München - Am Freitagabend wird das zweite Flutlichtspiel dieser Saison angepfiffen. Im BORUSSIA-PARK erwartet Borussia Mönchengladbach den VfL Wolfsburg. Beide haben in den ersten Wochen der neuen Saison überzeugt und könnten jeweils - zumindest für eine Nacht - die Tabellenpitze erklimmen.

Ganz anders sah es in der vergangenen Spielzeit aus: Da galten die beiden Clubs bis zuletzt noch als mögliche Abstiegskandidaten. Die Trainer Felix Magath und Lucien Favre sprangen jeweils in der Rückrunde ein, um das Ruder noch herumzureißen.

Magath schlägt erneut zu

Kurz vor der Partie verstärkte sich der VfL Wolfsburg noch mit einem neuen Spieler und überraschte die Fußballwelt. Thomas Hitzlsperger heißt der neue Mann, der zukünftig mit der Rückennummer 10 für die "Wölfe" auflaufen wird. Damit ist der gebürtige Münchner nach Hasan Salihamidzic der zweite verdiente Bundesligaspieler, den Magath zurück in die höchste deutsche Spielklasse lockte.

Auch wenn der Transfer einen großen Knall verursachte, war er doch kein Schnellschuss. Hitzlsperger, der zuletzt vereinslos war und sich bei den Tottenham Hotspurs in Form hielt, verrät: "Wir sind schon seit einigen Tagen in Gesprächen, mit Felix Magath habe ich mich getroffen."

"The Hammer", wie er auf der Insel wegen seiner beeindruckenden Schusskraft genannt wird, will beim VfL nicht nur die Bank drücken. "Ich traue mir zu zu spielen", versichert er selbstbewusst im Vorfeld des Duells. Ob es jedoch am Freitag schon zu einem hammermäßigen Einsatz kommen wird, ist derzeit noch unbestätigt. "Gerade ist alles noch sehr aufregend. Doch genau auf diesen Moment habe ich mich vorbereitet. Ich freue mich auf meinen ersten Einsatz im VfL-Trikot", bekräftigt der Neuzugang. Der 29-jährige Linksfuß könnte im defensiven Mittelfeld oder als Linksaußen Verwendung finden.

Verlorene Punkte zurück holen

Egal ob mit Hitzlsperger oder ohne: Die Wolfsburger sind im Hinblick auf den Ausgang der Begegnung zuversichtlich. Von den letzten sieben Aufeinandertreffen verloren die "Wölfe" kein einziges. Überhaupt errangen die Gladbacher nur sechs Siege in insgesamt 22 Bundesliga-Spielen gegen die "Grün-Weißen". Nicht einmal blieb diese Paarung übrigens torlos.

Als Motivationsschub kommt hinzu, dass die Wolfsburger nach dem denkbar knapp verlorenen Spiel gegen den FC Bayern vom letzten Wochenende unbedingt einen Sieg erringen wollen. Hasan Salihamidzic formuliert es folgendermaßen: "Wir müssen die drei Punkte holen, die wir zuhause gegen Bayern verloren haben. Doch dafür ist ein gutes Spiel erforderlich.

Schließlich ist Gladbach stark in die Saison gestartet - auf uns kommt ein hartes Stück Arbeit zu. Doch wir wissen, was uns erwartet." Der Auftritt hat auch Mönchengladbachs Trainer Luvien Favre überzeugt: "Die Wolfsburger haben in den gesamten 90 Minuten nur eineinhalb Torchancen zugelassen, das sagt alles aus. Sie stehen extrem kompakt, sind sehr gut organisiert und verfügen dazu über große individuelle Qualität."

Helmes, der Torgarant

Personell sieht es jedenfalls gut aus. Wäre Koo Ja-Cheol im Training nicht unglücklich umgeknickt und hätte sich das Außenband im Sprunggelenk gerissen, wären tatsächlich alle Mann fit. So muss Magath aber den Südkoreaner vorerst aus seinen Plänen streichen. "Für das Wochenende fällt er auf jeden Fall aus, was danach ist, warten wir mal ab", meint der Chefcoach optimistisch.

Der "Wolf", den die Gladbacher aber am meisten fürchten, ist sowieso Patrick Helmes. Fünf Treffer in sechs Partien kann der gegen Mönchengladbach verbuchen. Und auch in der laufenden Saison bewies er mit seinen zwei Toren Treffsicherheit. Dementsprechend sieht Helmes keinen Anlass zur Bescheidenheit: "Wir spielen in jedem Spiel auf Sieg und wollen immer die drei Punkte holen. Und das soll auch am Freitag so bleiben."

Aussicht auf sensationellen Start

Bei den Borussen steht am Freitag der beste Saisonstart aller Zeiten auf dem Spiel, da lässt man sich am besten nicht von Helmes' Sprüchen irritieren. "Für unsere Fans wäre das natürlich eine schöne Sache, und auch ich würde mich freuen, wenn wir nach dem Spiel sieben Punkte auf dem Konto hätten, alles andere interessiert mich aber nicht. Ich konzentriere mich nur auf das Spiel, das wird sehr hart", zeigt Coach Favre Verständnis. Die neue Marschrichtung heißt dem Schweizer zufolge: "Wir müssen weniger kompliziert, mehr über die Außen und insgesamt intelligenter nach vorne spielen, um ein paar Lücken zu finden."

Ganz so einfach kann es aber nicht werden, denn zwei Stammspieler trifft das Verletzungspech. Martin Stranzl hat mit muskulären Problemen zu kämpfen, während Igor de Camargo von einem gerissenen Dornfortsatz an einem seiner Brustwirbel gequält wird. Dazu kommt die Rotsperre von Roel Brouwers.

Da ist auch Favre ratlos: "Es sind alles drei wichtige Spieler für uns, aber wir können es nicht ändern." Er wird sich aber wohl vor allem für die Abwehr etwas überlegen müssen. "Es ist möglich, dass wir Havard Nordtveit zurückziehen oder Filip Daems von der linken Seite in die Innenverteidigung rückt, aber noch habe ich mich nicht entschieden", sagt der Gladbacher Coach vorsichtig.