München - Hochspannung im Saisonfinale: In Fünf Partien des 34. Spieltags (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) steht noch richtig viel auf dem Spiel. Der Existenzkampf im Tabellenkeller hat mit Frankfurt, Mönchengladbach und Wolfsburg noch drei Teilnehmer, Bayer und Bayern streiten auf den letzten Drücker um Platz 2.



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Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt

Lange hat der BVB auf diesen Moment hingefiebert, am Samstag kurz nach 17:15 Uhr wird es endlich soweit sein: Dr. Reinhard Rauball übergibt die Schale an Kapitän Roman Weidenfeller - mitten im schwarz-gelben Meisterjubel. Vorher wollen sich die Dortmunder Helden aber natürlich noch gebührend von ihren treuen Fans verabschieden. "Es muss unser Anspruch sein, das Spiel gegen Frankfurt zu gewinnen. Wir brauchen einen ordentlichen Abschluss", sagt der Keeper und fordert "ein anderes Gesicht als in Bremen". Im Signal Iduna Park wird es schon vor dem Anpfiff äußerst emotional zugehen, wenn Urgestein Dede und der nach Madrid wechselnde Nuri Sahin offiziell verabschiedet werden. Während der Partie könnte außerdem großer Jubel aufbranden, wenn Shinji Kagawa, der nach langer Pause in Folge eines Mittelfußbruchs erstmals wieder im Kader steht, sein Comeback gibt. Auf Jürgen Klopp machte der Japaner zuletzt im Training einen "tollen Eindruck".

Ganz und gar nicht nach Jubelarien ist im Vorfeld der Partie den Frankfurtern zumute. Die Hessen liegen mit 34 Punkten (Platz 17) einen Zähler hinter Gladbach und Wolfsburg. "Wir haben es nicht mehr in der eigenen Hand", weiß Christoph Daum, aber er "versuche, alle Rechenbeispiele auszublenden". Unter dem neuen Trainer wartet die Eintracht immer noch auf den ersten Sieg, drei Unentschieden stehen erst zu Buche. Immerhin: Frankfurt ist eines der wenigen Teams, die den BVB in dieser Saison schlagen konnten. Nach dem 1:0 am 17. Spieltag folgte aber der bittere Absturz.

"Nach allem, was ich erlebt oder gesehen habe, sind wir so gut wie abgestiegen. Insofern haben wir keine Drucksituation mehr", zieht Daum vor der letzten Chance die Psychologie-Karte: "Ich hoffe, dass es die Spieler auch so empfinden. Wenn man hört, was wir alles falsch gemacht haben, brauchten wir eigentlich nicht mehr anzutreten." In einem öffentlichen Aufruf appelliert der Verein nach den "Randale-Szenen letzten Samstag" an alle Fans: "Wir rufen Euch alle als Teil von Eintracht Frankfurt auf, in Dortmund zu zeigen, was uns über viele Jahre und Zeiten hinweg ausgemacht und stark gemacht hat: Bedingungsloser Zusammenhalt, Treue, Zuversicht und Fairness."




Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach

Anders als Konkurrent Frankfurt kann die Gladbacher Borussia sich selbst zumindest in die Relegation retten. "Die vergangenen Wochen motivieren uns sehr und geben uns Selbstvertrauen", sagt Dante im bundesliga.de-Interview. Aber sein Team müsse zuerst die Pflicht erfüllen, "anschließend können wir dann gucken, was die Konkurrenz gemacht hat". Lange waren die "Fohlen" die Jäger, nach drei Siegen am Stück werden sie plötzlich von Frankfurt gejagt. "Seit ich da bin, müssen wir jedes Spiel gewinnen", reagiert Lucien Favre nüchtern, "und das ist jetzt auch der Fall."

Igor de Camargo trainiert wieder beschwerdefrei und ist eine Alternative. Der zuletzt überragende Marco Reus, der am Donnerstag erstmals für das DFB-Team nominiert wurde, unterstreicht die neue Zuversicht der Borussen: "Wir gewinnen in Hamburg und bleiben in der Bundesliga."

