Zusammenfassung

  • Werder holt aus den letzten drei Spielen sieben Punkte

  • Offensives Auftreten, statt Ergebnis verwalten

  • Der Österreicher Kainz blüht mit zwei Treffern auf

Bremen – Der SV Werder Bremen ist aktuell das Team der Stunde in der Bundesliga. Die Grün-Weißen holten aus den letzten drei Partien satte sieben Punkte und fuhren beim 3:1-Heimerfolg am Sonntagabend gegen den VfL Wolfsburg den zweiten Sieg in Folge ein. Das Team von Trainer Florian Kohfeldt verfolgt im Gegensatz zu den anderen Teams in der unteren Tabellenhälfte einen anderen Plan – offensiv spielen statt verteidigen.

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Ein paar Minuten vor Schluss hielt es die Fans nicht mehr auf den Sitzen. Die Werder-Anhänger standen bis zum Schlusspfiff und unterstützten ihr Team nach Kräften. Der 3:1-Sieg war zu diesem Zeitpunkt bereits in trockenen Tüchern. Aufgrund der Ergebnisse der anderen Teams war vor dem Anpfiff klar, dass ein Heimsieg des SVW ungemein wichtig wäre, um sich weiter etwas Luft zu verschaffen. Die Bremer legten vor knapp 39000 Zuschauern auch so los, als wollten sie keinen Zweifel aufkommen lassen, wer dieses Spiel gewinnen würde.

"Das Stadion ist fast explodiert. Jetzt weiß ich endlich, wie es sich anfühlt in der Bundesliga ein Tor zu schießen." Ludwig Augustinsson (Werder Bremen)

Schon nach vier Minuten führte Werder, nachdem Ludwig Augustinsson eine Junuzovic-Ecke per Kopf eingenickt hatte. Es war das Premieren-Tor in der Bundesliga für den Schweden. „Das Stadion ist fast explodiert. Jetzt weiß ich endlich, wie es sich anfühlt in der Bundesliga ein Tor zu schießen“, erklärte Augustinsson freudestrahlend. Er bildete vor allem in der ersten Hälfte eine bärenstarke linke Seite zusammen mit seinem Teamkollegen Florian Kainz.

Keine Chance für Koen Casteels beim Kunstschuss von Florian Kainz zum 2:0 für Bremen
Keine Chance für Koen Casteels beim Kunstschuss von Florian Kainz zum 2:0 für Bremen © gettyimages / Stuart Franklin

Der Österreicher erwischte gegen die Wölfe einen Sahnetag und spielte die vielleicht beste Partie im Dress des SV Werder. Schon bei der unglücklichen Pokalniederlage unter der Woche in Leverkusen zeigte er ansteigende Form. Gegen Wolfsburg war er in der Offensive nicht zu stoppen. Nach einem tollen Zusammenspiel mit Landsmann Zlatko Junuzovic schlenzte er den Ball in der 40. Minute aus 17 Metern in den rechten Winkel – ein Traumtor. Genauso wichtig war aber auch sein zweiter Treffer zum vorentscheidenden 3:1 nach Vorarbeit von Max Kruse. „Das 2:0 war schon eines meiner schönsten Tore in meiner bisherigen Karriere“, freute sich Kainz.

Jetzt stimmen auch die Ergebnisse

Schon in den vergangenen Partien wurde das Team von Trainer Kohfeldt immer wieder gelobt, wie gut es doch Fußball spielen könne. Die Punkte beziehungsweise Siege blieben aber noch aus. Auf Schalke gewannen die Bremer dann nach einer nicht so überzeugenden Leistung, was allen Bremer Beteiligten letzten Endes völlig egal war. Gegen Wolfsburg spielten die Grün-Weißen wieder richtig gut - und siegten. Schon zur Halbzeit hätte Werder nach vielen hochkarätigen Chancen den Sack zu machen können. Nach Wiederbeginn hatten die Bremer eine kurze Schwächeperiode und kassierten den Anschlusstreffer, doch anders als vielleicht andere Teams verteidigte Werder nicht die Führung, sondern spielte weiter nach vorne.

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Ludwig Augustinsson wuchtet seinen Kopfball zum Bremer 1:0 in die Maschen
Ludwig Augustinsson wuchtet seinen Kopfball zum Bremer 1:0 in die Maschen © gettyimages / Stuart Franklin

„Das war ein Sieg des Offensivspiels“, erklärte Kohfeldt nach dem Spiel. Seit seinem Amtsantritt Anfang November versuchen die Bremer wieder mutigen Offensivfußball zu spielen. Kohfeldt begründet diese Philosophie mit dem vorhandenen Spielermaterial. „Die Spielweise passt zu unserem Kader.“ Er meint damit technisch und offensiv denkende Spieler wie Kruse, Junuzovic oder auch Kainz. Der Trainer weiß aber auch, dass es immer eine Risikoabwägung ist. „Es sind auch mal wilde Spiele, wie zuletzt im Pokal in Leverkusen dabei. Wichtig ist, dass wir die nötige Balance finden“, so Kohfeldt, der nach dem Spiel gegen den VfL vom einem „cleveren Sieg“ sprach.

"Mit 23 Punkten steigt man ab, deshalb müssen wir weiter punkten. Es gibt überhaupt keinen Grund für Selbstzufriedenheit." Florian Kohfeldt (Trainer Werder Bremen)

Auch die interne Konkurrenz wirkt sich aktuell positiv auf das Team aus. In der Winterpause wurde der Kader noch einmal mit dem erfahrenen Verteidiger Sebastian Langkamp und dem vielversprechenden Offensivtalent Milot Rashica verstärkt. Das beflügelt die Spieler aktuell und hemmt sie nicht. Der Teamgeist ist überragend bei Werder und Trainer Kohfeldt moderiert das sehr gut, kein Spieler ist sauer, wenn er nicht spielt, sondern nimmt den neuen Konkurrenzkampf positiv auf.

Video: Spannender Kampf im Tabellenkeller

Werder bleibt auf dem Teppich

Das Momentum im Abstiegskampf spricht aktuell für die Norddeutschen. Unmittelbare Konkurrenten wie der HSV oder Mainz 05 befinden sich eher in einer Abwärtsspirale. Werder wird dagegen immer besser. Trotz der guten Form und der verbesserten Tabellensituation mahnt Kohfeldt: „Man kann in der Bundesliga nichts konservieren. Wenn man von einer Welle spricht, ist die Welle schon wieder vorbei. Mit 23 Punkten steigt man ab, deshalb müssen wir weiter punkten. Vor uns liegen extrem wichtige Spiele gegen Freiburg und Hamburg. Es gibt überhaupt keinen Grund für Selbstzufriedenheit.“ Und auch Doppeltorschütze Kainz bleibt auf dem Teppich: „Das war ein extrem wichtiger Sieg, aber kein Befreiungsschlag. Wir haben etwas Boden gut gemacht, aber wir müssen auf dem Boden bleiben und weiter hart arbeiten. Die nächsten beiden Spiele gehen gegen direkte Konkurrenten, da müssen wir nachlegen. Es gibt keinen Grund für uns abzuheben. Wir gehen mit breiter Brust und großer Vorfreude in die nächsten Spiele.“

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage