? Dann wird es Zeit. Denn der 19-Jährige gilt als eines der größten Talente im belgischen Fußball. Einige Fachleute halten ihn sogar für den neuen Lionel Messi. Zumindest von der Statur her sind sich die beiden definitiv ähnlich - Messi ist 1,69 Meter lang, Hazard 1,70. Für den OSC Lille hat er in jungen Jahren schon über 60 Ligaspiele absolviert. "Er ist sehr schnell und dribbelstark", weiß Bailly. Hazard ist sowohl in der Zentrale als auch auf den Außenpositionen zuhause.

Romelu Lukaku

Neben Eden Hazard befindet sich noch ein weiteres richtiges Juwel im Stamm der "Roten Teufel". Romelu Lukaku ist wohl in jedem Notizblock der europäischen Top-Trainer vermerkt. Mit seinen 17 Jahren ist er in seiner ersten Saison beim RSC Anderlecht gleich Meister, Torschützenkönig und A-Nationalspieler geworden. Mit seiner bulligen Statur (1,91 Meter, 93 Kilogramm) bringt er fast jeden Innenverteidiger zur Verzweiflung. "Er ist natürlich noch sehr jung, aber ein unglaublich großes Talent. Leider hat er in letzter Zeit ein wenig Knieprobleme", sagt Bailly über Lukaku.

Georges Leekens

Georges Leekens ist ein alter Hase im Trainergeschäft. Belgien, Niederlande, Algerien, Saudi Arabien - er ist schon weit herumgekommen. Nach 1998 ist er zum zweiten Mal für die belgische Nationalmannschaft verantwortlich. Bailly schwärmt in den höchsten Tönen vom 61-Jährigen: "Er ist ein guter und sehr erfahrener Trainer, der das Team ja nicht zum ersten Mal trainiert. Er ist ein Trainer, der sehr viel mit den Spielern redet und für eine gute Stimmung im Team sorgen kann."


Michael Reis