Für die Hamburger ist die Saison sportlich zwar gelaufen, moralisch aber nicht. "Wir sind noch in der Bringschuld nach der desolaten Leistung im letzten Heimspiel gegen Freiburg. Wir wollen unseren Fans zum Abschied ein ordentliches Spiel bieten, auch zur Belohnung", sagt Dennis Aogo. Mladen Patric (Adduktorenzerrung) und Marcell Jansen (Bauchmuskelzerrung) fallen aus, Joris Mathijsen könnte aber wieder mitwirken. Im Fokus steht auf jeden Fall der 36-jährige Ze Roberto, der den HSV nach zwei Jahren verlassen wird. "Ich hoffe, mit dem ganzen Stadion zu feiern", so der Rekord-Ausländer (335 Bundesliga-Einsätze): "Diesmal wird es wohl endgültig mein Abschiedsspiel aus der Bundesliga sein."




1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg

Felix Magath sieht seine "Wölfe" im Dreikampf um die Rettung deutlich im Vorteil - und teilt dies auch gerne der Konkurrenz mit. "Gladbach ist zwar nach drei Siegen im Aufwind. Doch für sie hat sich die Situation verändert. Sie waren vorher am Tabellenende und eigentlich schon abgestiegen. Sie hatten nichts mehr zu verlieren", sagte der Trainer und fügte selbstsicher an: "Jetzt sind sie aber auf dem Relegationsplatz und haben wieder etwas zu verlieren. Von daher denke ich, dass es für sie schwieriger wird."

Als einziges der drei Teams hat der Meister von 2009 den Klassenerhalt in der eigenen Hand. Und daher präsentiert Stürmer Grafite auch eine einfache Rechnung: "Ich tippe, dass Dortmund, der HSV und wir jeweils mit 1:0 siegen. Aber eigentlich interessiere ich mich nicht für die anderen Spiele, solange wir unsere Chance nutzen und gewinnen." Magath kann aus dem Vollen schöpfen, nur Patrick Helmes ist krankheitsbedingt nicht dabei. Aufgrund der Trainingseindrücke ist der Coach "zuversichtlich" und nimmt seine Profis in die Pflicht: "Wir haben die Situation selbst verursacht und müssen sie jetzt lösen. In welcher Liga wir spielen, bestimmen wir selbst. Deswegen braucht mir auch niemand mit Druck zu kommen."

Auf Mithilfe von Hoffenheim sollten die "Wölfe" nicht hoffen. "Im Abstiegskampf gibt es keine Freunde, wir wollen keinem der drei Teams helfen", sagt 1899-Coach Marco Pezzaiuoli. Und Verteidiger Marvin Compper unterstreicht: "Wir sind Profis und gehen aufs Feld, um unser Spiel zu gewinnen." Noch nicht sicher ist, ob der angeschlagene Isaac Vorsah mit von der Partie sein wird. Nachdem bei Sejad Salihovic unter der Woche wieder Probleme mit dem Knie auftraten, steht auch hinter seinem Einsatz noch ein Fragezeichen. Definitiv ausfallen wird Andreas Ibertsberger. Der Verteidiger musste am Sprunggelenk operiert werden. Bis auf die Langzeitverletzten stehen Pezzaiuoli ansonsten alle Mann zur Verfügung.




Bayern München - VfB Stuttgart

"Ich erinnere mich immer gerne zurück an Unterhaching", sagte Thomas Müller und spielte an auf das Saisonfinale im Jahr 2000. Leverkusen verspielte am 34. Spieltag den Titel, die Bayern sagten Danke. Am Samstag geht es zwar nur um die Vizemeisterschaft, aber die Münchner lauern im Fernduell mit Bayer wieder auf einen Patzer. Müllers Rezept: "Wir müssen gegen Stuttgart früh vorlegen. Dann kriegen sie vielleicht auch noch den Flattermann." Euphorie verkneift sich der 21-Jährige jedoch, denn mit dem möglichen 2. Platz wäre die Saison seiner Meinung nach "gerettet, aber erfolgreich war sie auf keinen Fall".

Mario Gomez steuert ganz nebenbei auf die Torjägerkanone und damit die persönliche Krönung einer starken Runde hin. Beim 5:3 im Hinspiel zeigte sich der "Torero" schon zielsicher, als er gegen seinen Ex-Club dreifach traf - einer seiner mittlerweil fünf "Dreierpacks" in dieser Spielzeit. "Es wird kein Spaziergang. Der VfB kann ohne Druck aufspielen", warnt Gomez und glaubt trotz der jüngsten Ergebnisse - 8:1 auf St. Pauli und 4:1 gegen Schalke - nicht unbedingt an ein weiteres Schützenfest.

VfB-Trainer Bruno Labbadia freut sich nach dem Klassenerhalt auf den aus seiner Sicht entspannten Süd-Gipfel. "Ich spüre eine unheimliche Erleichterung, wie ich es selten erlebt habe. Wir standen dicht am Abgrund und haben es durch eine starke Rückrunde geschafft", so der VfB-Trainer: "Ich bin froh, dass es nur noch für die Bayern um etwas geht. Für uns ist das eine Prüfung, aber auch eine Verpflichtung, da wir wieder von mehreren tausend Fans begleitet werden." Verzichten muss Labbadia neben Cacau (Leistenoperation), Cristian Molinaro (Adduktorenprobleme), Johan Audel (Reha nach Knieoperation) und Timo Gebhart (Reha nach Sprunggelenksoperation) auch auf Matthieu Delpierre, der sich am Mittwoch einen Sehnen/Muskelriss im linken Oberschenkelstrecker zugezogen hat und vier bis fünf Monate ausfällt.




SC Freiburg - Bayer Leverkusen

Bei der Begegnung zwischen Freiburg und Leverkusen ist die Konstellation besonders kurios: Gäste-Trainer Jupp Heynckes braucht mit Bayer 04 unbedingt einen Punkt, um Platz 2 im Fernduell mit seinem künftigen Club, dem FC Bayern, zu sichern. Gleichzeitig trifft Freiburgs Trainer Robin Dutt auf seinen künftigen Verein, der bei einem Freiburger Sieg doch noch von Platz 2 rutschen könnte.

Heynckes will davon nichts wissen. "Natürlich haben wir diese Konstellation, dass wir noch was holen müssen in Freiburg, nicht gewollt. Und auch ich war über unsere Leistung und das Ergebnis gegen Hamburg sehr enttäuscht. Aber jetzt wollen wir unbedingt den krönenden Abschluss schaffen", betont der 66-Jährige. Heynckes zog bei seiner letzten Pressekonferenz ein positives Fazit seiner zweijährigen Tätigkeit bei Bayer 04. "Ich bin mit unserem sportlichen Erfolg mehr als zufrieden. Wenn wir den 2. Platz halten, haben wir die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen", meinte der Übungsleiter, der personell aus dem Vollen schöpfen kann.

Und auch SC-Coach Dutt betont: "Ich möchte mit dem SC möglichst noch den 7. Platz erringen. Das ist die einzige Konstellation, die mich in dieser Woche und am Samstag beschäftigt. Ich will dieses Spiel gewinnen, auch um den Leuten hier in guter Erinnerung zu bleiben." Verzichten muss Dutt dabei möglicherweise erneut auf Innenverteidiger Pavel Krmas (Adduktorenprobleme). Verletzt zusehen müssen auch beim letzten Spiel Simon Pouplin, Yacine Abdessadki (beide Aufbautraining) , Johannes Flum (Schambeinprobleme) und Daniel Williams (Bänderzerrung im Sprunggelenk). Ömer Toprak, der ebenfalls zu Bayer 04 wechselt, fehlt nach seiner Gelb-Roten Karte beim 0:2 in Mönchengladbach vor einer Woche gesperrt. "Das ist sehr schade, denn ich hätte mir den Abschied von den Fans natürlich anders gewünscht", sagte der 21-Jährige Innenverteidiger.




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